# taz.de -- Migrationspolitik in Brandenburg: Wohnsitzauflage sorgt für Kritik
> Brandenburg will eine Wohnsitzauflage für Geflüchtete mit
> Aufenthaltserlaubnis einführen. Der Flüchtlingsrat hält das für
> integrationsfeindlich.
(IMG) Bild: Brandenburger Politiker in Gesprächen in Cottbus mit Eltern, die sich um die Sicherheit ihrer Kinder im Schulumfeld sorgen
dpa | – Der Flüchtlingsrat hält die von Innenminister René Wilke (SPD)
geplante Wohnsitzauflage für Migranten mit Aufenthaltserlaubnis für
verfehlt. „Die Wohnsitzauflagen sind ein massiver Eingriff in ihre
Grundrechte und eine falsche ordnungspolitische Antwort auf ein
sozialpolitisches Problem“, sagte die Projektleiterin beim Flüchtlingsrat,
Kirsten Neumann.
[1][Der Innenminister hatte angekündigt, eine kreisspezifische
Wohnsitzauflage von bis zu drei Jahren einzuführen] – auch als Reaktion auf
Gewalt an Schulen wie in Cottbus und Problemen in Städten. Danach dürfen
Flüchtlinge, die Kreisen zugewiesen sind, nicht einfach in Städte umziehen.
Wilke, der von einer Kurskorrektur sprach, will die Verteilung von
Migranten gezielter steuern und eine Konzentration in bestimmten Städten
verhindern.
„Konzentrationseffekte, wie wir sie in Cottbus und anderen Städten erleben,
mit negativer Wirkung auf Integration und einen funktionierenden
Sozialraum, sind auch durch zu große Freizügigkeit und mangelnde Steuerung
entstanden“, hatte der Innenminister am Freitag gesagt.
## Flüchtlingsrat: Wohnsitzauflage verschärft Probleme
Der Flüchtlingsrat argumentiert, sobald Geflüchtete eine
Aufenthaltserlaubnis erhielten, müssten sie sich privaten Wohnraum suchen
und dieser befinde sich zum großen Teil in Städten wie Cottbus. Dort gebe
es Arbeitsmöglichkeiten, Bildungs‑ und Freizeitangebote sowie bezahlbare
Wohnungen. „Genau diese Faktoren ermöglichen Partizipation“, hieß es. „Wer
Geflüchtete jetzt per Wohnsitzauflage in infrastrukturschwache Landkreise
zwingt, blockiert diese Chancen und verschärft die Probleme, die man
angeblich lösen will.“
Auch die brandenburgische Bundestagsabgeordnete der Linken, Isabelle
Vandre, kritisierte: „Die Landesregierung versagt bei der Integration von
Geflüchteten und setzt stattdessen auf Diskriminierung. Doch das ist der
vollkommen falsche Weg.“
Der Innenminister wies dagegen auch auf einen Ermessenspielraum für die
Ausländerbehörden hin, damit die Auflage nicht hinderlich für die
Integration etwa in den Arbeitsmarkt sei. Wenn jemand Arbeit in einer
bestimmten Stadt finde, könne er dort auch hinziehen, wie Wilke erklärte.
20 Jan 2026
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