# taz.de -- Wohnsitzauflage für Geflüchtete: Die AfD reibt sich die Hände
       
       > Brandenburgs Innensenator René Wilke (SPD) will eine Wohnsitzauflage für
       > Geflüchtete, weil ein paar von ihnen in Cottbus Probleme machen. Geht's
       > noch?
       
 (IMG) Bild: Eltern der Regine-Hildebrandt-Grundschule hatten vor einigen Wochen mit einem Brief wegen Gewalt im Schulumfeld um Hilfe gebeten
       
       Der Plan von Brandenburgs Innenminister René Wilke (SPD), Geflüchteten per
       Wohnsitzauflage vorzuschreiben, wo sie zu leben haben, ist Wasser auf die
       Mühlen der AfD. Schließlich sagen die Rechtsextremen schon immer, dass
       Geflüchtete an sich das Problem sind, egal wofür. Nun übernimmt die
       Landesregierung das Narrativ. Als Reaktion auf Probleme an einer Cottbusser
       Schule, wo ein paar Flüchtlingskinder massive Probleme machen, will sie die
       Bewegungsfreiheit von allen Geflüchteten, die künftig nach Brandenburg
       kommen, massiv einschränken.
       
       Damit keine Missverständnisse aufkommen: Wenn Kinder in der Schule
       aggressiv sind, mobben, Mitschüler quälen und so weiter, muss man etwas
       tun. Aber konkret, mit diesen Familien, in denen die Eltern überfordert,
       krank oder unfähig sind. Und jeder weiß: In der Regel sind solche
       familiären Probleme sozial bedingt, die Eltern arm, zu jung, mit zu vielen
       Problemen behaftet. Und selbst wenn kulturelle Prägungen verstärkend
       hinzukommen, etwa patriarchale Familienstrukturen, die vor allem Jungs
       bisweilen keine Grenzen setzen: Täter sind immer Einzelne.
       
       Die Idee, dass man solche Probleme mit ordnungspolitischen Maßnahmen löst,
       die eine ganze Gruppe qua Herkunft straft, ist unterirdisch. Dass [1][ein
       SPD-Politiker das als Lösung präsentiert], zeigt, wie rassistisch „die
       Mitte“ im Land inzwischen denkt. Offenkundig schielt der Innenminister mit
       seiner Maßnahme auf rechte Wählerschichten. Die AfD, in Umfragen längst
       stärkste Partei im Land, wird es ihm danken.
       
       Wer zweifelt, ob eine Wohnsitzauflage für Migrant:innen rassistisch ist,
       mache gerne ein Gedankenexperiment: Kam im Potsdamer Innenministerium
       jemand auf die Idee, eine Wohnsitzauflage für Nazis einzuführen, nachdem
       vor zwei Jahren massive [2][Probleme mit rechtsradikalen Jugendlichen im
       Städtchen Burg bekannt wurden]? Oder darauf, solche Nazi-Teens und ihre
       Familien einer Stadt zu verweisen – so wie es nun der Cottbusser
       Bürgermeister den schlimmen Familien angedroht hat? Natürlich nicht.
       
       ## Arme Stadtteile sind migrantische Stadtteile
       
       Besonders skurril an der angekündigten Maßnahme: In Brandenburg, auch in
       seinen Städten, ist der Ausländeranteil bekanntlich eher gering. Es mögen
       im Stadtteil Cottbus-Sachsendorf, wo es die massiven Probleme mit
       gewalttätigen Kindern gibt, 50 Prozent Nichtdeutsche leben, doch dies ist
       eine absolute Ausnahme. In ganz [3][Cottbus liegt der Ausländeranteil]
       lediglich bei 13,2 Prozent.
       
       Hinzu kommt: Dass Migrant:innen lieber in bestimmte Gegenden ziehen, hat
       ja Gründe. Wo findet man Arbeit, wo eine günstige Wohnung? Und vor allem:
       Wo leben schon andere Schwarzköppe, wo gibt es migrantische Ökonomie und
       Kultur und – wenigstens mentalen – Schutz gegen die vielen AfDler und Nazis
       im Land? Umgekehrt gefragt: Wie kann man Nichtweißen zumuten, zwangsweise
       in irgendein Kaff zu ziehen, wo es keine Arbeit gibt, keine soziale
       Infrastruktur, dafür aber eine ihnen mehrheitlich feindlich gesinnte
       Bewohnerschaft?
       
       Wie das der Integration förderlich sein soll, bleibt das Geheimnis der
       Brandenburger SPD und ihres Innensenators.
       
       20 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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