# taz.de -- Handelsabkommen zwischen EU und Indien: Geeint im Wunsch nach Wachstum und Unabhängigkeit
> Trumps Zollpolitik lässt Brüssel und Delhi enger zusammenrücken.
> Strategisch ist das sinnvoll, der moralischere Partner ist die
> Modi-Regierung nicht.
(IMG) Bild: Der Hindu-Nationalist Narendra Modi bei der Parade zum Tag der Republik in Neu-Delhi am 26. Januar
Die EU-Kommissionsvorsitzende Ursula von der Leyen nennt das
Freihandelsabkommen mit Indien, bei dem am Dienstag der Durchbruch
verkündet wurde, „Mutter aller Deals“. Es sei das von beiden Seiten größte
je beschlossene Handelsabkommen. Zwar dauert es bis zum Inkraftreten noch
mindestens ein Jahr. Doch dass die Verhandlungen, die schon 2007 begannnen,
zuletzt einen erfolgreichen Endspurt hinlegten, liegt an der
[1][Zollpolitik Donald Trumps] sowie Chinas Machtpolitik. Sie sind
Geburtshelfer des Deals, selbst ein Kind der Geostrategie und des Bemühens
um Diversifizierung der globalen Handelspartner.
Trump pflegte ein inniges Verhältnis zum indischen Premier Narendra Modi,
[2][bis er Indien im August plötzlich 25 Prozent Strafzoll wegen des Kaufs
von Putins Öl aufbrummte]. Den Europäern, die sich gegen Trumps
Grönlandpolitik ausprachen, drohte er zu Jahresbeginn plötzlich mit zehn
Prozent Sonderzoll. Und China verhängte etwa einen Tourismusboykott
gegenüber Japan, weil ihm Äußerungen der dortigen Ministerpräsidentin zu
Taiwan nicht schmeckten. Der EU-Indien-Deal zeigt, dass regelbasierte
Verhandlungen eine vernünftige Alternative bleiben. Die Landwirtschaft
auszuklammern, war schlau. Alles andere hätte eine Einigung extrem
erschwert. Auf beiden Seiten sind Bauern zu effektiven Blockaden fähig.
Längst war klar, dass Europas Handel mit Indien unterentwickelt ist. Laut
von der Leyen soll sich Europas Anteil am derzeitigen bilateralen
Handelsvolumen von 180 Milliarden Euro bis 2032 verdoppeln. Eine
Verdoppelung des Handels wären aber immer noch keine 40 Prozent des
heutigen EU-Handels mit China und keine 25 Prozent mit dem der USA.
Unsinn ist, von einer Wertepartnerschaft der EU mit der „größten Demokratie
der Welt“ zu reden. Gewiss ist Indien demokratischer als etwa China. Doch
gibt es hier unter dem Hindu-Nationalisten Modi große Rückschritte. Und
Indien sind – wie der günstige Kauf von Putins sanktioniertem Öl zeigt –
beim Handel demokratische Werte egal. Der EU letztlich aber auch. Denn
bisher ist raffiniertes Öl Indiens größter Export nach Europa. Und das
stammt meist aus Russland. Es geht allein um finanzielle und strategische
Interessen.
27 Jan 2026
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(DIR) Sven Hansen
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