# taz.de -- Engergiesperren wegen Armut: Arm im Dunkeln
       
       > Die Zahl der Stromsperren in Berlin steigt rasant, zeigt eine Anfrage.
       > Die Linke fordert ein Verbot, doch der Senat sieht keinen
       > Handlungsbedarf.
       
 (IMG) Bild: Glücklich ist der, der die Gasrechnung bezahlen kann
       
       [1][Immer mehr Berliner:innen wird Strom und Heizung abgestellt, weil
       sie zu arm sind]. Das ergaben [2][drei] [3][parlamentarische] [4][Anfragen]
       der Linken. Allein die Zahl der Stromsperren hat sich in Berlin in den
       letzten beiden Jahren verdoppelt. Wurde 2023 noch in 5.569 Fällen
       Haushalten die Stromversorgung gekappt, waren es 2025 11.954. Die
       Gasversorgung wurde in 1.157 Fällen eingestellt.
       
       Die Verdopplung sei ein „alarmierendes Zeichen“ kommentiert der
       energiepolitische Sprecher der Linken, Philip Bertram, die Ergebnisse der
       Anfrage. Der Anstieg zeige, wie sehr die hohen Strompreise auch
       Privathaushalte belasten.
       
       Energiesperren werden von den versorgenden Unternehmen verhängt, wenn die
       Kunden nicht ihren Zahlungen nachkommen. Meist erfolgen die Sperrungen nach
       mehrmaligen Warnungen und können durch Vereinbarung einer Ratenzahlung noch
       abgewendet werden.
       
       Um riesige Summen handelte es sich dabei häufig nicht. Der Stromversorger
       Vattenfall gibt in der Antwort an, der durchschnittliche Zahlungsrückstand
       zum Zeitpunkt der Sperre lag bei 400 Euro. Eine Gassperre werde ab einem
       Rückstand von 150 Euro eingeleitet, heißt es in der Anfrage.
       
       ## Schuldenfalle Grundversorgung
       
       Die überwiegende Mehrheit der Betroffenen bezieht Strom über die deutlich
       teurere Grundversorgung. Schließt eine Mieterin nicht aktiv einen
       Stromvertrag ab, bezieht sie automatisch den teureren Basistarif. Von den
       11.540 Unterbrechungen waren 10.265 Kunden des Basistarifs.
       
       Das sei kein Zufall, sagt Katina Schubert, sozialpolitische Sprecherin der
       Linken. „In der Grundversorgung landen meist Menschen, die aufgrund von
       Schufa-Einträgen woanders nicht unterkommen.“ Weil sie nun durch diesen
       überteuerten Tarif gefangen sind, gerieten sie gleich in die nächste
       Schuldenfalle. Der Basistarif ist fast um ein Viertel teurer als der
       ohnehin nicht günstige Standard-Ökostromtarif Vattenfalls.
       
       Für viele, denen eine Sperre droht, ist die Energieschuldenberatung der
       Verbraucherzentrale die letzte Hoffnung. „Viele kommen erst, wenn der
       Prozess schon weit fortgeschritten ist. Manchmal ist es nicht möglich, die
       Sperre zu verhindern“, sagt Energieschuldenberaterin Elisabeth Grauel.
       
       ## Auch Kinder betroffen
       
       Es seien unterschiedlichste Menschen, die zu ihr kämen, berichtet Grauel.
       „Sie haben meist ein geringes Einkommen oder sind Sozialleistungsbezieher“,
       sagt Grauel. In etwa ein Drittel der Haushalte würden auch Kinder leben,
       berichtet die Energieschuldenberaterin.
       
       Besonders Bürgergeldempfänger:innen seien gefährdet. „Der
       Pauschalbetrag reicht in der Regel nicht aus“, so Grauel. Vorgesehen im
       Regelsatz sind zum Beispiel 47,73 Euro pro Monat für Stromkosten für einen
       Einpersonenhaushalt. Verbraucht diese Person 1.500 Kilowattstunden im Jahr,
       kostet sie das 67,50 Euro pro Monat in der Grundversorgung. Menschen, die
       in ihrer Wohnung einen Durchlauferhitzer oder Boiler hätten, „müssen
       besonders aufpassen“, sagt Grauel.
       
       Erstaunlich ist, dass der [5][400.000 Euro schwere Härtefallfonds]
       Energieschulden nur zweimal in Anspruch genommen wurde. Dies lag aber
       weniger an der mangelnden Nachfrage – insgesamt gab es 2025 195 Anträge –,
       sondern an den unerfüllbaren Kriterien. So ist eine Zahlung bei
       „Selbstverschulden“ ausgeschlossen, für Sozialhilfeempfänger:innen
       wird grundsätzlich nichts übernommen.
       
       Der Fonds fiel in den Haushaltsverhandlungen des vergangenen Jahres dem
       Rotstift zum Opfer, mit der Begründung, er wäre ja kaum in Anspruch
       genommen worden. Taylan Kurt, sozialpolitischer Sprecher der Grünen, wirft
       dem Senat „Rechentricks“ vor. „Ein Problem unsichtbar zu machen, sorgt
       nicht dafür, dass es verschwindet“, sagt Kurt.
       
       ## Mangel am Nötigsten
       
       In der Antwort auf die Linkenanfrage behauptet der Senat, die bestehenden
       Hilfs- und Beratungsangebote seien ausreichend. „Das ist Quatsch“,
       kritisiert Kurt. Es gebe bei Energiearmut eine hohe Dunkelziffer, die nicht
       in der Statistik auftauche. Allein die Zahl von 75.440 Sperrankündigungen,
       die Vattenfall versendet hat, zeigt, wie groß das Problem sei.
       
       „Das werden Menschen sein, die sich das Geld vom Munde abgespart haben“,
       sagt Kurt. Um die Energieschulden zu bezahlen, würden sich viele anderswo
       verschulden oder auf andere grundlegende Dinge wie Essen oder
       gesellschaftliche Teilhabe verzichten. „Das ist Politik gegen Menschen mit
       wenig Geld“, sagt Kurt.
       
       Philip Bertram fordert daher ein grundsätzliches Verbot von Energiesperren.
       „Die Versorgung mit Energie gehört zum Grundbedarf für ein menschenwürdiges
       Leben, ohne Strom kein Licht, kein warmes Essen, keine Kommunikation, oft
       keine Heizung“, sagt der energiepolitische Sprecher. Das Mindeste sei
       [6][die Einführung einer zusätzlichen behördlichen Prüfung.] „Nur so kann
       sichergestellt werden, dass insbesondere besonders schutzbedürftigen
       Haushalten mit Kindern, Schwangeren und auf die Stromversorgung
       angewiesenen Kranken nicht die nötige Energie abgestellt wird und
       Sozialbehörden und Jugendämter rechtzeitig aktiv werden.“
       
       5 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/SchrAnfr/S19-24809.pdf
 (DIR) [3] https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/SchrAnfr/S19-24810.pdf
 (DIR) [4] https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/SchrAnfr/S19-24809.pdf
 (DIR) [5] /Energieschulden-in-Berlin/!5958840
 (DIR) [6] /Depressionsliga-zur-neuen-Grundsicherung/!6145741
       
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