# taz.de -- Machtkampf um Nordostsyrien: Der kurdische Knoten
       
       > Syriens Präsident Al-Scharaa will Nordostsyrien kontrollieren. Die
       > kurdischen Kräfte fürchten um ihre Autonomie. Nur ein Kompromiss wäre
       > nachhaltig.
       
 (IMG) Bild: Die beschädigte Al-Rashid-Brücke wurde von den sich zurückziehenden Truppen der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) zerstört, 19.1.2026
       
       Der [1][Machtkampf um Nordostsyrien] ist nicht mehr aufzuschieben. Die
       Frage ist, ob er militärisch oder diplomatisch oder mit einer Mischung aus
       beidem ausgetragen wird, und ob das Ergebnis am Ende für beide Seiten
       nachhaltig ist.
       
       Die Zentralregierung in Damaskus möchte endlich ihre Kontrolle über das
       ganze Land ausweiten. Die kurdisch-dominierten SDF-Milizen wollen dagegen
       ihre seit Jahren praktizierte dortige Selbstverwaltung aufrechterhalten und
       weiterhin militärisch als die Schutzmacht der syrischen Kurden existieren.
       
       In den letzten Tagen wechseln sich verkündete Waffenpausen und erneute
       militärische Aktionen ab. Damaskus will eindeutig das militärische Momentum
       auf seiner Seite nutzen, um diplomatischen Druck aufzubauen. [2][Der
       syrische Staatschef Ahmed al-Scharaa] steht jetzt vor der Frage, wie diese
       militärischen Siege, in eine politische Integration des Nordostens und ganz
       besonders der kurdischen Kerngebiete umgemünzt werden können.
       
       Er macht Angebote an die Kurden, die ihnen ihre kulturelle und sprachliche
       Identität als Teil der nationalen Identität Syriens versprechen. Aber die
       entscheidende Frage ist, ob und wie die SDF-Milizen in den syrischen
       Sicherheitsapparat integriert werden. Als komplette Einheiten, wie es der
       SDF angeboten hat, oder als individuelle Soldaten und Offiziere, die auf
       die bestehenden syrischen Einheiten verteilt werden, wie es al-Scharaa
       fordert.
       
       ## Die Angst der Minderheiten
       
       Damit würde einerseits das staatliche Gewaltmonopol durchgesetzt. Doch
       andererseits würden die Kurden damit ihre militärische Schutzmacht
       verlieren. [3][Die vergangenen blutigen Tage] haben die Lösung dieser Frage
       nicht einfacher gemacht. Doch mit ihr steht und fällt alles.
       
       Unter den nicht sunnitischen, nicht arabischen Minderheiten in [4][Syrien],
       wie den Kurden, herrscht Angst – auch vor den Truppen der Regierung, die
       teilweise aus den alten islamistischen Netzwerken der einstigen Rebellen
       gegen den gestürzten Diktator Baschar al-Assad rekrutiert sind.
       
       Al-Scharaa müsste jetzt beweisen, dass er diese Ängste ernst nimmt.
       Bedeutet: Er müsste eine Formel finden, wie er diese Gebiete unter die
       Kontrolle der Zentralregierung bringt, und ihnen gleichzeitig eine Art
       föderale Selbstverwaltung zugesteht. Dabei erbt er auch inhärente Probleme
       in diesen Gebieten, etwa jene, in denen Kurden und arabische Stämme
       zusammenleben.
       
       Der syrische Präsident hat derzeit zwei Vorteile: Seine Truppen haben die
       Überhand und die USA unterstützen eine diplomatische Lösung, in der der
       Nordosten in den Rest Syriens integriert wird. Die SDF-Milizen haben aber
       eine wichtige Karte in der Hand: Sie können jede Entwicklung genug
       sabotieren, dass sie nicht nachhaltig ist. Das Dazwischen kann am Ende nur
       ausgehandelt werden.
       
       20 Jan 2026
       
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 (DIR) Karim El-Gawhary
       
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