# taz.de -- EU-Abstimmung zum Mercosur-Abkommen: „Das haben wir versemmelt“, sagt der Grüne Erik Marquardt
> Nach massiver Kritik aus der eigenen Partei zeigt sich der
> Europa-Abgeordnete zerknirscht. Gemeinsam mit der AfD zu stimmen, sei ein
> Fehler gewesen.
(IMG) Bild: Erik Marquardt 2024 auf einem Grünen-Parteitag
afp/taz | Der Delegationsleiter der deutschen Grünen im Europaparlament,
Erik Marquardt, hat [1][das Votum der Grünen im Europaparlament für eine
juristische Überprüfung des Mercosur-Handelsabkommens] im Nachhinein als
„Fehler“ bezeichnet. „Man muss selbstkritisch sagen, dass da das falsche
Signal vom Europäischen Parlament (…) ausgegangen ist, was die Geopolitik
angeht“, sagte Marquardt am Donnerstag dem Radiosender Bayern 2. „Und dass
das im Ergebnis dazu geführt hat, dass nur mit Rechtsaußen-Parteien diese
Mehrheit entstanden ist, auch das ist ein Fehler.“
Ihm und seiner Partei gehe es nicht um eine Blockade oder Verzögerung des
Abkommens, sagte Marquardt. „Es ging ja nur darum, vom Europäischen
Gerichtshof bestimmte Teile überprüfen zu lassen. Das ist ein normales
Verfahren“, fuhr er fort. „Das Abkommen kann jetzt trotzdem vorläufig in
Kraft treten.“ Die Grünen hätten nicht „gegen Mercosur abgestimmt“, sondern
„Rechtssicherheit schaffen“ wollen.
Für künftige Abstimmungen versicherte Marquardt, anders vorgehen zu wollen.
„Wir müssen mit den Konservativen, Liberalen, Sozialdemokraten und auch mit
den Linken es schaffen, proeuropäisch-demokratische Mehrheiten zu basteln“,
sagte er. „Besonders in dieser Situation, in der wir gerade sind, brauchen
wir da eine Geschlossenheit und das haben wir (…) versemmelt.“
Im Europaparlament hatte am Mittwoch eine Mehrheit der Abgeordneten dafür
gestimmt, den Vertrag mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten dem
Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorzulegen, wodurch sich die Ratifizierung
des Handelsabkommens erheblich verzögern könnte. Dafür stimmten neben den
Abgeordneten der Linken sowie der großen Mehrheit der
Rechtsaußen-Abgeordneten auch eine Mehrheit der Grünen. Konservative,
Sozialdemokraten und Liberale votierten mehrheitlich dagegen, in ihren
Reihen gab es aber viele Abweichler.
Von den Grünen in Deutschland [2][gab es massive Kritik am
Abstimmungsverhalten der eigenen Europaabgeordneten]. „Ich bin nicht happy
über das Ergebnis“, sagte Parteichef Felix Banaszak am Donnerstag im
Deutschlandfunk. Ähnlich äußerten sich andere Grüne wie Co-Chefin Franziska
Brantner, der Grünen-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, Cem Özdemir,
oder Jürgen Trittin, Urgestein des linken Parteiflügels.
23 Jan 2026
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