# taz.de -- Kanzler kritisiert hohen Krankenstand: Merz will Gesundheit verschreiben
> Angestellte melden sich jährlich für knapp 15 Tage krank. Der Kanzler
> fragt, ob das wirklich notwendig sei – und kritisiert die telefonische
> Krankschreibung.
(IMG) Bild: Der Wunderheiler zeigt mit dem Finger auf eine Kranke – und schon wird die wieder gesund
dpa | Wegen [1][des hohen Krankenstands in Deutschland] nimmt Bundeskanzler
Friedrich Merz erneut die telefonische Krankschreibung ins Visier. Darüber
müsse man mit dem Koalitionspartner SPD sprechen, sagte der CDU-Chef im
Wahlkampf vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg im März. Die Äußerungen
trafen bei Linken und BSW auf Kritik.
Merz sagte in Bad Rappenau, die Beschäftigten in Deutschland kämen im
Schnitt auf 14,5 Krankentage. „Das sind fast drei Wochen, in denen die
Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das
wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“
Man müsse sich darüber unterhalten, wie man Anreize schaffe, dass die
Menschen ihrer Beschäftigung nachgingen, sagte der CDU-Chef. Die
telefonische Krankschreibung nannte er als Beispiel. Diese gilt seit 2021,
die Union dringt auf eine Abschaffung. „Während der Coronazeit begründet
richtig, heute immer noch?“, fragte der Kanzler.
Er sagte auch: „Am Ende des Tages muss stehen, dass wir alle zusammen in
dieser Bundesrepublik Deutschland eine höhere volkswirtschaftliche Leistung
gemeinsam erreichen, als wir sie gegenwärtig erreichen.“
## „Krankmachende Arbeitsbedingungen“
Linken-Bundesgeschäftsführer Janis Ehling widersprach Merz: „Wer den hohen
Krankenstand beklagt, sollte über Überlastung, Personalmangel und
krankmachende Arbeitsbedingungen reden, statt Beschäftigten fehlende
Arbeitsmoral zu unterstellen.“ Gute Löhne, ausreichend Personal und
Prävention stärkten die Gesundheit, sagte Ehling.
Der BSW-Vorsitzende Fabio De Masi ging Merz scharf an. Der Kanzler stelle
Millionen Beschäftigte unter Generalverdacht, während die Regierung selbst
wenig leiste. „Das Problem der deutschen Wirtschaft ist nicht der
Krankenstand derjenigen, die den Laden am Laufen halten, sondern die
miserable Wirtschaftspolitik mit hohen Energiepreisen und kaputter
Infrastruktur“, sagte De Masi.
Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts waren Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer in Deutschland 2024 durchschnittlich 14,8 Arbeitstage krank
gemeldet – ein Anstieg um 3,6 Krankheitstage im Vergleich zu 2021. Die
Zunahme dürfte nach Einschätzung des Bundesamts unter anderem auf die
Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Anfang 2022
zurückzuführen sein. Damit würden die Krankmeldungen vollständiger erfasst.
Davon geht auch eine Studie der Krankenkasse AOK von Anfang 2025 aus.
Treiber für zusätzliche Fehltage seien auch Atemwegserkrankungen. Bei der
telefonischen Krankschreibung sah die AOK-Studie hingegen „keinerlei
Anzeichen für einen systematischen Missbrauch“. Drei von vier für die
Studie befragten Beschäftigten nannten die telefonische Krankschreibung
damals sinnvoll oder sehr sinnvoll, weil man nicht krank zum Arzt müsse und
Kontakt zu anderen Patienten im Wartezimmer vermeiden könne.
Union und Arbeitgeberverbände fordern trotzdem schon länger das Ende der
telefonischen Krankschreibung. CSU-Chef Markus Söder sagte zuletzt, die
Abschaffung sei ein wichtiger Ansatz: „Das Blaumachen muss reduziert
werden.“ Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist jedoch nicht von
Abschaffung, sondern von Korrekturen die Rede: „Die telefonische
Krankschreibung werden wir so verändern, dass Missbrauch zukünftig
ausgeschlossen ist (zum Beispiel Ausschluss der Online-Krankschreibung
durch private Online-Plattformen).“
Auch immer wieder im Gespräch: Sogenannte Karenztage und die Einschränkung
der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger
sagte zu Jahresbeginn: „Internationale Erfahrungen zeigen: Je großzügiger
die Lohnfortzahlung, desto höher die Fehlzeiten, vor allem bei leichten
Erkrankungen.“
17 Jan 2026
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