# taz.de -- Ahmed al-Scharaa: Der Gentleman-Dschihadist
> Der syrische Interimspräsident al-Scharaa startete als Hoffnungsträger.
> Die jüngsten Kämpfe seiner Truppen gegen die Kurden sind hingegen
> alarmierend.
(IMG) Bild: Der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa am 8. Dezember 2025 in Damaskus, Syrien
Wenn man Ahmed al-Scharaa zuhört, kann man nur zustimmend mit dem Kopf
nicken. Ein einiges Syrien, Rechtsstaat und kulturelle und religiöse Rechte
für alle. Was für eine Wohltat, aus Damaskus solche Töne zu hören. Und was
für ein erstaunlicher Wandel. Vom IS-Terroristen über den Al-Qaida-Führer
hin zum autoritären Chef der [1][lokalen Islamistentruppe HTS] und
plötzlich der weltgewandte Präsident Syriens, der verspricht, das Land nach
der jahrzehntelangen Assad-Diktatur wieder zu einem geachteten Mitglied der
Staatengemeinschaft zu machen.
Was für ein Hoffnungsträger. Dass dann entgegen aller Versprechen seine
Dschihadisten-Freunde doch blutige Rache an der [2][alawitischen
Minderheit] nehmen, wurde von ihm im Nachhinein verurteilt. Wahrscheinlich
war es gegen seinen Willen geschehen. Als dann seine Truppen über die
Drusen herfielen, waren sich viele noch sicher, dass dieser Konflikt von
den Drusen selbst provoziert und von Israels Regierungschef Benjamin
Netanjahu im Hintergrund dirigiert wurde.
Die jetzige militärische Eskalation gegen die Kurden kann aber kein Zufall
mehr sein. Ausgangspunkt des Feldzuges gegen die Kurden war Aleppo. In zwei
Stadtteilen gab es in der zweitgrößten syrischen Stadt noch eine kurdische
Gemeinschaft. In Aleppo hätte al-Scharaa zeigen können, dass er es ernst
meint mit dem friedlichen Zusammenleben. Das Gegenteil aber war der Fall,
die Kurden hatten allen Grund, den Versprechungen des
Gentleman-Dschihadisten aus Damaskus zu misstrauen.
Es gab keine praktischen Schritte auf dem Weg zur Integration, sondern als
die USA signalisierten, sie würden die Kurden nicht mehr länger schützen,
ließ al-Scharaa seine neue Armee, die zu großen Teilen aus den alten
Dschihadisten besteht, von der Leine. US-Präsident Donald Trump setzt auf
den Chef in Damaskus. Dass für die Menschen in Syrien die kurze Phase des
freiheitlichen Chaos wieder zu Ende geht und sie in einem autoritären
islamistisch-sunnitisch Zentralstaat landen werden, wird ihn kaum noch
interessieren.
21 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Die-HTS-in-Syrien/!6049870
(DIR) [2] /Lage-der-Alawiten-in-Syrien/!6059466
## AUTOREN
(DIR) Jürgen Gottschlich
## TAGS
(DIR) Ahmed al-Scharaa
(DIR) Kurden
(DIR) Schwerpunkt Syrien
(DIR) Rojava
(DIR) Donald Trump
(DIR) Schwerpunkt Syrische Demokratische Kräfte (SDF)
(DIR) Schwerpunkt Syrien
(DIR) Ahmed al-Scharaa
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Konflikt um Rojava: Schlaflos in Al-Hasakah
Unsere kurdisch-syrische Autorin wartet. Darauf, was in diesen vier Tagen
Waffenruhe verhandelt wird und es für ihr Leben in Nordostsyrien bedeutet.
(DIR) Machtkampf um Syriens Nordosten: Wie die USA die Kurden fallen ließen
Geheimtreffen sollen den Weg für die syrische Offensive in Rojava geebnet
haben. Gefangene IS-Kämpfer sollen nun im Irak vor Gericht gestellt werden.
(DIR) Kurdischer Journalist über Nordsyrien: „Wenn Rojava scheitert, dann nicht, weil die Idee falsch war“
Der kurdische Journalist Siruan Hossein findet vieles an der
Selbstverwaltung richtig. Ethnische Vielfalt und Frauenbefreiung wurden
wenigstens versucht – trotz Fehlern.
(DIR) Kämpfe in Nordostsyrien: IS-Kämpfer und Angehörige entkommen aus der Haft
In Syrien rücken die Regierungstruppen weiter vor. Dabei konnten nicht nur
Frauen und Kinder von Islamisten fliehen, sondern auch Dschihadisten
selbst.
(DIR) Machtkampf um Nordostsyrien: Der kurdische Knoten
Syriens Präsident Al-Scharaa will Nordostsyrien kontrollieren. Die
kurdischen Kräfte fürchten um ihre Autonomie. Nur ein Kompromiss wäre
nachhaltig.