# taz.de -- Konflikt zwischen den USA und Venezuela: Kriegsschiffe in der Karibik
> Drohnenangriffe, Drohungen und ein gekaperter Öltanker – was will die
> US-Regierung in Bezug auf Venezuela? Und was hat die EU mit dem Drama zu
> tun?
(IMG) Bild: Ein Bild des Öltankers, den die USA beschlagnahmt haben – auf X gepostet von US-Generalstaatsanwältin Pam Bondi
Kein Tag mehr ohne Nachrichten zu Venezuela. Da ist der Friedensnobelpreis,
der an die venezolanische Oppositionelle María Corina Machado ging. Da ist
Donald Trump, der nach US-Angriffen auf Boote vor Venezuelas Küste damit
droht, dass es „sehr bald“ zum Landangriff kommen wird. Da ist ein
Telefongespräch Trumps mit Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro. Da ist der
venezolanische [1][Öltanker, den die USA nach eigenen Angaben unter ihre
Kontrolle gebracht haben]. Und da ist eine [2][Botschaft Trumps auf Truth
Social]: „an alle Fluggesellschaften, Piloten, Drogenhändler und
Menschenhändler: Bitte betrachtet den Luftraum über und um Venezuela als
vollständig geschlossen.“
Nach internationalem Recht kann der US-Präsident zwar keinen fremden
Luftraum schließen. Doch was in den vergangenen Tagen und Wochen an der
Karibikküste passiert ist, reißt schon längst den Rahmen des Rechts.
Recherchen der Washington Post zufolge soll US-Kriegsminister Pete Hegseth
bei einem Drohnenangriff auf ein mutmaßliches Drogenboot Anfang September
den Befehl gegeben haben, [3][alle Besatzungsmitglieder zu töten], die den
Beschuss aus der Luft zuerst überlebt hatten. Ein Ausschuss des US-Senats
wird die Vorwürfe jetzt prüfen, unter anderem, ob es sich dabei um
Kriegsverbrechen handelt.
Doch was will die US-Regierung überhaupt in Bezug auf Venezuela?
Machthaber Nicolás Maduro und einige Analyst:innen sagen: Erdöl. James
Bosworth vom [4][Latin America Risk Report] argumentiert hingegen: Die
Geschäftsleute, die Venezuelas Öl wollen, seien auf einen Deal mit Maduro
aus – nicht auf eine Invasion. Die US-Ölfirma Chevron sei zudem längst in
Venezuela tätig. Bosworth geht davon aus, dass Trump tatsächlich denkt, er
würde venezolanische Kartelle bekämpfen, die die USA mit Drogen
überschwemmten. Die jedoch mit dem neu platzierten US-Flugzeugträger vor
der Küste Venezuelas bekämpfen zu wollen, sei eine dumme Idee.
Zumal feststeht: [5][Fentanyl kommt aus Mexiko in die USA, nicht aus
Venezuela. Kokain kommt über die Pazifikroute, nicht über die Karibik].
## Südamerika ist in der Sache gespalten
José Antonio Sanahuja, Professor für Internationale Beziehungen an der
Universidad Complutense in Madrid, geht nicht davon aus, dass es
tatsächlich zu einem Landangriff kommen wird. Vielmehr hoffe Trump, durch
Drohungen einen Regierungswechsel in Venezuela herbeizuführen. Auch wenn
die US-Regierung das bislang nicht offen sagt.
Der Süden Amerikas ist in der Sache gespalten – in Länder, wie Argentinien,
Ecuador, Paraguay, El Salvador und Costa Rica, die sich mit Trump gut
stellen und dafür Unterstützung bekommen, auch finanzielle. Die
Dominikanische Republik erlaubte den USA zeitweise sogar die Nutzung von
Stützpunkten für Bootsangriffe. Dem gegenüber stehen Länder wie Mexiko,
Brasilien und Kolumbien, die Trump widersprechen oder ihn gar kritisieren.
Der offenste Gegner des US-Kurses ist Kolumbiens Präsident Gustavo Petro.
Und das, obwohl Kolumbien über Jahrzehnte der wichtigste
lateinamerikanische Partner der USA in Sachen Drogenbekämpfung war. Rund 85
Prozent der Informationen, die von den USA zur Beschlagnahmung von Drogen
aus Südamerika genutzt wurden, [6][stammten Berichten zufolge aus
Kolumbien].
Doch jetzt gilt Kolumbien den USA nicht mehr als Partner. Präsident Petro
sagt, das venezolanische Drogenkartell, an dessen Spitze die USA Maduro
sehen, gebe es gar nicht. Er spricht von den US-Angriffen als
„außergerichtlichen Hinrichtungen“. Petro, der sonst gern austeilt, hat es
außerdem vermieden, Maduro einen Diktator zu nennen. Er bescheinigt
Venezuela lediglich einen „[7][Demokratiemangel]“. Zwar hat Kolumbien die
Wiederwahl Maduros nicht anerkannt, die diplomatischen Kanäle aber offen
gehalten. Bei einer „Invasion in Venezuela“, sagt Petro, werden
kolumbianische Truppen nicht mitmachen. Nach der Verleihung des
Friedensnobelpreises am Mittwoch hat Petro eine Übergangsregierung für
Venezuela vorgeschlagen – und eine General-Amnestie.
Denn Venezuela gilt in Kolumbien als Bruderstaat. Die Länder teilen mehr
als 2.000 Kilometer großteils ungesicherte Grenze. Als Venezuela boomte,
emigrierten Kolumbianer:innen in Massen hinüber. Seit geraumer Zeit
ist es umgekehrt. 3 Millionen Venezolaner:innen sind wegen der Krise
nach Kolumbien emigriert. Viele haben beiderseits Verwandte.
## Die EU duckt sich weg
Die Grenzregion ist ein Brennpunkt – und die venezolanische Seite ein
Rückzugsort für die kolumbianische ELN-Guerilla. Eine Lösung der
innerkolumbianischen Konflikte, wie Petro sie will, ist ohne Unterstützung
aus Venezuela schwierig.
Auch ein Fischer aus Kolumbien ist wohl bei einem US-Angriff ums Leben
gekommen. Beweise, dass die getroffenen Boote Drogen an Bord hatten,
fehlen. Insgesamt haben die Machtdemonstrationen der USA in der Karibik und
im Pazifik schon 87 Menschenleben gekostet. Die internationale Gemeinschaft
beobachtet das – scheitert aber weitgehend daran, der USA Paroli zu bieten.
Anfang November etwa traf sich die EU mit der Gemeinschaft der
Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten zu einem Gipfel in Kolumbien.
Doch mehr als zwei Dutzend hochrangiger Politiker:innen beider Seiten
sagten ihre Teilnahme ab, unter ihnen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von
der Leyen. Das Signal: in der Causa Karibik wollen sie sich nicht mit Trump
anlegen.
Denn noch immer lasten US-Zölle auf EU-Exporten. Und die US-Drohung, aus
der Nato auszutreten, schwebt im Raum. Hinzu kommt die digitale
Abhängigkeit Europas von US-Plattformbetreibern. In der Abschlusserklärung
des Gipfels in Kolumbien fehlen klare Worte zu den Angriffen, die ganz in
der Nähe stattfanden.
## Neue Beziehungen zu Lateinamerika
Lediglich beim G7-Treffen der Außenminister:innen in Kanada Mitte
November warf der französische Außenminister der USA einen
Völkerrechtsverstoß vor. Das Land unterbrach, wie die Niederlande und
Großbritannien, den Austausch von Geheimdienstinformationen mit der USA.
Alle drei Staaten sind für den Schutz ihrer eigenen Überseegebiete in der
Karibik verantwortlich. US-Außenminister Marco Rubio antwortete auf die
Kritik: „Die Europäische Union bestimmt nicht, was internationales Recht
ist.“
Trotz der US-Drohungen sollte die EU Verantwortung übernehmen und das
Völkerrecht in der Karibik stärker verteidigen, sagt Politologe Sanahuja.
Zumal die bisherigen transatlantischen Beziehungen ohnehin zu Ende seien.
Die USA isolierten sich. Die EU müsse auf Partnersuche gehen – etwa in
Lateinamerika.
Dazu dürfe die EU nicht, wie bisher, hauptsächlich an den Ressourcen
Südamerikas zehren – sondern müsse langfristig investieren: „Es geht um
eine Beziehung auf Augenhöhe.“
13 Dec 2025
## LINKS
(DIR) [1] /Trump-eskaliert-Konflkt-mit-Venezuela/!6137206
(DIR) [2] /Drogenschmuggelboot-in-der-Karibik/!6133514
(DIR) [3] /Hegseth-wegen-Angriff-unter-Druck/!6134409
(DIR) [4] https://boz.substack.com/
(DIR) [5] /Konflikt-zwischen-Trump-und-Maduro/!6108873
(DIR) [6] https://www.crisisgroup.org/latin-america-caribbean/colombia/booming-coca-and-bilateral-chill-drive-us-move-decertify-colombia
(DIR) [7] https://cnnespanol.cnn.com/2025/11/25/colombia/exclusivo-petro-problema-maduro-falta-democracia-orix
## AUTOREN
(DIR) Chiara Bachels
(DIR) Katharina Wojczenko
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