# taz.de -- Immigranten in Spanien: Papiere für „sin papeles“
> In Spanien gibt der sozialistische Regierungschef Sánchez 500.000
> Immigranten ohne Papiere eine Aufenthaltsgenehmigung. Konservative und
> Vox laufen Sturm.
(IMG) Bild: Barcelona, 14. Juni 2020: Eine Hausangestellte mit Migrationshintergrund demonstriert für die Ausstellung von Dokumenten
Spaniens Linksregierung unter dem sozialistischen Ministerpräsidenten
[1][Pedro Sánchez] wird in den nächsten Monaten mindestens 500.000
[2][Einwanderer] legalisieren, die ohne Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung
im Lande leben. Die Betroffenen können zwischen Anfang April und Ende Juni
dieses Jahres ihren Antrag stellen.
Bedingung: Sie müssen vor dem 31. Dezember 2025 in Spanien gewesen sein. Um
dies zu belegen, reichen Rechnungen etwa für Strom, Wasser oder Telefon,
Einschreibung in den Gemeindezensus oder Unterlagen über Arztbesuche.
Außerdem dürfen die Antragsteller keine Vorstrafen haben.
„Ab dem Zeitpunkt der Antragsannahme können sie in jeder Branche und
überall im Land arbeiten“, erklärte am Dienstag die Ministerin für soziale
Sicherheit, Migration und Integration, Elma Saiz. Die Bearbeitung der
Anträge werde „zügig und effizient erfolgen“, fügte sie hinzu. Die Behörden
würden versuchen, die Anträge innerhalb zweier Wochen zu bearbeiten. „Wir
sind uns der Tatsache sehr bewusst, dass Arbeit und Familie zwei
grundlegende Säulen sind“, erklärte Saiz weiter. Minderjährige, die mit den
Antragstellern zusammenleben, würden deshalb ebenfalls legalisiert.
Die massive Legalisierung von Einwanderern hat die Regierung Sánchez mit
der kleinen linksalternativen Podemos ausgehandelt. Diese unterstützt die
in Minderheit regierenden Sozialisten im Parlament. Auch andere linke
Gruppierungen, wie die baskische Bildu oder die Republikanische Linke
Kataloniens (ERC), unterstützen das Vorhaben.
## Erste massive Legalisierung seit 2005
Die Legalisierung wird als Dekret umgesetzt, das Einwanderungsrichtlinien
reformiert, und muss nicht durchs Parlament. Während Ministerin Saiz von
rund 500.000 Einwanderern ausgeht, die einen Antrag stellen können,
schätzen Nichtregierungsorganisationen die „sin papeles“ – Einwanderer ohne
Papiere – auf bis zu 800.000.
In Spanien stellen die Einwanderer derzeit rund 14 Prozent der Bevölkerung.
Hinzu kommen 2,5 Millionen Menschen, die mittlerweile die spanische
Staatsangehörigkeit haben, aber außerhalb Spaniens geboren wurden. Es ist
die erste massive Legalisierung von Einwanderern seit 2005 unter dem
ebenfalls sozialistischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero.
Damals erhielten 578.000 Menschen Papiere.
„Während in den USA jetzt sogar schon Kinder entführt und Menschen
erschossen werden, gewähren wir einen legalen Aufenthaltsstatus“,
verkündete die EU-Abgeordnete von Podemos, Irene Montero, mit Blick auf die
USA, als sie auf einer Veranstaltung das Abkommen mit Sánchez am
Montagabend ankündigte.
Das Thema Legalisierung beschäftigt Spanien seit Jahren. Ein breites
Bündnis aus Immigranten- und Solidaritätsgruppen sowie Gewerkschaften und
katholischer Caritas hatte 700.000 Unterschriften für die Regularisierung
der im Land lebenden Einwanderer ohne Papiere gesammelt und diese beim
spanischen Parlament eingereicht.
## Die Konservativen machen Kehrtwende
Im April 2024 nahm das Parlament mit 310 Jastimmen gegen 33 Neinstimmen –
alle außer der rechtsextremen Vox – den Antrag zur Debatte an. Seither lag
er allerdings auf Eis. Die Regierung beruft sich jetzt auf ebendiese
Initiative.
Doch nicht alle sind damit einverstanden. 2024 hatte die [3][konservative
Partido Popular] (PP) noch für eine Debatte über die Regularisierung
gestimmt, auch um sich damit deutlich von der rechtsextremen Vox
abzugrenzen. Nun, da Vox bei Regionalwahlen und in den Umfragen ständig
zulegt, will der Chef der PP, Alberto Nuñez Feijóo, von einer
Regularisierung nichts mehr wissen.
500.000 weitere legale Einwanderer „sprengen unsere öffentlichen Dienste“ –
wie Kranken- und Schulsystem –, schimpft Feijóo und wirft Sánchez vor, mit
der Regularisierung von anderen Themen, wie dem [4][Zugunglück], bei dem
vergangene Woche 45 Menschen ums Leben kamen, ablenken zu wollen.
27 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
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