# taz.de -- Kämpfe in Syrien: Armee erobert kurdisch kontrollierte Gebiete
       
       > Syrische Regierungstruppen drängen die Kurden weiter zurück – und
       > al-Sharaa bereitet sich auf heikle Gespräche in Berlin vor.
       
 (IMG) Bild: Dringen weiter in kurdisch kontrollierte Gebiete vor: Soldaten der syrischen Armee in einem Ort nahe Aleppo
       
       Die Truppen des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa sind auf dem
       Vormarsch. [1][Nachdem in der letzten Woche die kurdischen SDF–Kämpfer aus
       Aleppo vertrieben wurden,] geht die offizielle syrische Armee jetzt gegen
       kurdisch kontrollierte Gebiete entlang des Euphrats vor.
       
       Zunächst griff die Armee kurdische Kämpfer im Norden zwischen Aleppo und
       dem Euphrat an, jetzt stoßen die Truppen entlang des Euphrats nach Südosten
       vor. Am Samstag eroberten sie die Stadt Tabqa und damit gleichzeitig den
       größten Staudamm am Euphrat. Am Sonntag rückten die sunnitischen Milizen
       von al-Sharaa auf Rakka vor, die Großstadt am Euphrat, die der IS einstmals
       zu seiner Hauptstadt erklärt hatte.
       
       Kurdische Truppen haben in Rakka bereits zwei Brücken über den Euphrat
       gesprengt und sich auf die Nordostseite der Stadt zurückgezogen. Derweil
       rücken die Truppen von al-Sharaa weiter vor. Im türkischen Fernsehen sind
       lange Armeekonvois auf dem Weg nach Rakka zu sehen, inklusive
       Panzertransportern und schweren Mörsern.
       
       Das Ziel der Truppen geht aber angeblich weit über Rakka hinaus. Es sollen
       die Ölfelder bei Dair es-Zor sein, die die kurdischen Milizen seit ihrem
       erfolgreichen Kampf gegen den IS mit Unterstützung der US-Armee
       kontrollieren. Doch die hält sich jetzt zurück und greift nicht ein.
       Stattdessen fordert US-Botschafter Tom Barrak, die Kurden und die syrische
       Regierung [2][sollten zum Dialog zurückkehren.]
       
       ## Kurden wollen drei rein kurdische Divisionen behalten
       
       Tatsächlich hatten der militärische Führer der SDF, Mazloum Abdi, und
       Präsident Ahmed al-Sharaa bereits im März letzten Jahres eine Vereinbarung
       getroffen, nach der die Kurden militärisch und politisch bis Ende 2025 in
       den neuen syrischen Staat integriert werden sollten. Diese Vereinbarung
       wurde bislang nicht umgesetzt.
       
       Die Kurden sind zwar bereit, sich dem Oberbefehl aus Damaskus zu
       unterstellen, wollen aber drei rein kurdische Divisionen behalten, die in
       ihrem bisherigen Autonomiegebiet stationiert bleiben. Außerdem fordern sie
       mehrere stellvertretende Ministerposten in der Regierung.
       
       Seit islamistische sunnitische Verbände, die mit der Regierung verbündet
       sind, im letzten Frühjahr nicht nur alawitische Aufständische, sondern auch
       viele Zivilisten töteten, und wenig später die „neue Armee“ auch gegen die
       Drusen im Süden vorgingen, sind die Kurden noch weniger gewillt, ihre
       Milizen einfach aufzulösen. Die Gespräche gehen indes weiter.
       
       Am Samstag versicherte al-Sharaa in einer öffentlichen Ansprache noch
       einmal, dass die Kurden im neuen Syrien alle Bürgerrechte zustehen würden.
       Noch am Sonntag sollte Kurdenführer Mazloum Abdi Präsidenten al-Sharaa in
       Damaskus treffen.
       
       ## Al-Sharaa reist nach Berlin
       
       Türkische Fernsehsender berichteten bereits am Samstag, Abdi habe
       grundsätzlich zugestimmt, dass die kurdischen Selbstverteidigungskräfte
       bereit seien, sich hinter den Euphrat nach Osten zurückzuziehen. Deshalb
       wird Mazloum Abdi wohl auf einen Waffenstillstand drängen.
       
       Doch wie es aussieht will die syrische Armee ihr Momentum nicht aufgeben
       und jetzt erst einmal den größten Teil der syrischen Ölfelder wieder unter
       ihre Kontrolle bringen. Mitten in diesem Konflikt kommt Ahmed al-Sharaa nun
       an diesem Montag nach Berlin und wird dort von Bundeskanzler Friedrich Merz
       empfangen.
       
       Deutschland, die EU und Washington begrüßen, dass der ehemalige Dschihadist
       al-Jolani alias al-Sharaa jetzt auf den Westen setzt und auch zu einer
       Aussöhnung mit Israel bereit sein soll. Friedrich Merz wie auch
       EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die al-Sharaa just zu dem
       Zeitpunkt besuchte, als in Aleppo die Kämpfe gegen die Kurden tobten,
       interessiert aber vor allem, ob und wann syrische Flüchtlinge aus
       Deutschland und Europa wieder zurückkehren können. [3][Verschiedene
       Menschenrechtsgruppen und kurdische Organisationen haben Demonstrationen
       gegen Merz und al-Sharaa in Berlin angekündigt.]
       
       18 Jan 2026
       
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