# taz.de -- Geschenkte Kartoffeln: Kartoffeln auch für die Ukraine
> Brandenburger Bauern reagierten empört. Nun zeigt sich: Es war ein
> Missverständnis. Berlin bekommt nur 200 Tonnen Kartoffeln aus Sachsen
> geschenkt.
(IMG) Bild: Hans-Joachim von Massow im Kartoffellager der Osterland Agrar
Alle reden über die Kartoffel. [1][„Unverhoffter Kartoffelsegen für
Berlin“], hatte die taz geschlagzeilt, als bekannt wurde, dass ein
sächsisches Landwirtschaftsunternehmen 4.000 Tonnen Kartoffeln verschenkt.
Die Website, auf der sich über 1.300 Interessenten bewarben, las sich so,
als werde die gesamte Menge in Berlin ausgeliefert.
[2][Die Freude] war groß. Aber es gab nicht nur Zustimmung. Ein Biobauer
aus Brandenburg schimpfte im taz-Interview, den regionalen Erzeugern werde
mit der Aktion [3][„vors Schienbein getreten]“. Schließlich könnten die
Brandenburger Bauern jetzt nur deutlich weniger nach Berlin verkaufen.
Doch dem ist nicht so. Von den 4.000 Tonnen gehen nur knapp 200 nach
Berlin. Es war ein Missverständnis, wie sich jetzt herausgestellt hat. Die
erste Lieferung kam letzte Woche an, die zweite wird gerade ausgeteilt.
Beglückt werden damit Hilfsbedürftige, Kindergärten und
Nachbarschaftsinitiativen, auch die Berliner Tafel nahm 22 Tonnen ab.
[4][Organisiert wird die Verteilaktion von der Berliner Morgenpost und der
Öko-Suchmaschine Ecosia.] Die Fahrer hätten berichtet, dass Menschen bei
der Ankunft der Lastwagen zum Teil schon Schlange stehen, heißt es.
Und was passiert mit den restlichen 3.800 Tonnen? Anruf bei Hans Joachim
von Massow, Geschäftsführer der sächsischen Osterland Agrar. Die Kartoffeln
einem guten Zweck zuzuführen, statt sie zu vernichten, war die Idee seines
Teams. Der Betrieb war auf den Erdäpfeln, Sorte Agria, sitzen geblieben.
Der Abnehmer, der schon im Voraus bezahlt hatte, wollte sie aufgrund des
extrem guten Erntejahres nicht mehr.
## Mindestabnahmemenge: eine Tonne
„Rund 70 Tonnen gehen in die Ukraine an die Front“, erzählt von Massow. 60
Tonnen würden innerhalb von Sachsen vor allem an Bedürftige verteilt. Auch
sei ein Bauer gekommen, der normalerweise sein Dorf versorge, aber dieses
Jahr nicht habe liefern können. Man hoffe noch auf weitere Abnehmer ab Hof,
Mindestabnahmemenge sei eine Tonne. Was zum Schluss noch übrig sei, gehe in
die Stärkeproduktion oder zurück als Dünger aufs Feld. In die Biogasanlage
gebe er als Landwirt Lebensmittel eher ungern, sagt von Massow.
Dass es an der Aktion auch Kritik gab, ist ihm nicht verborgen geblieben.
In dem Landwirtschafts-Nachrichtenportal „Agrarheute“ hat es sogar eine
Abstimmung gegeben. „52 Prozent von 1.414 Teilnehmern finden die Aktion
toll“, sagte von Massow am Mittwochmittag mit Blick auf die Website. „Ein
super Ergebnis ist das, auch, weil Landwirte häufig klagen.“ Egal ob die
Ernte gut oder schlecht sei, immer gebe es einen Grund. „Der Volksmund
besagt, dass der Februar für Bauern der schlechteste Monat ist, weil sie da
nur 28 Tage zum Klagen haben“, erzählt der Geschäftsführer lachend.
Was ihn wirklich störe, sei ein Bericht der Berliner Zeitung. Der
Brandenburger Bauernverband sei darin unhinterfragt mit dem Vorwurf zitiert
worden, die Osterland Agrar bereite mit der Geschenkaktion gezielt den
Markteinstieg in Berlin vor. „Das ist schlechter Journalismus, die Zeitung
hätte uns wenigstens mal fragen müssen.“
Die Osterland Gruppe ist seit ein paar Jahren dabei, den Betrieb auf Bio
umzustellen. Egal ob Bio oder konventionelle Kartoffelproduktion, von
Massow ist sicher, dass die gesamte Branche von der Geschenkaktion
profitiert. „Die Kartoffel ist dadurch im Bewusstsein präsent.“ Auch bei
Leuten, die nichts geschenkt bekommen haben. „Sie essen mehr Kartoffeln als
Pasta, und davon profitieren alle Bauern.“
21 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Plutonia Plarre
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