# taz.de -- Störaktion auf der Grünen Woche: Gequälte Grüße vom Schlachthof
> Aktivistinnen stören den Auftritt des Agrarministers auf der Grünen
> Woche. Sie verweisen auf den Widerspruch zwischen Agrarpolitik und
> Tierwohl.
(IMG) Bild: Vom Schlachthof auf den „Erlebnisbauernhof“: Tierrechtsaktivistinnen auf der Bühne mit Agrarminister Alois Rainer und Jens Spahn
Ein langes, schreckliches Quieken ertönt auf dem „Erlebnisbauernhof“ in
Halle 3.2. „Oh, was haben wir denn da?“, fragt [1][Alois Rainer,
Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat]. Er ist am
Dienstagmittag Gast auf einer der Podiumsdiskussionen zur deutschen und
europäischen Agrarpolitik, die auf dem „Bauernhof“ stattfinden. Der
CSU-Politiker dürfte die schrillen Klänge als gelernter Metzger gut kennen.
Sie stammen von Zuchtschweinen aus Massenhaltung, die gegen die qualvollen
Effekte einer CO₂-Betäubung ankämpfen.
„CO₂-Betäubung: Horror für Schweine“ steht auf dem Transparent, das
Aktivistin Anna Schubert mitten in der Rede von Rainer auf die Bühne trägt.
[2][Aktuell ist sie Angeklagte im „Schlachthof-Prozess“, weil sie im
niedersächsischen Schlachthof Brand versteckte Kameras installiert hat].
Diese dokumentierten das Verhalten der Schweine in den sogenannten
CO₂-Betäubungsgondeln, „zweifellos die kritischsten und
tierschutzrelevantesten Stellen in Schweine-Schlachhäusern“, wie die Gruppe
schreibt. Der Schlachthof Brand gilt als Vorreiter der CO2-Betäubung in
Deutschland.
Das Verfahren ist als tierschutzwidrig eingestuft. Bereits 2004 und erneut
2020 forderte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) den
Ausstieg aus der CO₂-Betäubung.
Doch [3][die Methode ist wirtschaftlich attraktiv]: Jährlich können damit
bis zu 35 Millionen Schweine betäubt werden, bevor sie mit einem Stich in
die Halsschlagader getötet und ausgeblutet werden. Bis die Tiere allerdings
betäubt sind, verbringen sie „die letzten Sekunden ihres Lebens in
Todesangst“, schreibt die Tierschutzorganisation Peta.
Das CO₂ verursache auf den Schleimhäuten der Tiere einen stechenden
Schmerz, sie bekämen keine Luft und versuchten panisch zu fliehen. Das
Resultat: die von den Aktivistinnen abgespielten, vom Schlachthof auf den
„Erlebnisbauernhof“ gebrachten Schreie.
## Reine Symbolpolitik?
Der Agrarminister lässt sich durch die Störaktion nicht aus dem Konzept
bringen. In verständnisvollem Ton kommentiert er: „Ich kenne die
Diskussion, überhaupt keine Frage. Wir müssen über die Betäubung reden. Wir
stehen zur Nutztierhaltung, die auch mit Respekt gemacht wird. Und der
Respekt gebührt auch bis zur letzten Minute.“ Sie würden sich das definitiv
anschauen, versichert Rainer, und verspricht den Tierschützerinnen ein
Gespräch im Anschluss an das Podium.
Doch bevor es zum Dialog kommt, verschwindet der Agrarminister durch einen
anderen Ausgang aus der Halle, die Aktivistinnen dürfen nicht folgen. „Eine
Begründung haben wir nicht bekommen“, bemerkt Schubert.
Rainer hatte kürzlich angekündigt, [4][aus Tierschutzgründen eine
verpflichtende Videoüberwachung in großen Schlachtbetrieben einführen zu
wollen]. Schubert hätte den Agrarminister gerne gefragt, ob er die
Videoüberwachung von Schlachthöfen auch in den CO₂-Gruben einzuführen
gedenkt. Wenn nicht, „wäre der Vorstoß der Videoüberwachung reine
Symbolpolitik“.
20 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Nathan Pulver
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