# taz.de -- Digitale Souveränität: Von Frankreich lernen
       
       > Frankreich führt für staatliche Stellen eine neue Software für
       > Videokonferenzen ein. Davon sollte sich Deutschland etwas abschauen.
       
 (IMG) Bild: Visio-Konferenz in Paris, 6. Dezember 2023: die Pilotphase ist beendet, die Videokonferenzsoftware Visio führt Frankreich nun für alle staatlichen Institutionen ein
       
       Videokonferenzen gehören mittlerweile für die meisten Büroarbeitenden zum
       Alltag. In der Regel kommt dabei die Software von US-Anbietern wie
       Microsoft, Google, Zoom, Cisco zum Einsatz. Frankreich geht nun einen
       anderen Weg: Es führt die im eigenen Land gehostete und
       Open-Source-basierte Videokonferenzsoftware Visio für alle staatlichen
       Institutionen ein. Die Pilotphase ist bereits durch, im folgenden Jahr soll
       der Umstieg von Big Tech aufs französische Visio abgeschlossen sein.
       
       Und Deutschland so? Die Bundeswehr bekommt einen neuen Cloud-Dienst und
       arbeitet dafür mit Google zusammen. In Bayern will der dortige
       Finanzminister Verträge mit Microsoft verlängern, um deren Software fünf
       weitere Jahre in der Landesverwaltung einzusetzen. Die [1][Stadt Hannover
       plant einen Wechsel ihrer Schulplattform] zu Microsoft. [2][Digitale
       Unabhängigkeit]? Scheint nicht gerade Priorität zu haben.
       
       Natürlich gibt es auch in Deutschland Positivbeispiele. Etwa
       Schleswig-Holstein, das sich mitten im Umstieg auf eine
       Open-Source-Software befindet, also Software, bei der der Programmiercode
       öffentlich ist. Doch ein generelles Bewusstsein dafür, welche Risiken es
       birgt, sich auf US-Dienste zu verlassen, fehlt. Nur ein Beispiel: Trump
       kann US-Unternehmen anweisen, die Bereitstellung kritischer Dienste etwa
       für einzelne Kunden oder ganze Länder einzustellen. Dann würden Firmen und
       Behörden in Deutschland schnell für sie essenzielle Dienste wegbrechen.
       
       Natürlich, ein Umstieg ist nicht einfach und nicht von heute auf morgen zu
       machen, auch das zeigt das Beispiel Schleswig-Holstein. Die Abhängigkeiten
       von Diensten wie Microsoft sind über Jahre gewachsen. Und viele
       Anwender:innen reagieren ungehalten, wenn sie den Button zum Ausdrucken
       statt oben links in der Mitte oben rechts am Rand finden. Doch das ist eher
       ein Grund, sich schnell um einem Umstieg zu kümmern. Denn [3][wer in
       Abhängigkeiten verharrt], geht das Risiko ein, sehr plötzlich und
       unfreiwillig Alternativen suchen zu müssen.
       
       29 Jan 2026
       
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