# taz.de -- Präsidentschaftswahl in Costa Rica: Rechte Kontinuität
> In Costa Rica hat die konservative Kandidatin Laura Fernández wohl
> gewonnen. Davon wird auch ihr umstrittener Vorgänger und Mentor
> profitieren.
(IMG) Bild: Wahlsiegerin Laura Fernandez
Das Ergebnis ist noch vorläufig, aber nach Auszählung von knapp 88 Prozent
der Stimmen liegt Laura Fernández laut dem Obersten Wahlgericht (TSE) mit
knapp 49 Prozent der Stimmen vorn. Die konservative Kandidatin,
Parteifreundin des noch amtierenden Präsidenten Rodrigo Chaves, wird aller
Wahrscheinlichkeit nach die Präsidentschaftswahlen in Costa Rica im ersten
Wahlgang für sich entscheiden. Für einen Wahlsieg im ersten Wahlgang sind
mindestens 40 Prozent notwendig, die die Kandidatin der Souveränen
Volkspartei (PPSO) locker übertrifft.
Ihr stärkster Rivale, der liberal-konservative Ökonom Álvaro Ramos, kam auf
rund 33 Prozent der Stimmen und räumte seine Niederlage bereits ein.
Abgeschlagen folgen die Coalición Agenda Ciudadana mit 4,48 Prozent und das
Linksbündnis Frente Amplio mit 3,53 Prozent. Die Wahlbeteiligung war mit 69
Prozent deutlich höher als [1][bei der Wahl des scheidenden Präsidenten
Rodrigo Chaves vor vier Jahren].
Der gilt als Mentor der designierten Präsidentin. Sie versprach ihrem
Vorgänger, „unermüdlich kämpfen“ zu wollen, um sicherzustellen, dass Costa
Rica „den Weg des Wirtschaftswachstums, der Freiheit und vor allem des
Fortschritts“ weitergehe. Die 39-jährige Politikwissenschaftlerin
Fernández, die bisher eher im Schatten des Präsidenten Chaves stand, steht
somit vor allem für Kontinuität. Sie gehörte als Ministerin für Wirtschaft
und Entwicklungsplanung zwischen 2022 und 2025 dem Kabinett an, hat
Erfahrung in der entwicklungspolitischen Kooperation, darunter auch mit der
deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).
Allerdings hat sich Fernández dabei eher im Hintergrund gehalten, sie sei
keine starke Persönlichkeit wie ihr polarisierender Mentor Rodrigo Chaves,
urteilen Analysten wie die Politologin Tanía Rodríguez von der Universität
Costa Rica in San José. Indiz dafür ist auch die Tatsache, dass Fernández
im Vorfeld Wahldebatten mied und ihr Regierungsprogramm vage und allgemein
gehalten ist.
## Glückwünsche aus El Salvador
Zu den ersten Gratulanten von Laura Fernández zählte Sonntagnacht auch
[2][Nayib Bukele, autoritärer Präsident aus El Salvador], der an der Seite
von Rodrigo Chaves vor wenigen Wochen den Grundstein für ein
Hochsicherheitsgefängnis nach salvadorianischem Vorbild legte. Bukele, der
sich als erfolgreicher Bekämpfer der Bandenkriminalität in Mittelamerika
inszeniert, dabei aber auf Masseninhaftierungen ohne rechtsstaatliche
Garantien setzt, wird in Costa Rica als Vorbild gehandelt, gerade weil das
einst so stabile Land unter steigender Drogenkriminalität, hoher Mordquote
und Gewalt leidet.
Das schürt Ängste, die Rodrigo Chaves bedient hat. Er hat sich als starker
Macher inszeniert, ihm werden jedoch auch Korruption und die Einschränkung
der Pressefreiheit vorgeworfen. Laura Fernández wird ihn nun womöglich mit
einem Posten in ihrem Kabinett vor Ermittlungen schützen. Ob sie wie ihr
Mentor gegen die Institutionen des Staates vorgehen wird, denen er
verkrustete Strukturen und Unfähigkeit vorwarf, wird sich bald zeigen.
Für Didier Leitón, Gewerkschafter im Plantagensektor des Landes, verfolgt
die Regierungspartei, die rund 30 Sitze von 57 im Parlament haben wird,
eine antigewerkschaftliche Haltung. „Wir haben von dieser Regierung nichts
zu erwarten“, sagt er und verweist auf die Schwächung der Justiz unter
Chaves.
2 Feb 2026
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(DIR) Knut Henkel
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