# taz.de -- EU betont Souveränität Dänemarks: Europäische Eisbrecher in Davos
       
       > Beim Weltwirtschaftsforum in Davos kritisieren die
       > EU-Kommissionspräsidentin und Frankreichs Präsident die USA. Zeitgleich
       > machen sie Präsident Trump aber Angebote.
       
 (IMG) Bild: Düstere Aussicht? Frankreichs Präsident Macron in Davos
       
       „Lang lebe Europa!“ Mit diesem trotzigen und entschlossenen Bekenntnis zur
       europäischen Unabhängigkeit und Souveränität beendete
       EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihre Rede beim
       Weltwirtschaftsforum in Davos (WEF). Der erste Tag des diesjährigen WEF
       stand im Zeichen [1][der Auseinandersetzung mit der US-Regierung um
       Grönland].
       
       US-Präsident Donald Trump wird am Mittwoch in Davos erwartet und
       nachmittags eine Rede im Kongresszentrum halten. Im Vordergrund der
       Debatten steht seine Absicht, die zum EU- und Nato-Mitglied Dänemark
       gehörende Insel Grönland irgendwie den USA einzugemeinden. Dazu soll es am
       Rande des WEF Verhandlungen geben, an denen auch Bundeskanzler Friedrich
       Merz teilnehmen wird.
       
       Von der Leyen sagte, die Souveränität Dänemarks und damit auch Grönlands
       sei „nicht verhandelbar“. Die neue Androhung höherer Importzölle auf
       europäische Waren, mit der Trump seinen territorialen Anspruch
       durchzusetzen versucht, „ist ein Fehler“, sagte die EU-Präsidentin. Der
       Konflikt „hilft nur unseren Gegnern“, womit unter anderem Russland gemeint
       war.
       
       Im Hinblick auf das 2025 vereinbarte Zollabkommen zwischen der EU und den
       USA sagte von der Leyen: „Ein Deal ist ein Deal, ein Handschlag muss etwas
       bedeuten“. Und sie drohte zurück: „Unsere Antwort wird proportional sein“,
       sollten die USA zusätzliche Zölle auf EU-Produkte erheben. Was das konkret
       heißt, ließ sie offen – [2][wobei möglicherweise EU-Zölle auf US-Importe im
       Wert von gut 90 Milliarden Euro festgesetzt werden könnten.] Die
       EU-Regierungen beraten diese Woche.
       
       ## Angebote an Trump
       
       Gleichzeitig unterbreitete von der Leyen Angebote an die Adresse der
       US-Regierung. Europa sei in der arktischen Region stark engagiert, um die
       Sicherheit etwa gegen Russland und China zu gewährleisten. Man arbeite
       unter anderem mit den USA, Kanada und Großbritannien zusammen. Die
       Kommissionspräsidentin plädierte für zusätzliches Engagement: „Insbesondere
       glaube ich, dass wir unsere Mehrausgaben im Verteidigungssektor für eine
       europäische Eisbrecherflotte nutzen sollten.“
       
       Was „eine neue Form der europäischen Unabhängigkeit“ bedeutet, deklinierte
       von der Leyen auch ökonomisch durch. Nach dem [3][gerade unterschriebenen
       Handelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund
       Mercosur] werde hoffentlich demnächst „die Mutter aller“ Handelsabkommen
       folgen – eine umfassende Vereinbarung mit Indien. Dorthin will die
       EU-Politikerin am nächsten Wochenende reisen. Dieser Vertrag werde „zwei
       Milliarden Menschen“ und ein „Viertel der Weltwirtschaftsleistung“
       umfassen.
       
       Zusätzlich warb die Chefin um ausländische Investitionen in Europa. Wie
       schon vor einem Jahr in Davos kündigte sie auch jetzt wieder das „28.
       Regime“ an. Damit ist eine geplante Regulierung für Unternehmen gemeint,
       die diesen gleiche Bedingungen in allen 27 EU-Mitgliedstaaten gewähren
       würde.
       
       In diese Richtung argumentierte auch Frankreichs Staatspräsident Emmanuel
       Macron, als er am Dienstagnachmittag im großen Saal sprach. In einer Zeit,
       in der „Autokratie gegen Demokratie“ stehe, solle man „nicht passiv das
       Recht des Stärkeren akzeptieren“. Im Rahmen seiner diesjährigen
       Präsidentschaft der G7-Gruppe der größten westlichen Wirtschaftsnationen
       wolle Frankreich „effektive Kooperation“ fördern.
       
       In diesem Sinne schlug Macron Trump ein Treffen der G7-Staaten mit Russland
       und Dänemark an diesem Donnerstag in Paris vor. Das Angebot verband er mit
       dem Hinweis, dass Europa über „starke Instrumente“ der Gegenwehr verfüge.
       Man werde nicht zögern, sie anzuwenden. „Wir schätzen Rechtsstaatlichkeit
       mehr als Brutalität“, erklärte der französische Präsident am Ende seiner
       Rede.
       
       Trump hatte Paris zuvor mit hohen Zöllen auf Wein und Champagner gedroht,
       weil Frankreich eine Mitgliedschaft in Trumps geplantem „Friedensrat“
       ablehnt. Außerdem hatte er eine SMS Macrons, die für ihn bestimmt war, auf
       seiner Plattform Truth Social veröffentlicht und auf einer Pressekonferenz
       über Macron gesagt: „Nun, niemand will ihn, weil er sehr bald aus dem Amt
       scheiden wird.“
       
       20 Jan 2026
       
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 (DIR) Hannes Koch
       
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