# taz.de -- Kämpfe in Nordostsyrien: IS-Kämpfer und Angehörige entkommen aus der Haft
       
       > In Syrien rücken die Regierungstruppen weiter vor. Dabei konnten nicht
       > nur Frauen und Kinder von Islamisten fliehen, sondern auch Dschihadisten
       > selbst.
       
 (IMG) Bild: Familienmitglieder von mutmaßlichen IS-Kämpfern im Lager Al-Hol, im Sommer 2024
       
       In Nordostsyrien konnten wohl Frauen und Kinder ehemaliger
       radikalislamistischer Kämpfer aus dem Camp Al-Hol und einem nahen Gefängnis
       ausbrechen. Bislang wurde das Camp von der [1][kurdisch dominierten
       Sicherheitstruppe] Syrische Demokratische Kräften (SDF) kontrolliert. Die
       SDF haben sich am Dienstagnachmittag nach eigener Angabe zurückgezogen, im
       Rahmen der derzeitigen Kämpfe zwischen ihnen und den Truppen der syrischen
       Regierung. Laut verschiedenen, bislang nicht endgültig bestätigten
       Berichten in den sozialen Netzwerken konnten einige von ihnen in diesem
       Machtvakuum fliehen.
       
       Das Lager Al-Hol liegt südöstlich der Stadt Hasakah in Nordostsyrien.
       Mindestens 37.000 Menschen leben dort, darunter viele Frauen und Kinder
       ehemaliger Kämpfer des selbsternannten „Islamischen Staats“, bekannt als
       IS. Al-Hol ist offiziell ein Geflüchtetenlager, doch gleicht es eher einem
       Gefängnis: Insassen dürfen es nicht auf eigenen Wunsch verlassen.
       
       Zwei Drittel der Insassen sind laut der Hilfsorganisation „Ärzte ohne
       Grenzen“ Kinder. Sie berichteten von schlechten Hygienebedingungen und
       Menschenrechtsverletzungen durch die zuständigen Sicherheitskräfte – eine
       Situation, die einer möglichen Deradikalisierung nicht gerade förderlich
       ist.
       
       Das syrische Verteidigungsministerium in Damaskus veröffentlichte zum Camp
       Al-Hol ein Statement auf Telegram: Man sei „uneingeschränkt bereit“,
       [2][das Camp und die IS-Gefängnisse in der Region zu übernehmen], und lehne
       es ab, „dass die SDF-Führung die Gefangenen (…) als politische
       Verhandlungsmasse missbraucht“.
       
       ## Ausbruch aus Gefängnis
       
       Auch aus dem Al-Schaddadi-Gefängnis in der Provinz Hasakah sollen am späten
       Montag Kämpfer ausgebrochen sein. Dort leben wohl vor allem chinesische und
       bulgarische Daesh-Kämpfer. Wie ein Al-Jazeera-Reporter vor Ort berichtet,
       zogen sich die kurdischen Aufseher zurück. Dann sei es zu heftigen Kämpfen
       in den Camps gekommen. Rund 1.500 Daesh-Kämpfer seien ausgebrochen,
       meldeten die SDF am Montagabend.
       
       Die SDF warf der Übergangsregierung in Damaskus vor, [3][Gefängnisse im
       Nordosten angegriffen zu haben], in denen IS-Angehörige untergebracht sind.
       Die Übergangsregierung wiederum bezichtigte die SDF, die Gefangenen
       freigelassen zu haben. Und erklärte, es seien nur 120 Menschen
       ausgebrochen. Von diesen hat die Regierung nach eigenen Angaben etwa 80
       wieder eingefangen.
       
       Die Miliz IS gilt seit 2019 offiziell als besiegt. Jedoch sind noch
       vereinzelt Zellen sowohl in Syrien als auch im Irak aktiv. Dort attackieren
       sie meist Mitglieder der staatlichen Sicherheitsbehörden.
       
       Die SDF waren lange der wichtigste Verbündete des US-Militärs im Kampf
       gegen den IS in Syrien. Auch die damalige Bundesregierung hatte den Kurden
       für den Kampf gegen den IS Panzerabwehrraketen, Panzerfäuste und Gewehre
       geliefert.
       
       20 Jan 2026
       
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 (DIR) Julia Neumann
       
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