# taz.de -- Hotel Mama: Die Mieten, die Boomer und ihre Kinder
       
       > Die Immobilien- und Mietpreise sind hoch. So hoch, dass Kinder auch dann
       > noch bei Mama und Papa wohnen, wenn sie fast schon selbst Eltern sind.
       
 (IMG) Bild: Hotel Mama, oder was ist eigentlich eine Familie?
       
       Fluch oder Segen, das ist hier die Frage. Es geht um alles oder nichts,
       also in Zeiten wie diesen ganz klar um den Ort, an dem die Rechnungen
       ankommen. Glücklich, wer eine eigene Bleibe hat. Wer keine hat, wird lange
       keine haben, um mal Rilke frei und wild umzudichten. Die
       [1][Immobilienpreise und Mieten sind bekanntlich so hoch], dass junge
       Menschen kein bezahlbares WG-Zimmer, geschweige denn eine eigene Wohnung
       finden. Was bleibt ihnen also anderes übrig, als weiter im Kinderzimmer bei
       Mutti und Vati zu hocken. Manche [2][ziehen erst aus, wenn sie weit über
       30] sind. Oder anders formuliert: Hotel Mama rules, nicht nur in Italien,
       dem Land des vivere con i genitori, sondern in ganz Europa.
       
       Nun ist das mit dem Fluch und Segen so eine Sache, jedenfalls im Falle der
       elterlichen Notunterkünfte. Meine privaten empirischen Studien widerlegen
       nicht nur jene überlieferten Boomerelternwünsche, wonach die Brut doch
       endlich ausziehen möge. Sondern ebenso den Fluchtimpuls ihrer Töchter und
       Söhne. Die haben nämlich längst geschnallt, dass so eine Vollpension zum
       Nulltarif, inklusive Wäscheservice, Reinigungsdienst, Kantine, praktisch
       und preisgünstig ist. Eine klassische Win-win-Situation.
       
       Denn mal Hand aufs Herz, liebe Boomereltern, allein der Gedanke daran, dass
       es nachts nicht mehr poltert, wenn „das Kind“ aus dem Club kommt und sich
       noch mal rasch Nudeln kochen muss, macht euch doch rasend, oder? Die Küche
       sieht am Morgen zwar aus wie Sau, klar, da flucht ihr. [3][Aber noch mehr
       flucht ihr, wenn niemand mehr seine Dreckjeans vor die Waschmaschine
       knallt]. Ziehen die Kinder aus, knallt nämlich nur eine große Leere in euer
       Elternleben, eine, die härter ist als eure bislang mieseste Trennung. Da
       nehmt ihr doch lieber in Kauf, dass das Zimmer des Sohnes selbst dann noch
       nach Puma stinkt, wenn seine Freundin dort übernachtet.
       
       Ihr nehmt in Kauf, dass die Tochter mit euch auf Amerikareise geht, obwohl
       ihr endlich mal einen Paarurlaub machen wolltet. Sie lässt sich, was sonst,
       alles von euch bezahlen. Obwohl sie selbst schon Geld verdient. Zwar nicht
       so viel, dass sie sich eine eigene Wohnung leisten könnte, aber so viel,
       dass es für das WG-Zimmer bei euch reicht. Aber ihr seid großzügig und
       sagt: Ach, lass mal, ist doch schön, dass wir noch zusammen sind.
       
       Eben alles oder nichts, das ist hier die Frage.
       
       9 Feb 2026
       
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 (DIR) [3] /Wenn-die-einzige-Tochter-auszieht/!5080394
       
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