# taz.de -- Weiter Kämpfe zwischen SDF und Regierung: Abkommen für Waffenruhe in Syrien gescheitert
       
       > Erst am Wochenende gab die Regierung eine Waffenruhe mit der kurdisch
       > geführten SDF im Nordosten Syriens bekannt. Doch die Kämpfe halten an und
       > die Angst steigt.
       
 (IMG) Bild: Kämpferinnen der SDF am 19. Januar in Qamischli in Nordsyrien
       
       ap/dpa/taz | Die von der syrischen Übergangsregierung verkündete Waffenruhe
       mit kurdisch geführten Milizen im Nordosten des Landes ist nach dem
       Ausbruch neuer Kämpfe offenbar gescheitert. Die kurdisch geführten
       Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) riefen am Montag [1][in einer
       Erklärung auf X] „alle unsere Jugendlichen“ auf, sich „den Reihen des
       Widerstands“ anzuschließen: „So wie unsere Kameraden 2014 in Kobane einen
       historischen Widerstand schmiedeten und die Stadt in einen Friedhof für
       (die Terrormiliz ‚Islamischer Staat‘) verwandelten (…) bekräftigen wir
       heute mit derselben Entschlossenheit, dass wir unsere Städte (…) in einen
       Friedhof für die neuen (IS)-gesinnten Menschen verwandeln werden, die von
       der Türkei gelenkt werden.“
       
       Zuvor lieferten sich syrische Regierungstruppen und kurdische Kämpfer
       Gefechte in der Umgebung zweier Gefängnisse für [2][Mitglieder der
       Terrormiliz „Islamischer Staat“.] Die SDF ziehen nach eigenen Angaben von
       dem Lager al-Hol in Syrien ab. In dem Lager, das die SDF bisher
       kontrollierten, sind Tausende Angehörige von Kämpfern der Terrormiliz
       Islamischer Staat (IS) untergebracht.
       
       Das Lager ist offiziell kein Gefängnis, wird von Bewohnern aber oft als ein
       solches beschrieben. Sie können das Camp nicht freiwillig verlassen.
       
       „Aufgrund der Gleichgültigkeit der internationalen Gemeinschaft gegenüber
       dem IS-Problem“ seien die SDF-Streitkräfte gezwungen gewesen, aus dem Lager
       abzuziehen, hieß es in einer Pressemitteilung. Sie warfen der
       internationalen Gemeinschaft vor, ihrer Verantwortung bei der Bewältigung
       „dieser ernsten Angelegenheit“ nicht nachgekommen zu sein. Die
       SDF-Einheiten seien in andere Gebiete im Nordosten Syriens verlegt worden.
       
       Die syrische Armee erklärte, einige Insassen seien inmitten des Chaos aus
       dem Gefängnis bei al-Schaddadi ausgebrochen. Eine Ausgangssperre sei daher
       verhängt worden. Armee und SDF machten sich gegenseitig für die Flucht der
       Gefangenen verantwortlich. Die SDF bestätigten, dass sie die Kontrolle über
       das Gefängnis verloren hätten, das etwa 50 Kilometer von der Grenze zu Irak
       entfernt liegt.
       
       Die kurdisch geführten Milizen teilten zudem mit, dass neun ihrer
       Mitglieder bei Kämpfen rund um das Gefängnis al-Aktan nordöstlich der Stadt
       al-Raqqah getötet und 20 weitere verletzt worden seien. Ein Reporter der
       Nachrichtenagentur AP beobachtete, wie ein US-Konvoi in das
       Gefängnisgelände einfuhr – offenbar mit dem Ziel, zwischen den beiden
       Seiten zu vermitteln. Washington unterhält gute Beziehungen zu den SDF und
       der Regierung in Damaskus.
       
       ## Trump telefoniert mit al-Scharaa
       
       Das Büro des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa teilte am
       Montagabend mit, dass er mit US-Präsident Donald Trump telefoniert habe. In
       dem Gespräch habe al-Scharaa betont, wie wichtig es sei, „die Einheit und
       Unabhängigkeit des syrischen Staatsgebiets zu wahren“ und die „Rechte und
       den Schutz des kurdischen Volkes“ zu gewährleisten. Zudem hätten sich beide
       darauf verständigt, die Zusammenarbeit im Kampf gegen den IS fortzusetzen.
       
       Die Regierung in Damaskus warnte die SDF-Führung zudem über die
       Staatsmedien davor, als Vergeltungsmaßnahme oder als politisches
       Druckmittel Gefängnisse zu öffnen. Und so IS-Insassen die Flucht zu
       erleichtern.
       
       Die Terrormiliz kontrollierte einst große Gebiete in Irak und in Syrien und
       wurde von einer von den USA geführten Koalition unter Beteiligung der SDF
       militärisch zurückgedrängt. IS-Schläferzellen verüben in beiden Ländern
       noch immer Anschläge.
       
       ## Abkommen vom März 2025 nicht umgesetzt
       
       Der Hintergrund der aktuellen Gefechte: Anfang Januar kam es zu [3][Kämpfen
       zwischen den SDF und syrischen Regierungstruppen in Aleppo.] Die SDF zogen
       sich von dort zurück. Einige Tage später stießen Regierungstruppen weiter
       nach Osten vor und eroberten große Gebiete, die zuvor von den kurdisch
       geführten Kräften kontrolliert wurden.
       
       Erst am Sonntag hatte die Übergangsregierung in Damaskus dann eine
       Waffenruhe mit den SDF verkündet. Staatsmedien zeigten, wie
       Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa die Vereinbarung unterzeichnete.
       
       ## Was in der neuen Vereinbarung von SDF und Regierung steht
       
       Gemäß dem von Damaskus verkündeten Abkommen sollen sich die SDF auflösen
       und sich in die syrischen Militär- und Sicherheitskräfte eingliedern.
       Führende militärische und zivile SDF-Vertreter sollen hochrangige
       Positionen in staatlichen Institutionen erhalten. Die SDF sollen zudem die
       Provinzen al-Raqqah und Deir ez-Zor sowie ihre Grenzübergänge [4][und Öl-
       und Gasfelder] an das syrische Militär und die Regierung abtreten.
       
       Die Provinz Hassakeh im Nordosten soll ihre zivile Verwaltung an Damaskus
       zurückgeben. Die Verwaltung der Gefängnisse und weitläufigen Lager mit
       Tausenden von inhaftierten IS-Kämpfern und deren Familien soll ebenfalls
       von den kurdischen Verantwortlichen an die syrische Regierung übergehen.
       
       Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan schaltete sich nach
       Abschluss des Abkommens ein: Ankara betrachtet die SDF als
       Terrororganisation, weil diese Verbindungen zur inzwischen aufgelösten
       kurdischen Arbeiterpartei PKK hatten. Die SDF dürften die Umsetzung des
       Abkommens mit Damaskus nicht behindern, mahnte Erdoǧan.
       
       ## Wer in Syrien die Kontrolle hat
       
       Die Übergangsregierung des früheren Rebellenführers al-Scharaa hat seit dem
       Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad Ende 2024
       Schwierigkeiten, ihre volle Autorität über das vom Bürgerkrieg zerrüttete
       Syrien zu etablieren. Die kurdischen Gebiete, wie auch das [5][von
       drusischen Milizen kontrollierte Suweida] im Süden des Landes blieben
       bislang außerhalb ihrer Kontrolle.
       
       Im März 2025 schloss Damaskus ein Abkommen mit den SDF, das eine
       Kompromisslösung vorsah. Doch gab es Streit über die Frage, ob die kurdisch
       geführten Milizen sich der neuen syrischen Armee als geschlossene Einheit
       anschließen – wie von der SDF präferiert – oder ob SDF-Mitglieder einzeln
       den Streitkräften beitreten sollen – wie von der Regierung gewünscht. Der
       Konflikt blieb bis 2026 ungelöst. Nun wurden auf dem Boden Fakten
       geschaffen.
       
       20 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/SDF_Syria/status/2013340641867059471?s=20
 (DIR) [2] /Unruhen-in-Syrien/!6127461
 (DIR) [3] /Gewalt-in-Syrien/!6145500
 (DIR) [4] /Provisorische-Oelraffinerien-in-Syrien/!5934067
 (DIR) [5] /Konflikte-zwischen-Syriens-Drusen/!6135324
       
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