# taz.de -- Öffnung von Rafah-Grenzübergang: Israel sagt Ja mit einer Bedingung
       
       > Die USA wollen die zweite Phase des Gaza-Friedensplans starten. Israel
       > zeigt sich bereit, Rafah zu öffnen, wenn die letzte Geisel-Leiche
       > gefunden ist.
       
 (IMG) Bild: Gilt als wichtigstes Tor des Gazastreifens zur Welt: der Grenzübergang Rafah zu Ägypten, hier am 1. Februar 2025
       
       dpa | Israel will nach Abschluss eines Militäreinsatzes zur Auffindung der
       letzten Geisel-Leiche im Gazastreifen den Grenzübergang Rafah zwischen
       Ägypten und dem Küstengebiet eingeschränkt für den Personenverkehr wieder
       öffnen. Das gab das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in der
       Nacht bekannt. Nach Abschluss dieses Einsatzes und in Übereinstimmung mit
       den Vereinbarungen mit den USA werde Israel den Übergang unter voller
       israelischer Kontrolle öffnen. Ein Zeitplan wurde aber nicht genannt.
       
       Israel fordert in der Mitteilung, dass die islamistische Terrororganisation
       Hamas alle Anstrengungen unternimmt, den Leichnam der Geisel ausfindig zu
       machen und zu übergeben. Zugleich heißt es, Israels Streitkräfte führten
       derzeit einen gezielten Einsatz durch, um alle gesammelten Informationen
       auszuschöpfen, die Leiche des Polizisten Ran Gvili zu finden und
       zurückzubringen. Nach Angaben der Streitkräfte erstreckt sich das
       Suchgebiet auf einen Friedhof im Umfeld der sogenannten Gelben Linie. Diese
       teilt den Gazastreifen in einen von Israels Militär kontrollierten und in
       einen vom israelischen Militär freien Teil.
       
       ## Noch offene Fragen
       
       Ein Sprecher der Kassam-Brigaden, des militärischen Arms der Hamas, hatte
       zuvor gesagt, dass die Miliz den Vermittlern [1][im Gaza-Friedensprozess]
       alle Informationen übergeben habe, die zur Auffindung der Leiche nötig
       seien. Die Times of Israel zitierte einen US-Beamten, wonach man davon
       ausgehe, dass Israels Einsatz noch mehrere Tage dauern werde. Demnach
       könnte der Grenzübergang Rafah bis zum Ende dieser Woche wieder geöffnet
       werden.
       
       Unklar ist jedoch, ob damit auch die Rückkehr geflüchteter Palästinenser
       wieder möglich wird, die in Ägypten gestrandet sind. Der seit fast einem
       Jahr geschlossene Rafah-Grenzübergang gilt als wichtigstes Tor des
       Gazastreifens zur Welt. Er ist der einzige Grenzübergang des Gazastreifens,
       der nicht direkt nach Israel führt. Israels Militär kontrolliert die
       Gaza-Seite des Übergangs.
       
       ## USA machten Druck
       
       Im Rahmen des ersten Teils des Friedensplans von US-Präsident Donald Trump
       sollten unter anderem alle aus Israel Entführten und die Leichen der
       Geiseln übergeben werden. Israel hatte die Rückführung der letzten Leiche
       zur Bedingung für den Einstieg in die zweite Phase gemacht – einschließlich
       der Wiedereröffnung des Grenzübergangs Rafah. Bevor Israel nun der Öffnung
       nur für den Personenverkehr zustimmte, hatte Netanjahu am Samstagabend mit
       dem US-Gesandten Steve Witkoff und dem Schwiegersohn und Berater von
       US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, [2][über die zweite Phase
       gesprochen].
       
       Die USA wollen in diese nächste Phase übergehen und drängten Israel zur
       Öffnung Rafahs. In der zweiten Phase des Abkommens soll die Hamas
       entwaffnet werden. Die islamistische Terrororganisation lehnt dies jedoch
       bislang ab. Bei einer Sitzung des Sicherheitskabinetts am Sonntagabend
       sollen israelischen Medienberichten zufolge rechtsextreme Minister in
       Netanjahus Regierung die Entscheidung, den Grenzübergang Rafah nach
       Abschluss der Suche nach der letzten Hamas-Geisel wieder zu öffnen, scharf
       kritisiert haben.
       
       ## Berichte: Israels Rechtsextreme gegen Rafah-Öffnung
       
       Die Hamas sei noch immer nicht vollständig „eliminiert“, wurde der
       rechtsextreme Polizeiminister Itamar Ben-Gvir zitiert. Sie müsse
       zerschlagen und entwaffnet werden. Die Wiederöffnung des Grenzübergangs
       Rafah wäre „ein großer Fehler und ein sehr schlechtes Signal“, soll
       Ben-Gvir gesagt haben.
       
       Ali Schaath, Vorsitzender der neuen palästinensischen Regierung von
       Fachleuten für den vom Krieg weitgehend zerstörten Gazastreifen, hatte am
       Donnerstag die Öffnung des Übergangs in beide Richtungen angekündigt.
       Hilfslieferungen werden zwar in Rafah abgewickelt, gelangen aber nur durch
       den nahegelegenen Übergang Kerem Schalom an die notleidende Bevölkerung.
       
       Hilfsorganisationen fordern seit langem die Öffnung des Grenzübergangs
       Rafah. Die Rückführung der letzten toten Geisel war für Israel ein
       zentraler Punkt der Verhandlungen darüber. Der damals 24-jährige Polizist
       Gvili war am 7. Oktober 2023 beim Massaker der Hamas und anderer
       extremistischer Organisationen in Israel getötet und sein Leichnam in den
       Gazastreifen verschleppt worden.
       
       Das Massaker, bei dem insgesamt rund 1.200 Menschen getötet und mehr als
       250 weitere in den Küstenstreifen verschleppt wurden, war der Auslöser des
       Kriegs. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und Bodeneinsätzen in
       Gaza. In den zwei Jahren des Kriegs wurden laut von der Hamas
       kontrollierten Behörden mehr als 70.000 Palästinenser getötet. Seit dem 10.
       Oktober gilt eine Waffenruhe. Es kommt jedoch [3][auch weiterhin zu
       tödlichen Zwischenfällen].
       
       26 Jan 2026
       
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