# taz.de -- Wiederaufbau des Gazastreifens: USA und Israel ringen um Rafah-Öffnung
> Die USA wollen zur zweiten Phase ihres Gazaplans übergehen. Doch Israel
> will den Grenzübergang erst nach Übergabe des letzten Geiselleichnams
> öffnen.
(IMG) Bild: Wichtige Pforte für Hilfe: Die Schauspielerin Angelina Jolie besuchte zum Jahresbeginn den Grenzübergang zwischen Ägypten und Gaza
dpa/ap | Israel hat nach Medienberichten weiter Vorbehalte gegen die
angekündigte Öffnung des Grenzübergangs zwischen dem Gazastreifen und
Ägypten. Das sogenannte Sicherheitskabinett will am heutigen Sonntag über
das Thema beraten. Zuvor hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin
Netanjahu am Samstagabend mit dem US-Gesandten Steve Witkoff und dem
Schwiegersohn und Berater von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner,
über die [1][zweite Phase des Gaza-Friedensplans] gesprochen.
Der seit fast einem Jahr geschlossene Grenzübergang Rafah gilt als
wichtigstes Tor des Gazastreifens zur Welt. Ali Schaath, [2][Vorsitzender
der neuen palästinensischen Regierung von Fachleuten für Gaza], hatte die
Öffnung in beide Richtungen am Donnerstag angekündigt. Israel sträubt sich
jedoch nach Medienberichten dagegen, den Übergang zu öffnen, bevor der
Leichnam der letzten israelischen Geisel im Gazastreifen vereinbarungsgemäß
übergeben ist, und setzt seine [3][Angriffe im Gazastreifen fort]. Am
Mittwoch wurden dabei drei Journalisten getötet, darunter ein freier
Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AFP.
Hunderte Israelis demonstrierten am Samstagabend für die Rückführung der
sterblichen Überreste des Grenzpolizisten Ran Gvili. Der damals 24-Jährige
war am 7. Oktober 2023 bei dem Terrorangriff der Hamas getötet worden. Die
israelische Regierung hatte betont, erst dann in die nächste, im
US-Friedensplan für Gaza vorgesehene Phase einzutreten, wenn der Leichnam
des Polizisten nach Israel zurückgebracht worden ist.
## Hamas weist Verantwortung von sich
Die Familie von Ran Gvili forderte stärkeren Druck auf die Hamas.
„Präsident Trump selbst erklärte diese Woche in Davos, dass die Hamas genau
weiß, wo unser Sohn festgehalten wird“, hieß es am Samstag von der Familie.
„Die Hamas täuscht die internationale Gemeinschaft und weigert sich,
unseren Sohn, die letzte verbliebene Geisel, zurückzugeben – ein klarer
Verstoß gegen das unterzeichnete Abkommen.“
Die Hamas erklärte am Mittwoch, sie habe den Vermittlern der Waffenruhe
„alle Informationen“ über Gvilis sterbliche Überreste übermittelt. Sie warf
Israel vor, Suchbemühungen in den von Israel kontrollierten Gebieten in
Gaza zu behindern. Am Samstag teilte die Hamas mit, eine Delegation habe
sich in Istanbul mit dem Leiter der türkischen Nationalen
Geheimdienstorganisation zu Gesprächen über die zweite Phase der Waffenruhe
getroffen.
Der ägyptische Außenminister Badr Abdelatti drängte laut einer Mitteilung
seines Ministeriums am Samstag bei dem neuen sogenannten Friedensrat für
den Gazastreifen auf die sofortige Öffnung des Grenzübergangs Rafah. Er
telefonierte mit dem bulgarischen Diplomaten Nikolai Mladenow, der als
Vertreter des Rats die Umsetzung von Trumps „Friedensplan“ in dem
Küstengebiet überwachen soll. Dabei erörterten sie die Umsetzung der
zweiten Phase der Waffenruhe – darunter die Stationierung einer
internationalen Beobachtertruppe, die Öffnung des Grenzübergangs Rafah in
beide Richtungen und den Abzug der israelischen Streitkräfte aus dem
Gazastreifen.
Abdelatti erklärte, die Umsetzung der zweiten Phase sei ein entscheidender
Schritt für den Wiederaufbau des Gazastreifens. In der Erklärung wurde
nicht erwähnt, wann Rafah für Reisende und die Evakuierung von Kranken und
Verwundeten geöffnet wird.
25 Jan 2026
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