# taz.de -- Neue Altersvorsorge und Kapitalmarkt: Wetten auf die eigene Lebenszeit
       
       > Riester-Rente und Rürup-Rente gleichen oft Inflationsverluste nicht aus,
       > sagt der Verein „Finanzwende“. Eine Gesetzesreform wird kritisch gesehen.
       
 (IMG) Bild: Man kann nicht früh genug anfangen, sich um seine Altersversorgung zu kümmern
       
       Wie sollte man zukünftig fürs Alter vorsorgen: mit einer privaten
       Zusatzrente, die nur bis zum 85. Geburtstag ausgezahlt wird? Oder mit einem
       Anteil auf dem Aktienmarkt, auch wenn man am Ende dadurch Geld verlieren
       könnte? Flexible Möglichkeiten wie diese sieht der Gesetzentwurf der
       Bundesregierung zur neuen steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge
       vor. Der Verein „Finanzwende“ hat am Mittwoch einige Aspekte der geplanten
       Reform begrüßt. Die hohen Kosten des Vorhabens aber wurden bemängelt.
       
       Die geplante Reform ziele „nicht auf ernstgemeinte Kostensenkung“, sagte
       Britta Langenberg, Referatsleiterin beim Verein Finanzwende, der sich für
       „faire und nachhaltige Finanzmärkte“ einsetzt.
       
       In einer neuen [1][Studie] hat Finanzwende ermittelt, dass schon bei den
       bereits bestehenden Riester- und Rürup-Renten auch durch die hohen Kosten
       für Abschluss und Verwaltung die Rendite schmal ausfällt. Gut zwei Drittel
       der untersuchten Riester- und Rürup-Angebote erreichten nicht mal das
       Mindestziel von zwei Prozent Rendite als Inflationsausgleich, so die
       Studie. Bei dieser Erhebung von Finanzwende wurden allerdings die
       staatlichen Kinderzulagen nicht gesondert berücksichtigt, die die Bilanz
       für Eltern erheblich verbessern.
       
       Die Fehler der Riester-Rente würden durch den neuen Gesetzentwurf
       „zementiert“, sagte Langenberg. Zwar gebe es im Gesetzentwurf einen
       Kostendeckel, doch dieser gelte nur für sogenannte Standardprodukte und sei
       zu hoch.
       
       ## Mehr Aktien, mehr Risiko
       
       Im [2][Gesetzentwurf] der Bundesregierung ist vorgesehen, die jährliche
       Rendite auf die geförderte private Altersvorsorge durch die Kosten nur um
       „maximal 1,5 Prozent“ mindern zu können, dies aber während der gesamten
       Vertragslaufzeit. Der Gesetzentwurf sieht außerdem ein neues System an
       Zulagen vor, von dem vor allem Altersvorsorgende mit „geringen und
       mittleren Einkommen“ profitieren sollen.
       
       Neu sind die Wahlmöglichkeiten im Entwurf. Versicherte sollen wählen
       können, ob sie ein Produkt möchten, das durch einen höheren Anteil von
       Aktien mehr Rendite verspricht, aber nur die Rückzahlung von 80 Prozent des
       eingezahlten Kapitals „garantiert“, denn bei fallenden Aktienkursen sinkt
       der Auszahlungswert. Bisher gilt bei der Riester-Rente eine Garantie auf
       die komplette Rückzahlung der eingezahlten Beiträge.
       
       Im Gesetzentwurf ist außerdem vorgesehen, dass Versicherte wählen können,
       ob sie eine monatliche Auszahlung der privaten Zusatzrente nur bis zum 85.
       Lebensjahr mit höheren Renten pro Monat oder eine „lebenslange Leibrente“
       abschließen wollen. Langenberg begrüßte diese Möglichkeit. Sie sei zum
       Beispiel „für Kranke eine ernsthafte Alternative“ und bringe „mehr
       Flexibilität“.
       
       ## Schweden müssen vorsorgen
       
       Langenberg kritisierte die Unübersichtlichkeit der neuen Produkte, die mit
       den Reformplänen der Bundesregierung käme. „Wir befürworten ein einfaches
       Standardprodukt mit niedrigen Kosten“, so die Expertin von Finanzwende. Sie
       nannte die Prämienrente in Schweden als Beispiel für ein Produkt mit
       niedrigen Kosten.
       
       Schweden müssen 2,5 Prozent ihres Bruttoeinkommens in die verpflichtende
       private Vorsorge einzahlen, der Arbeitgeber trägt davon allerdings 60
       Prozent. Auch durch die hohe Zahl der Beitragenden lassen sich dort die
       Kosten niedrig halten.
       
       Das Gesetz zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge
       wurde bereits in erster Lesung im Bundestag beraten. Die neuen Produkte
       sollen im Januar 2027 starten. Die Reformen bei der gesetzlichen Rente
       werden noch in einer Rentenkommission besprochen.
       
       12 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.finanzwende.de/themen/verbraucherschutz/riester-rente/riester-und-rueruprenten-leider-teuer
 (DIR) [2] https://dserver.bundestag.de/btd/21/040/2104088.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Barbara Dribbusch
       
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