# taz.de -- Zollstreit zwischen USA und Europa: Druckmittel US-Bonds
       
       > Die Anleihen als politisches Machtmittel zu nutzen, wird kaum in Erwägung
       > gezogen. Allerdings würde es auch Europa einen Preis abverlangen.
       
 (IMG) Bild: Der französische Präsident Macron und die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) Lagarde in Davos, am 20. Januar
       
       Hilflos, und das nicht erst heute. Seit mehr als einem Jahr spielt die
       europäische Kassette den immer selben Track: „Europa muss stark und
       unabhängig von den USA sein.“ Daran änderte auch J. D. Vance nichts, der
       bei der Münchener Sicherheitskonferenz unverblümt ein neues Zeitalter der
       europäisch-amerikanischen Beziehung einläutete. Kaum etwas ist seither in
       Europa passiert. Die Euphorie über die ersten Treffen der „Koalition der
       Willigen“ verpuffte schnell: große Gesten – leere Versprechen.
       
       Nun lässt sich US-Präsident Donald Trump beim [1][Wirtschaftsforum in
       Davos] in Empfang nehmen, doch wie die Europäer Grönland vor ihm schützen
       sollen, bleibt ungeklärt. Und die politischen Köpfe Europas wirken
       weiterhin mehr zerstreut als geeint. Doch kann ein neues Trio Trump
       überzeugen?
       
       Ein Jahr nach dem ersten Bündnistreffen richtet sich der Blick noch immer
       auf den damaligen Initiator [2][Emmanuel Macron]. Seine SMS an Trump, sein
       Auftritt in Davos, hinter verspiegelter Pilotenbrille sucht er sichtbar
       nach europäischer Führung. Er will vor seinen europäischen Partnern
       glänzen, zu Hause schafft er das im krisengebeutelten Frankreich kaum.
       Macron prescht vor, versucht, eine gemeinsame Antwort zu formen, doch die
       Chancen stehen schlecht.
       
       Bundeskanzler Friedrich Merz tastet sich langsam vor, hofft auf
       handelspolitische Schlagkraft, ohne sie einzusetzen. Wann er wie
       angekündigt mit Trump über Strafzölle sprechen will, bleibt unklar. Dabei
       leidet [3][die US-Wirtschaft] schon jetzt, und das genau ist ein Hebel, den
       Europa gemeinsam nutzen könnte. Italiens Giorgia Meloni galt lange als
       Joker in den europäischen Reihen. Als erklärte Trump-Freundin inszeniert
       sie sich als Brückenbauerin, doch von dieser Brücke ist wenig zu sehen.
       Zwischen Loyalität und wachsender Kritik findet sie keine Linie.
       
       ## Kein risikoarmes Unterfangen
       
       Während ihre Regierung die sogenannte [4][Handels-Bazooka] ablehnt, macht
       die Opposition Druck und kritisiert ihre „Unterwürfigkeit“. Doch erstmals
       äußerte auch Meloni Kritik an der Trump-Regierung, nennt die Sonderzölle
       einen Irrtum. Ein bisher noch zu wenig beachtetes Instrument könnte helfen,
       die europäischen Staatschefs gegen Trump zu einen und zu stärken:
       US-Anleihen. Kein risikoarmes Unterfangen, betont auch der
       US-Finanzminister Scott Bessent. Und zeigt damit die Sorge vor einem
       tatsächlichen Abstoßen von US-Bonds.
       
       Mit einem konzertierten Abverkauf würde sich Europa auch selbst schaden,
       warnen Analysten. Und doch zeigt die aktuelle Weltlage, dass Europas
       Wirtschaft Schaden davontragen wird, egal ob man sich am Ende für
       Strafzölle oder ein Abstoßen der US-Bonds entscheidet. Klar ist aber auch,
       dass Europa das lange Versprechen der Emanzipation einlösen muss.
       
       21 Jan 2026
       
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