# taz.de -- Philip Glass verbietet Premiere: Keine Lincoln-Symphonie am Kennedy-Center
> Der Komponist Philip Glass sagt die Weltpremiere seiner neuen Symphonie
> ab. Die Botschaft des Stücks passe nicht zur Ägide von Donald Trump.
(IMG) Bild: Zieht seine neue „Symphonie No. 15“ zurück: einer der berühmtesten lebenden Komponisten der Welt, Philip Glass
Es ist eine schallende Ohrfeige. Philip Glass – der als Komponist ja nicht
irgendwer ist, auch nicht beim [1][Washingtoner Kennedy Center] – zieht
seine neue „Symphonie No. 15“ zurück. Das Musikstück, vom Kennedy Center
selbst vor sechs Jahren in Auftrag gegeben und von Philip Glass als
„Porträt von Abraham Lincoln“ beschrieben, sollte Mitte Juni dieses Jahres
seine Weltpremiere am Kennedy Center feiern. Das hat Glass nun untersagt.
In einem Brief an das Center, der zugleich über die Medien veröffentlicht
wurde, schreibt er, „die Werte des Kennedy Centers würden heute in direktem
Konflikt zur Botschaft der Symphonie stehen“. Und weiter: „Deshalb empfinde
ich es als notwendig, die Uraufführung der Symphonie vom Kennedy Center
unter seiner derzeitigen Führung zurückzuziehen.“
Der Hintergrund: Nach seiner zweiten Wahl als US-Präsident hatte Donald
Trump sich selbst als Vorsitzenden des Vorstands des Centers eingesetzt.
Ende des Jahres 2025 hatte dann der Vorstand beschlossen, den Namen der so
renommierten wie einflussreichen Kulturorganisation in „The Donald J. Trump
and The John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts“
umzubenennen.
Dagegen regt sich in der US-amerikanischen Kulturszene heftiger Widerstand.
Es hagelt Absagen der Künstler*innen, die dort auftreten sollten, die
Washington National Opera hat sich von diesem Auftrittsort zurückgezogen,
gleichzeitig ist das Publikumsinteresse an den Veranstaltungen laut New
York Times um 50 Prozent eingebrochen. Und nun eben die Absage [2][eines
der berühmtesten lebenden Komponisten der Welt.]
Der symbolische Einschlag gerade der Glass-Absage ist beträchtlich. Die
neue Symphonie basiert auf der „Lyceums-Rede“ Abraham Lincolns, die in den
USA bis heute viel gelesen wird. In der Rede macht sich Lincoln, lange
bevor er US-Präsident wurde, Gedanken darüber, wie die amerikanische
Demokratie zu verteidigen ist, gegen Feinde von außen, aber auch von innen.
Wie zu lesen war, hat Glass unter anderem folgendes Zitat in das Libretto
übernommen: „Die Gesetzlosen im Geiste, die die Regierung als ihren
tödlichsten Feind betrachtet haben, feiern ein Jubelfest über die
Aussetzung ihrer Wirksamkeit. […] Wir hoffen, dass alle Gefahren überwunden
werden können, doch irgendein von Ehrgeiz besessener Mann wird unter uns
aufsteigen. Auszeichnung wird sein oberstes Ziel sein, und da es nichts
mehr aufzubauen gibt, wird er sich kühn der Aufgabe widmen,
niederzureißen.“ Diese Mahnung passt tatsächlich nicht in eine
Kulturorganisation, die sich von Trump führen lässt.
28 Jan 2026
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(DIR) Dirk Knipphals
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