# taz.de -- Nach Suchaktion im Gazastreifen: Sterbliche Überreste von letzter Geisel gefunden
> Israel hat die sterblichen Überreste des 24-jährigen Ran Gvili geborgen.
> Seine Bergung war Bedingung für die Öffnung des Grenzübergangs Rafah.
(IMG) Bild: New York, 12. Januar 2024: eine Teilnehmerin einer Kundgebung vor dem UN-Hauptquartier in Manhattan hält ein Plakat mit einem Foto von Ran Gvili
dpa | Alle von der Hamas entführten Geiseln sind zurück in Israel: Die
Leiche des Polizisten Ran Gvili sei identifiziert und nach Israel gebracht
worden, teilte Israels Armee mit. Das israelische Militär hatte zuvor auf
einem Friedhof im Gazastreifen nach der letzten toten Geisel gesucht. Die
Terrororganisation Hamas hatte eigenen Angaben zufolge den Vermittlern des
Gaza-Abkommens alle zur Auffindung der Leiche nötigen Informationen
übermittelt.
Sobald Israel im Gegenzug die Leichen von 15 Palästinensern übergeben hat,
sind die Voraussetzungen zum Eintritt in die zweite Phase des von den USA
vorangetriebenen Gaza-Friedensplans offiziell erfüllt.
Die US-Regierung hatte die zweite Phase, die zu einem endgültigen Ende des
Gaza-Kriegs führen soll, bereits ausgerufen. Die israelische Regierung
sagte dagegen, erst dann in die nächste Phase des Friedensplans
einzutreten, wenn der Leichnam der letzten Geisel nach Israel
zurückgebracht worden sei. Auslöser des Gaza-Kriegs war das Massaker der
Hamas am 7. Oktober 2023 in Israel.
## Diese Punkte des Friedensplans wurden bislang umgesetzt
In einem ersten Schritt trat im Rahmen des US-Friedensplans am 10. Oktober
2025 bereits eine Waffenruhe zwischen Israel und der Terrororganisation
Hamas in Kraft. Zudem ließen islamistische Gruppen im Gazastreifen die
letzten 20 noch lebenden, aus Israel entführten Geiseln frei, darunter auch
Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft. Im Gegenzug dafür entließ Israel
knapp 2.000 palästinensische Häftlinge aus Gefängnissen.
Die Hamas übergab zudem die letzten 28 Geisel-Leichen – allerdings anders
als vereinbart nur sehr schleppend. Unter den Toten waren auch mehrere aus
Israel entführte Ausländer. Israel übergab für jede tote israelische Geisel
die sterblichen Überreste 15 verstorbener Bewohner Gazas, insgesamt bislang
360. Die genauen Todesumstände der Palästinenser sind nicht bekannt.
Im Rahmen der mühsam errungenen Einigung kommt auch mehr Hilfe in den
Gazastreifen. Israelische Soldaten zogen sich in dem Küstenstreifen zudem
hinter die sogenannte „gelbe Linie“ zurück. Israels Armee kontrolliert
damit noch immer etwas mehr als die Hälfte des Palästinensergebiets.
## Hamas soll nun entwaffnet werden
Die von den USA bereits ausgerufene zweite Phase des Abkommens sieht nun
die Entwaffnung der Hamas vor, was die Islamistenorganisation aber bislang
ablehnt. Laut Beobachtern ist ein Kompromiss denkbar, so dass die
Islamisten etwa auf Raketen verzichten könnten. Hamas-Mitglieder, die sich
zu einer friedlichen Koexistenz mit Israel und zur Niederlegung ihrer
Waffen verpflichten, sollen Amnestie erhalten. Sollte es in dieser
schwierigen Frage keine Einigung geben, könnte der Krieg wieder ausbrechen.
## Übergangsregierung und weitere Gaza-Gremien gebildet
Vor kurzem wurden als Teil der zweiten Phase bereits die 14 Mitglieder
einer palästinensischen Übergangsregierung bekanntgegeben, die den in zwei
Kriegsjahren weitgehend zerstörten Gazastreifen verwalten soll.
Zur Unterstützung dieser Regierung von Fachleuten, die keine Verbindung zur
islamistischen Hamas haben sollen, wurde ein Gremium namens „Gaza Executive
Board“ ins Leben gerufen. Diesem gehören unter anderem der
US-Sondergesandte Steve Witkoff, der britische Ex-Premier Tony Blair, der
türkische Außenminister Hakan Fidan und der ranghohe katarische Diplomat
Ali Thawadi an. Die Aufnahme der prominenten Vertreter aus Katar und der
Türkei ärgert Israel. Beide Länder gelten als Unterstützer der Hamas.
Berichten zufolge haben sie die Hamas aber dazu gebracht, dem Gaza-Abkommen
zuzustimmen.
Ein weiteres neues Gremium, das Exekutivkomitee, soll darüber hinaus die
neue palästinensische Übergangsregierung beaufsichtigen und außerdem den
Wiederaufbau im zerstörten Gazastreifen steuern. Dem sogenannten „Founding
Executive Board“ gehören unter anderem US-Außenminister Marco Rubio,
Weltbank-Präsident Ajay Banga, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sowie
Witkoff und Blair an.
## „Friedensrat“ soll Friedensprozesses in Gaza überwachen
All diese Gremien sind dem sogenannten „Friedensrat“ unterstellt, der sich
aus führenden Politikern aus aller Welt zusammensetzen und von US-Präsident
Donald Trump geleitet werden wird. Dieser „Friedensrat“ soll den
Friedensprozess im Gazastreifen überwachen. Er wird sich – anders als
zunächst erwartet – aber auch um andere internationale Konflikte kümmern.
Beobachter sehen ihn als Konkurrenz zu den Vereinten Nationen. Viele
europäische Staaten, darunter Deutschland, lehnen einen Beitritt ab. Mit
dabei sind unter anderem Ungarn, Israel, Belarus, Katar, Saudi-Arabien und
die Türkei.
## Internationale Truppe soll Israels Armee in Gaza ablösen
Der „Friedensrat“ soll auch eine internationale Stabilisierungstruppe (ISF)
aufbauen, die im Gazastreifen für Ordnung sorgen soll. Ihre genaue
Zusammensetzung ist allerdings noch offen. Mehrere mehrheitlich muslimische
Länder hatten aber bereits Bereitschaft signalisiert, Soldaten zu stellen,
so etwa Indonesien und Pakistan. Deutschland beabsichtigt nicht, sich
militärisch an der ISF zu beteiligen.
Israels Armee soll sich aus dem Gazastreifen zurückziehen und bislang
gehaltene Gebiete schrittweise an die ISF übergeben. Einen konkreten
Zeitplan für all diese Punkte gibt es noch nicht.
Ob der Übergang zur zweiten Phase tatsächlich gelingt, ist ungewiss. Die
Differenzen zwischen den Kriegsparteien sind riesig. Die Waffenruhe im
Gaza-Krieg hatte zudem bereits in der ersten Phase mehrfach gewackelt.
26 Jan 2026
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