# taz.de -- Spaniens Pro-Migrations-Politik: Mutiges Kontrastprogramm zum Rechtsruck
> Spaniens linke Regierung will 500.000 Menschen ohne
> Aufenthaltsgenehmigung Papiere geben. Das ist nicht nur moralisch,
> sondern ökonomisch sinnvoll.
(IMG) Bild: Nein, nicht alle treten wir nach unten und buckeln nach oben
Spanien wird 500.000 Einwanderern, die bisher ohne Aufenthalts- und
Arbeitsgenehmigung im Lande leben, [1][Papiere geben]. Das hat die in
Minderheit regierende Linkskoalition unter Pedro Sánchez mit der kleinen,
linksalternativen Podemos ausgehandelt.
Es ist eine mutige Entscheidung in Zeiten des zunehmenden Rechtsrucks in
unseren Gesellschaften. Während sich in anderen Ländern die Mitte-Parteien
wegducken und Teile des immigrationsfeindlichen Diskurses der
Rechtsextremen à la Vox, Chega, Rassemblement National oder AfD übernehmen
und so hoffen, weniger Stimmen an diese zu verlieren, geht Sánchez den
entgegengesetzten Weg.
Er bietet mit fortschrittlichen Themen den Rechten die Stirn. Ob dies
funktioniert, wird sich zeigen. Ethisch und moralisch ist es allemal. Und
es schafft Bewusstsein bei denen, die nicht rechts und rechts außen stehen:
Nein, nicht alle sind wir gleich. Nein, nicht alle treten wir nach unten
und buckeln nach oben.
Sánchez schwimmt mit der Legalisierung gegen den Strom. Aber es ist keine
linke Gutmenschenpolitik, die der spanische Ministerpräsident da betreibt.
Es ist eine Politik, die Spanien nutzt. Die Wirtschaft boomt. Die
Wachstumsrate ist so hoch wie sonst nirgendwo in der Europäischen Union.
Und wem ist dies zu verdanken? Der Zuwanderung.
Während andere europäische Länder die Einwanderungsbestimmungen
verschärfen, hat die liberale Haltung der Regierung Sánchez bei diesem
Thema Spanien massiv genutzt. Internationale Wirtschaftsexperten verweisen
in den letzten Jahren gerne auf Spanien als Modell. Jährlich kommen rund
600.000 Einwanderer ins Land. Die Arbeitslosigkeit nimmt dennoch ab, denn
Spaniens Wirtschaft braucht Arbeitskräfte. Die Migranten kommen vor allem
in der Tourismusbranche, der Landwirtschaft, aber auch im Baugewerbe und im
Handwerk unter. Und mit der steigenden Zahl der Erwerbstätigen steigt auch
die Binnennachfrage, was wiederum zum Wachstum beiträgt.
Die Einwanderer sind dabei längst nicht mehr die billigen Arbeitskräfte,
die sie einmal waren, denn unter Sánchez stieg der Mindestlohn um 60
Prozent. Außerdem wurde die Möglichkeit, Arbeitsverträge zu befristen,
stark eingeschränkt. Ja, auch [2][Sozialpolitik ist in diesen Zeiten
möglich]. Und auch damit schwimmt Sánchez gegen den Strom.
Spaniens Rechte toben angesichts dieser Entscheidung einmal mehr –
[3][nichts anderes war zu erwarten]. Dabei sind sie mit ihrem
ausländerfeindlichen Blick nicht in der Lage, eines zu sehen: Die
Regularisierung der halben Million ist nicht bloß links, sondern einfach
konsequent.
27 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.deutschlandfunk.de/spanien-will-aufenthalt-von-rund-500-000-migranten-legalisieren-104.html
(DIR) [2] /Mieterhoehungen-Spanien-geht-mit-Steuertrick-gegen-Vermieter-vor/!6145206
(DIR) [3] /Rechte-in-Spanien/!6139531
## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
## TAGS
(DIR) VOX
(DIR) Spanien
(DIR) Pedro Sánchez
(DIR) Immigration
(DIR) Rechtsruck
(DIR) Migration
(DIR) Papierlose
(DIR) GNS
(DIR) Spanien
(DIR) Mieten
(DIR) Spanien
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Immigranten in Spanien: Papiere für „sin papeles“
In Spanien gibt der sozialistische Regierungschef Sánchez 500.000
Immigranten ohne Papiere eine Aufenthaltsgenehmigung. Konservative und Vox
laufen Sturm.
(DIR) Armutsrisiko Miete: Spanien geht gegen Miethaie vor
Die Wohnungskosten haben sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.
Jetzt erlässt die Regierung Vermietern, die nicht erhöhen, die Steuern.
(DIR) Rechte in Spanien: Stimmung gegen Migration
Die Rechtskonservativen in Spanien setzen vor allem auf ein Thema:
Immigration. Ob sie damit bei den Wahlen 2027 Erfolg haben, ist noch offen.