# taz.de -- Zweckentfremdung von Wohnraum: Berlin ist nicht Spanien
> Der Senat erhöht die Strafen, wenn Wohnraum vernichtet wird. Anders als
> in Spanien sieht man aber keine Handhabe gegen Ferienwohnungen.
(IMG) Bild: Ein Kommen und Gehen: In Berlin gibt es geschätzt 10.000 illegale Ferienwohnungen
In Berlin, wo fehlender und teurer Wohnraum mutmaßlich das wichtigste Thema
der Abgeordnetenhauswahl am 20. September sein wird, gibt es geschätzt
10.000 [1][illegale Ferienwohnungen]. Diese Zahl nannte
Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) am Dienstag nach der
Sitzung der schwarz-roten Landesregierung. Die hatte dabei die
Bußgeldzahlungen für abgerissene oder – erlaubt -anderweitig genutzte
Wohnungen ohne Schaffung von adäquatem Ersatzwohnraum um rund 12 Prozent
erhöht.
Frühere Schätzungen von über 30.000 illegalen Ferienwohnungen fußten aus
Sicht des Senators auf falschen Berechnungen: Da seien nicht Wohnungen,
sondern Betten zusammengerechnet worden. Aber auch 10.000 Wohnungen
entsprechen immer noch der Hälfte dessen, was sich der Senat jährlich an
Neubau zum Ziel gesetzt hat, um mehr Wohnraum zu schaffen.
Die Vermieter mutmaßlich illegaler Wohnungen haftbar zu machen und künftig
eine Zweckentfremdung zu verhindern, hält Gaebler aufgrund fehlender Daten
für nur schwer machbar. Bislang machen Vermittlungsplattformen wie Airbnb
demnach nicht ausreichend Angaben etwa über die Dauer der Vermietung. Ohne
die aber lässt sich aus Gaeblers Sicht kaum etwas unternehmen. Denn eine
zeitweise Vermietung ist durchaus erlaubt, und es fällt schwer
nachzuweisen, wann der erlaubte Zeitrahmen überschritten wird.
In Spanien schaffen es die Behörden offenbar, effizienter gegen die
Zweckentfremdung von Wohnungen vorzugehen. Dort hat sich die [2][Regierung
mit Airbnb im vergangenen Jahr darauf geeinigt], Wohnungen ohne gültige
Registrierungsnummer auf der Plattform zu identifizieren und zu entfernen.
Das Land ist damit das erste, das die im März 2024 verabschiedeten
[3][neuen EU-Regeln für Kurzzeitvermietungen] umsetzt.
Geregelt ist darin ein Datenaustausch der Vermietungsplattformen mit den
Mitgliedsstaaten, die lokale Behörden indie Lage versetzen sollen,
Mietaktivitäten nachzuvollziehen. Ab März 2026 soll die Verordnung
anwendbar sein, heißt es von der EU.
## Frage des politischen Willens
Für den Linkspartei-Abgeordneten Niklas Schenker, Sprecher seiner Fraktion
für Mieten und Wohnen, ist es auch eine Frage des politischen Willens,
ähnlich konsequent vorzugehen. „Die haben da einfach striktere Gesetze“,
sagte er der taz. Das Berliner Zweckentfremdungsverbotsgesetz mache es
leicht, Vorschriften nicht einzuhalten. „Keiner kann wirklich
kontrollieren, wie lange jemand seine Wohnung wirklich vermietet“, meint
Schenker.
In Spanien hatte Airbnb zugesichert, ab August monatliche Informationen zu
den inserierten Wohnungen und Zimmern bei den Behörden einreichen.
Unterkünfte, denen eine staatliche Registrierung verwehrt wurde, sollten
innerhalb von 48 Stunden gelöscht werden. Kurz nach Beginn der Vereinbarung
hieß es, mehr als [4][50.000 illegale Ferienwohnungen sollten von der
Plattform entfernt werden]. Ganz so reibungslos klappt das offenbar aber
nicht. Wegen 65.000 Wohnungen ohne erforderliche Lizenz [5][verhängte
Spanien im Dezember eine Strafzahlung in Höhe von 64 Millionen Euro gegen
Airbnb].
Die vom Senat am Dienstag erhöhten Ausgleichszahlungen sollen zur Folge
haben, dass für abgerissene oder erlaubt anders verwendete Wohnungen
tatsächlich auch neue entstehen. „Es soll nicht günstiger sein, eine Buße
zu zahlen, statt Wohnraum zu schaffen“, sagte Gaebler. Die
Ausgleichszahlung beträgt nun 4.600 Euro pro Quadratmeter, 500 Euro mehr
als bisher. Dieser Anstieg soll die gestiegenen Baukosten ausgleichen.
Als weiteren Schritt, bezahlbaren Wohnraum zu erhalten, kündigte der
Senator an, in den rund 80 Milieuschutzgebieten der Stadt das Wohnen auf
Zeit zu verbieten. In diesen Gebieten gelten besondere Vorgaben, um die
Mieterschaft vor Verdrängung zu schützen.
20 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Zweckentfremdung-von-Wohnraum/!6059645
(DIR) [2] /Gemeinsam-mit-Airbnb/!6101146
(DIR) [3] https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20231127STO15403/kurzfristige-vermietung-von-unterkunften-neue-eu-regeln-fur-mehr-transparenz
(DIR) [4] /Regierung-gegen-Wohnungsnot/!6110239
(DIR) [5] /Spanien-verhaengt-Airbnb-mit-Geldstrafe-in-Millionenhoehe/!6138402
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
(DIR) Erik Peter
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