# taz.de -- Parlament berät Milliardeninvestition: Klimaverbesserung dringend nötig
> Im Abgeordnetenhaus zeigt sich: Nicht nur das Stadtklima ist belastet,
> auch das Klima in der schwarz-roten Koalition ist merklich suboptimal.
(IMG) Bild: Das milliardenschwere Klimapaket des Senats beschäftigte am Donnerstag das Abgeordnetenhaus
Es geht ums Klima an diesem Morgen im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses.
Konkret um – zumindest vorgeblich – 13,6 Milliarden Euro, mit denen sich
die Klimaziele des Senats einhalten lassen sollen, 2045 soll Berlin
schließlich klimaneutral sein. Abstrakt aber auch um das Klima in der
schwarz-roten Koalition. Gleich zweimal an diesem Vormittag wirkt es nicht
wirklich so, als ob die CDU-Leute in der Reihe des Senats und ihnen
gegenübersitzende SPD-Abgeordnete tatsächlich einem Team angehören.
Mit nicht wenig Aufwand hatte der schwarz-rote Senat [1][am Dienstag die
Unterzeichnung eines Klimapakts gefeiert]. Das vollzog im Kern nur nach,
was die Landesregierung schon Ende November beschlossen hatte: dass 22
landeseigene Unternehmen bis 2030 viel Geld in den Klimaschutz stecken
sollen. Die dafür nötigen Milliarden sollen sie aus ihren eigenen Kassen
nehmen oder sich über Kredite besorgen. Selbst zuschießen will die
Landesregierung nur rund ein Sechstel davon, nämlich 2,3 Milliarden.
Diese Investitionen sollen helfen, eine Zwischenmarke auf dem Weg zur
Klimaneutralität einzuhalten: 2030, wenn all diese Milliarden möglichst
zweckdienlich ausgegeben sein sollen, soll der Ausstoß von Kohlendioxid
gegenüber 1990 um 70 Prozent geringer sein. Eine [2][„riesige Summe“ und
„wahnsinnige Zahlen“] nannte Regierungschef Kai Wegner (CDU) das am
Dienstag.
Zwei Tage später im Abgeordnetenhaus gesteht Grünen-Fraktionschefin Bettina
Jarasch Wegner zu: „Das mit den Superlativen können Sie.“ Aber beim
genaueren Hinschauen bleibe von all diesem vermeintlich Gigantischen nur
ein Scheinriese, so wie in der Geschichte von Jim Knopf: einer, der nur aus
der Ferne groß wirkt und von Nahem zusammenschrumpft.
## Jarasch kritisiert Holzkraftwerk
Diesen Vorwurf untermauert Jarasch, [3][die auch Co-Spitzenkandidatin der
Grünen für die Abgeordnetenhauswahl im September ist], mit Zahlen. Zum
einen müssten die Unternehmen die Investitionen zum großen Teil selbst
stemmen. Zum anderen bleibe nach ihrer Rechnung aber auch vom
Landeszuschuss von 2,3 Milliarden nur etwas mehr als ein Drittel, wenn man
genauer hinschaue. Denn rund eine halbe Milliarde solle ins Stromnetz
fließen, was das Netz mehr gegen einen erneuten Blackout sichere, aber
wenig mit Klimaschutz zu tun habe.
Eine andere halbe Milliarde, die bei der BVG in E-Busse und Infrastruktur
fließen soll, sei schon seit Jahren geplant und deshalb abzuziehen. Und für
völlig falsch hält es Jarasch, rund eine weitere halbe Milliarde in ein
nach ihren Worten [4][klimaschädliches Holzkraftwerk] zu stecken.
Konkrete Gegenargumente sind dazu von der schwarz-roten Koalition kaum zu
hören. Die SPD-Fraktion wirft Jarasch vielmehr Miesmacherei vor.
Finanzsenator Stefan Evers (CDU) ordnet die Milliarden für den Klimaschutz
währenddessen auch als wirtschaftlich notwendig ein. „Können wir uns
Klimaschutz leisten?“, fragt er und gibt sich selbst die Antwort: „Wir
können es uns nicht leisten, es nicht zu tun.“
Kurz darauf zeigt sich in der Fragestunde des Parlaments das erwähnte
belastete Klima zwischen den nominellen Koalitionspartnern. Zum einen
drängt Ute Bonde (CDU), Jaraschs Nachnachfolgerin als Umweltsenatorin, ihr
die Freigabe von Streusalz trotz möglicher Baumschäden zu erlauben und
argumentiert mit „Gefahr für Leib und Leben“.
## SPD-Wortgefecht mit CDU-Senatorin
Auch wenn sie die bei diesem Thema merklich skeptische SPD-Fraktion nicht
namentlich anspricht, ist diese die klare Adressatin von Bondes Drängen.
Kurz darauf wiederum kritisieren zwei SPD-Abgeordnete im Stile einer
Oppositionsanfrage Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Derart
belastetes Klima zu verbessern, ist allerdings auch in den
milliardenschweren Investitionen der landeseigenen Unternehmen nicht
vorgesehen.
29 Jan 2026
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