# taz.de -- Zwischen Schmeichelei und Widerstand: Macrons Doppelspiel gegenüber Trump
       
       > Macron verwahrt sich gegen die Drohungen und verbalen Attacken von
       > US-Präsident Trump. Doch hinter den Kulissen möchte auch er mit ihm
       > verhandeln.
       
 (IMG) Bild: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron trägt bei seinem Auftrifft in Davos eine Sonnenbrille wegen eines entzündeten Auges
       
       Das Weltwirtschaftsforum in Davos war für Frankreichs Präsident Emmanuel
       Macron am Dienstag die Gelegenheit, mit bisher ungewohnter Schärfe auf neue
       aggressive Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zu antworten. Dieser
       hat die Kritik aus Europa an seiner Idee eines „Friedensrats“ nicht verdaut
       und namentlich mit Strafzöllen von 200 Prozent für französische Wein- und
       Champagnerimporte gedroht. Das konnte nicht unwidersprochen bleiben.
       
       Er ziehe „den Rechtsstaat der Brutalität“ vor, protestierte Macron in
       Davos. „Wir wollen nicht eine Weltordnung, die von denjenigen beschlossen
       wird, die glauben, die lautere Stimme und den stärken Knüppel zu haben.“ Er
       warnte, ohne jemanden beim Namen zu nennen, vor Annexionsplänen: „Wir haben
       keine Zeit mit verrückten Ideen zu verlieren, wir dürfen die Büchse der
       Pandora nicht öffnen.“
       
       Trump hatte zuvor eine SMS Macrons auf seinem Netzwerk Truth Social
       publiziert. Da diese Kurzbotschaft normalerweise nicht für die
       Öffentlichkeit bestimmt war, stellt sich die Frage, ob Trump damit für mehr
       Transparenz im diplomatischen Tauziehen sorgen oder nicht doch eher Macrons
       Widersprüche aufzeigen und ihn in Verlegenheit bringen wollte. Das
       Präsidialamt in Paris bestätigte die Echtheit der Botschaft, kommentierte
       sie aber nicht weiter.
       
       In Europa hat Macron derzeit die Rolle eines Wortführers des Widerstands
       gegen Trumps Drohung, Grönland zu annektieren. Zusammen mit anderen
       europäischen Staaten hat Macron nicht nur eine erste Delegation von
       Elitesoldaten auf das dänische Territorium entsandt, sondern auch schon
       Verstärkung durch Truppen aller Waffengattungen angekündigt. Zudem hat er
       Trumps Einladung in dessen „Friedensrat“, sei es für Gaza oder gar als
       Konkurrenz zur UNO, entschieden abgelehnt.
       
       ## Anbiedernde gespielte Freundlichkeit
       
       Seine SMS an Trump tönte da viel konzilianter. „Mein Freund“, spricht er
       den Amerikaner vertraulich an und versichert, in vielen Konflikten wie
       Syrien oder Iran sei er doch ganz „auf der Linie“ der USA. Nur was Trump in
       oder mit Grönland tue, verstehe er nicht, schrieb Macron mit gespielter
       Naivität. Unter „Freunden“ sollte man doch miteinander reden können – ohne
       bei Differenzen gleich mit Sanktionen zu drohen.
       
       Macron regte für Donnerstag einen Pariser Gipfel im G7-Format nach dem
       vorgesehenen Treffen in Davos an. Und damit es freundschaftlich klingt,
       folgte noch eine Einladung zum Dinner im Élyséepalast vor Trumps Rückflug.
       Doch zu beidem kommt es nun nicht.
       
       Bezeichnend für Macrons Ringen um diplomatisches Gewicht ist, dass er „am
       Rande“ des in Aussicht gestellten Treffens in Paris auch „die Russen“
       einladen wollte. [1][Diese Karte spielt er immer wieder] aus, damit
       Frankreich im Poker der Großmächte noch ernst oder wenigstens auf der
       Weltbühne zur Kenntnis genommen wird. Auch wenn Macron damit bei seinen EU-
       und Nato-Partnern aneckt, hat er immer wieder das Gespräch mit Wladimir
       Putin gesucht. Erreicht hat er mit seiner Telefondiplomatie bisher aber
       nichts.
       
       Trump verspottet das Bemühen des französischen Präsidenten, als Europas
       Leader aufzutreten und Europas Unabhängigkeit in der Verteidigung zu
       fordern. Der US-Präsident hatte Macron imitiert und damit lächerlich
       gemacht. So zeigte er öffentlich, welche Geringschätzung er für Frankreichs
       Präsident hegt. Lange werde Macron sich ihm ja nicht widersetzen, meinte
       Trump, denn er werde ohnehin nicht mehr lange im Amt sein, weshalb niemand
       mit ihm diskutieren wolle.
       
       ## Macrons innenpolitische Lage schwächt ihn
       
       Das alles scheint Macron nicht zu entmutigen, der sich zu einem
       diplomatischen Doppelspiel vor und hinter den Kulissen mit manchmal
       widersprüchlichen Tönen und Positionen gezwungen sieht. Hinzu kommt, dass
       er innenpolitisch sehr geschwächt ist, was die Glaubwürdigkeit seiner
       Außenpolitik nicht fördert, wie Trump hämisch unterstreicht.
       
       Macrons kumpelhafter SMS-Tonfall kontrastiert mit seinem Vorpreschen in der
       EU. Er wünscht als Antwort auf Trump eine Gegendrohung eines geschlossenen
       Europas mit der „Bazooka“ des Antizwangsinstruments (ACI), das von den
       Mitgliedsstaaten mit qualitativer Mehrheit beschlossen werden müsste. Noch
       ist offen, welcher Macron mehr oder überhaupt etwas erreichen kann: der
       schmeichelnde Freund oder der offensive Gegenspieler.
       
       21 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Franzoesische-Telefondiplomatie/!6140730
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rudolf Balmer
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Emmanuel Macron
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Davos
 (DIR) Schwerpunkt Frankreich
 (DIR) Digitale Souveränität
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) EU betont Souveränität Dänemarks: Europäische Eisbrecher in Davos
       
       Beim Weltwirtschaftsforum in Davos kritisieren die
       EU-Kommissionspräsidentin und Frankreichs Präsident die USA. Zeitgleich
       machen sie Präsident Trump aber Angebote.
       
 (DIR) Rechtsruck in Frankreich: Rechtspopulismus auf der Überholspur
       
       In Frankreich steht die Rechtspopulistin Marine Le Pen erneut vor Gericht.
       Doch ihre politischen Vorschläge sind so populär wie noch nie.
       
 (DIR) Deutsch-französischer Digitalgipfel: Kohle für die Cloud
       
       Deutschland und Frankreich wollen gemeinsam unabhängiger werden. Aber bei
       einem Gipfel über digitale Souveränität zeigen sich ihre Differenzen.