# taz.de -- Veröffentlichung neuer Epstein-Akten: Ex-Prinz Andrew soll aussagen
       
       > Der britische Premier Starmer erhöht den Druck auf Andrew
       > Mountbatten-Windsor: Er soll zur Aufklärung des Missbrauchsskandals vor
       > dem US-Kongress beitragen.
       
 (IMG) Bild: Ein undatiertes Foto aus den Epstein-Akten zeigt Andrew Mountbatten-Windsor, kniend über einer unbekannten Frau
       
       Nach der [1][Veröffentlichung von drei Millionen weiteren Ermittlungsakten]
       im Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein erhöht der
       britische Premierminister Keir Starmer den Druck auf den ehemaligen
       britischen Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor. Starmer sprach sich dafür
       aus, dass der Bruder von König Charles vor dem US-Kongress über seine
       Beziehung zu Epstein aussagt und über mutmaßliche sexuelle Kontakte zu von
       Epstein vermittelten Frauen. „Ich habe immer gesagt, dass jeder, der über
       Informationen verfügt, darauf vorbereitet sein sollte, diese Informationen
       zu teilen, in welcher Form auch immer er darum gebeten wird“, sagte Starmer
       am Wochenende am Rande einer Reise nach Asien.
       
       Bereits 2020 wollte die US-amerikanische Justizbehörde mit dem damaligen
       Prinzen Andrew sprechen. Als Ende letzten Jahres ein erster Teil der
       Epstein-Akten veröffentlicht wurde, wandten sich demokratische Abgeordnete
       im US-Kongress erneut an ihn, mit der Bitte, dass er Aussagen machen
       sollte.
       
       Das US-Justizministerium hatte am Freitag nun mehr als drei Millionen neue
       Dokumentenseiten auf seiner Webseite veröffentlicht, darunter mehr als
       2.000 Videos und 180.000 Fotos. Den ehemaligen Prinzen sieht man auf zwei
       bisher nicht bekannten Aufnahmen über einer bekleideten Frau knien, deren
       Gesicht von den Behörden zur Anonymität vertuscht wurde. Auf einem weiteren
       Foto berührt er ihre Hüfte.
       
       ## Der Ex-Prinz streitet alle Vorwürfe ab
       
       Mountbatten-Windsor, [2][dem im Oktober 2025 von seinem Bruder Charles III.
       alle Adelstitel aberkannt worden sind,] bestreitet bisher alle Vorwürfe
       gegen ihn hartnäckig. Aufsehen machte zuletzt der [3][Fall Virginia
       Guiffre], die in ihrer Autobiografie behauptet, sie sei 2011 als damals
       Minderjährige zum Sex mit Mountbatten-Windsor gezwungen worden. Giuffre
       begang 2025 Suizid.
       
       Auch die nun veröffentlichten Dokumente legen nahe: Der Ex-Prinz hielt
       deutlich länger Kontakt zu Epstein, als er vorgibt. Mountbatten-Windsor
       behauptet, er habe die Beziehung zu Epstein abgebrochen, nachdem der 2008
       wegen Prostitution Minderjähriger verurteilt wurde. Doch noch 2010 hatte er
       Epstein offenbar zu einem Besuch in den Buckingham Palace eingeladen. In
       einem E-Mail-Austausch unterhalten sich Epstein und der ehemalige Prinz
       bezüglich einer Russin, die „26 Jahre alt, schlau, schön und
       vertrauenswürdig“ sei, wie Epstein schreibt. Ob der Prinz sie nicht treffen
       wolle, es geht um einen Zeitaum im August 2010.
       
       Die US-Anwältin Brad Edwards, die viele der Opfer Epsteins vertritt, sagte
       unterdessen dem britischen Sender BBC, eine ihrer Klientinnen habe
       berichtet, sie sei just 2010 von Epstein nach Großbritannien geschickt
       worden, um dort Moundbatten-Windsor in seiner ehemaligen Residenz „Royal
       Lodge“ zu treffen. Während ihres Aufenthalts soll die junge Frau eine Tour
       durch Buckingham Palace erhalten haben. Der ehemalige Prinz, heute 65 Jahre
       alt, äußert sich bisher nicht, wurde aber am Samstag während eines
       Reitausflugs fotografiert.
       
       ## Bill Gates soll nach Medikamenten gefragt haben
       
       In den neu veröffentlichten Dokumente fallen weitere prominente Namen.
       Darunter ist der des britischen Milliardärs Richard Branson, der Epstein
       demnach auffordert, seinen „Harem“ beim nächsten Treffen mitzubringen. Auch
       der des US-amerikanischen Microsoft-Gründers Bill Gates taucht in den neuen
       Dokumenten auf. In einem E-Mail-Entwurf, den Epstein an sich selbst
       geschickt haben soll, soll er schreiben, dass Gates ihn um Antibiotika für
       dessen Frau gebeten habe, da er eine sexuell übertragene Krankheit von zwei
       russischen Prostituierten habe. Gates' Stiftung bezeichnete diese
       Behauptungen als absurd und falsch. Viele der nun bekannt gewordenen
       Schriftwechsel lassen sich nicht verifizieren. Offiziell beschuldigt wurde
       noch niemand der Genannten.
       
       US-Handelsminister Howard Lutnick belasten die neuen Akten ebenfalls. Er
       soll 2012 mit seiner Familie eine Einladung auf Epsteins Insel angenommen
       haben – hatte aber bisher behauptet, den Kontakt zu Epstein vor Jahrzehnten
       abgebrochen zu haben.
       
       Elon Musk, Tesla-Multimilliardär und Ex-Berater von US-Präsident Donald
       Trump, gerät auch den Fokus: Er fragte Epstein im Jahr 2012, also nach
       dessen Verurteilung als Sexualstraftäter, wann die wildeste Party auf
       dessen Insel laufe. Nicht klar ist jedoch, ob Musk dann je die Insel
       Epsteins besuchte. Trump selbst konnte bisher noch kein direktes
       Fehlverhalten nachgewiesen werden. Die neu veröffntlichten Dokumente sollen
       auch FBI-Listen enthalten mit größtenteils anonymen Anschuldigungen gegen
       Trump. Das FBI stuft sie demnach teils als „nicht glaubhaft“ ein.
       
       ## Frauen fordern vollständige Offenlegung
       
       Auch die jetzt veröffentlichten Akten [4][enthalten Schwärzungen, das
       Justizministerium begründet sie mit dem Schutz der Opfer.] Frauen, die sich
       selbst als Missbrauchsopfer Epsteins bezeichnen, fordern die vollständige
       Freigabe der Akten.
       
       Unterdessen erreicht der Missbrauchsskandal weitere Länder: In der Slowakei
       trat Ex-Außenminister und Regierungsberater Miroslav Lajcak zurück. Das
       slowaksiche Nachrichtenportal 360tka veröffentlichte am Wochenende
       Chatprotokolle, denen zufolge Epstein Lajcak junge Frauen angeboten haben
       soll. Sie seien „wahrscheinlich zu jung für dich“, habe Epstein
       geschrieben, worauf Lajcak geantwortet habe: „Du hast mich nicht in Action
       erlebt.“ Der Politiker habe im Gegenzug seine Kontakte zum slowakischen
       Ministerpräsidenten Robert Fico angeboten. Lajcak wies die Vorwürfe indes
       zurück: „Ich stehe unter Schock.“ Er habe nie mit Epstein über Frauen
       gesprochen und auch keine Treffen für diesen organisiert. (mit dpa, ap,
       afp)
       
       1 Feb 2026
       
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