# taz.de -- Kämpfe in Syrien: Westlich des Euphrats regiert nun Damaskus
       
       > Die Truppen der kurdischen SDF ziehen sich ins kurdische Kerngebiet
       > zurück. Damit kontrolliert die Zentralregierung nun wichtige Öl- und
       > Gasfelder.
       
 (IMG) Bild: Nun die kontrollierende Instanz in Raqqah: ein Mitglied der syrischen Regierungskräfte in der Stadt
       
       Truppen der Übergangsregierung in Damaskus haben in der Nacht auf Montag
       weitere Gebiete im Nordosten Syriens militärisch eingenommen. Diese standen
       zuvor unter der Kontrolle der kurdischen Syrischen Demokratischen Kräfte,
       der De-facto-Streitkraft des kurdischen Selbstverwaltungsgebiets in
       Nordostsyrien. Alle Städte und Gebiete westlich des Euphrats inklusive der
       Großstädte Raqqah und Deir ez-Zor sind nun unter militärischer Kontrolle
       der Truppen der Zentralregierung in Damaskus.
       
       In diesen Gebieten leben weniger Kurd*innen, mehr arabische Stämme. Die SDF
       hatten mit Unterstützung der USA 2019 dort dschihadistische Kämpfer des
       sogenannten Islamischen Staates (IS) besiegt. Auch die mehrheitlich
       arabischen Provinzen Deir ez-Zor und Raqqah kamen damit unter kurdische
       Kontrolle, als Teil der Selbstverwaltung Nordostsyriens. [1][Mit den
       SDF-Machthabern wurden große Teile der arabischen Bevölkerung aber bis
       heute nicht warm.]
       
       Die SDF haben sich nun hinter den Euphrat, in die kurdischen Kerngebiete
       zurückgezogen. Die Zentralregierung kontrolliert damit jetzt auch die
       Grenzübergänge, sowie die lukrativen Erdöl- und Erdgasfelder in der Region.
       
       SDF-Oberbefehlshaber Mazlum Abdi sagte am Sonntagabend in einer
       Videobotschaft: Um einen Bürgerkrieg und „weiteres sinnloses Blutvergießen
       zu vermeiden“, hätte sich die SDF auf die „taktische Vereinbarung“
       eingelassen und zugestimmt, ihre Truppen aus Deir ez-Zor und Raqqah nach
       Hasakeh abzuziehen.
       
       ## Ausbruch von IS-Kämpfern?
       
       Der Rückzug ist ein Kernpunkt eines 14-Punkte-Plans zwischen der
       Zentralregierung und den SDF. Am Sonntag hatte der syrische
       Übergangspräsident Ahmad al-Scharaa diesen bekannt gegeben. Er sieht eine
       Waffenruhe vor, den Rückzug der SDF-Truppen, und dass die Zentralregierung
       die [2][Kontrolle über die Öl- und Gasfelder] übernimmt. Das Abkommen sieht
       weiter vor, dass sich alle PKK-Mitglieder aus den Gebieten zurückziehen.
       Die SDF steht der in Deutschland als Terrororganisation verbotenen Gruppe
       nahe.
       
       Laut Abkommen soll außerdem die Verantwortung, gegen den sogenannten IS zu
       kämpfen, nun an die Zentralregierung in Damaskus gehen. Ein heikler
       Schritt.
       
       Denn in den Rängen der Truppen der Zentralregierung finden sich auch
       ausländische Kämpfer, Kämpfer aus türkeinahen Milizen und [3][Anhänger von
       radikal-islamistischen Ideologien.] Mitglieder der Truppen der
       Zentralregierung waren an [4][Massakern an Alawit*innen,] Drus*innen
       sowie Kurd*innen beteiligt. Videos belegen Hinrichtungen durch Truppen,
       die dem syrischen Innenministerium unterstellt sind.
       
       Laut dem Institute for the Study of War bleiben Kämpfer des IS eine
       „signifikante Gefahr in Syrien“. Die kurdische Selbstverwaltung warnt nun
       vor einem möglichen Ausbruch der Kämpfer. Khaled Davrisch, Repräsentant der
       kurdischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien in Berlin, sagte am
       Montag: Aktuell gebe es Ausbruchsversuche von [5][IS-Mitgliedern aus dem
       Camp Al-Hol, wo viele von ihnen festsitzen]. In Tabqa, Raqqah und Deir
       ez-Zor hätten Truppen der Übergangsregierung bereits IS-Gefangene befreit.
       
       ## Beide Seiten sollen die Waffenruhe brechen
       
       Im März vergangenen Jahres hatten die SDF einer Integration ihrer Truppen
       in die Streitkräfte der Zentralregierung zugestimmt. Dieser Prozess steckte
       aber in einer Sackgasse.
       
       Das Medienzentrum der SDF sagte am Montag: Die Zentralregierung breche den
       Waffenstillstand und setze Angriffe auf SDF-Kräfte in Ain Issa,
       Al-Schaddadi und Raqqah fort. Lokale Quellen aus Raqqah melden wiederum,
       mit der SDF verbündete Scharfschützen hätten bis in die späte Nacht am
       Sonntag noch auf Zivilist*innen geschossen. Mehr als zehn seien getötet
       worden, meldet das unabhängige Onlinemedium Al-Jumhuriya.
       
       Fest steht: Auch nach der am Sonntagabend vereinbarten Waffenruhe
       [6][bleibt die Situation prekär]: Durch die Kämpfe wurden rund 10.000
       Menschen vertrieben – viele von ihnen mehrfach. Vor allem Kurd*innen sind
       auf der Flucht. Nach Angaben der Vereinten Nationen flohen bislang etwa 700
       Familien in die kurdisch geprägte Provinz Hasakah.
       
       Die Vertriebenen benötigen Essen, Trinken, Unterkünfte sowie medizinische
       Versorgung und Schutz gegen die Kälte. Eine Mitarbeiterin der
       Hilfsorganisation Save the Children berichtet: Sie habe Babys und
       Kleinkinder gesehen, die bei Temperaturen von zwei Grad Celsius barfuß und
       ohne Winterjacken oder Decken auf der Flucht waren.
       
       19 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Neumann
       
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