# taz.de -- Rücktritt in Bulgarien: Rumen Radew geht
> Der bulgarische Präsident reicht seinen Rücktritt ein. Als Gründer einer
> Partei könnte er bei den nächsten Wahlen weiter in der Politik
> mitmischen.
(IMG) Bild: Rumen Radew nach seiner TV-Ansprache am Montagabend
Bulgariens Präsident Rumen Radew zieht den Stecker: Am Dienstag reichte er
beim Verfassungsgericht seinen Rücktritt ein. Radew war 2016 erstmals zum
Staatschef gewählt und im November 2021 in seinem Amt bestätigt worden.
Laut Verfassung ist eine Wiederwahl nur maximal einmal zulässig.
Seine Entscheidung hatte er in einer Fernsehansprache am Montagabend
bekannt gegeben. „Der Kampf um die Zukunft des Vaterlandes liegt vor uns,
und ich glaube, dass wir ihn gemeinsam mit Ihnen allen führen werden … Wir
sind bereit. Wir können es schaffen und wir werden es schaffen!“, sagte
Radew.
Der ehemalige Generalmajor kritisierte das korrupte Regierungsmodell
Bulgariens, das Vertrauen der Bürger*innen in die Demokratie sei
zerstört. Es sei Zeit für einen neuen Gesellschaftsvertrag. Im Namen ihrer
politischen Zukunft setzten einige Politiker*innen das friedliche
Leben der Bulgar*innen unter den Bedingungen eines gefährlichen Krieges
nahe der Grenzen des Landes aufs Spiel.
„Sie gefährden den zivilen und ethnischen Frieden, den wir trotz ihrer
Provokationen mit Ihnen bewahren werden. Wir haben gemeinsam eine Reihe von
Krisen erlebt: die Angriffe der Oligarchie auf die Demokratie und [1][die
großen Proteste]. Die Umstände haben mich siebenmal zur Einsetzung von
Übergangsregierungen gezwungen, um den Staat und das öffentliche Interesse
zu verteidigen“, sagte Radew.
## Freundliche Schützenhilfe
Besagte Proteste vor allem junger Bulgar*innen gegen den Haushalt für
2026 und die weit verbreitete Korruption hatten im vergangenen Dezember
[2][zum Rücktritt der Dreiparteienkoalition aus der konservativen
Mitte-rechts-Partei Bürger für die europäische Entwicklung Bulgariens
(GERB) des langjährigen Ministerpräsidenten Bojko Borissow, der
prorussischen Sozialistischen Partei (BSP) sowie der nationalistisch
grundierten Gruppierung So ein Volk gibt es (ITN) geführt]. Freundliche
Schützenhilfe der Regierung hatten die Abgeordneten der Bewegung für Rechte
und Freiheiten-Neuanfang (DPS-NN) des international sanktionierten
Oligarchen Deljan Peewski geleistet.
Im kommenden Frühjahr – ein genauer Termin steht noch nicht fest – sind in
dem Balkanstaat, der seit 2007 Mitglied der EU ist und am 1. Januar 2026
der Euro-Zone beitrat, wieder einmal vorgezogene Neuwahlen fällig. Es sind
die achten (!) seit 2020. Beobachter*innen werten den Schritt Radews
als Beleg dafür, dass er jetzt eine eigene Partei gründen will.
Über etwaige Ambitionen des Noch-Präsidenten wird seit Monaten spekuliert,
er selbst ging am Montagabend nicht weiter auf dieses Thema ein. Auch wurde
in bulgarischen Medien sofort die Frage diskutiert, wer potenzielle Partner
Radews sein könnten beziehungsweise welcher politischen Gruppierung er
versuchen könnte, Wähler*innen abspenstig zu machen.
In einem Kommentar von Weselin Stojnew für die Deutsche Welle war zu lesen:
“„Präsident Radev hat ein neues Kapitel in der bulgarischen Politik
aufgeschlagen. Sein Wechsel vom Präsidentenamt in die Partei wird den
Wahlkampf beflügeln und das nächste Parlament grundlegend umstrukturieren.
Dies eröffnet die Möglichkeit einer neuen Regierungskonstellation
Bei seinen beiden Wahlkampagnen war Radew, der zuletzt zunehmend
nationalistische Töne angeschlagen hatte, von der BSP unterstützt worden.
Vor allem in Sachen Ukrainekrieg positionierte er sich stets eindeutig.
2021 sagte er, dass die Krim zum gegenwärtigen Zeitpunkt russisch sei, was
sein Pressedienst sogleich korrigierte: Die Rede sei von „russischer
Kontrolle“ gewesen, hieß es.
Immer wieder sprach er sich für eine Aufhebung westlicher Sanktionen gegen
Russland und ein Ende von Hilfszahlungen an Kyjiw aus. Im Juli 2024 blieb
er demonstrativ einem Nato-Gipfel in Washington fern. Zur Begründung hieß
es, er sei mit der Position der Regierung in Sofia zur Ukraine nicht
einverstanden. Auch den Beitritt Bulgariens zur Eurozone hatte er mehrfach
entschieden abgelehnt.
## Zwei Bedingungen
Am Montagabend reagierten einige politische Parteien umgehend auf Radews
Rücktrittsankündigung. Der Chef der ITN, Slawi Trifonow, begrüßte Radew auf
der politischen Bühne Bulgariens. „Ich werde weiterhin die traditionellen
bulgarischen Werte verteidigen, ich werde weiterhin die Bulgar*innen in
Nordmazedonien verteidigen und ich werde weiterhin daran festhalten, dass
illegale Einwanderer*innen in unserem Land keinen Platz haben“, sagte
er.
Nadeschda Jordanowa von dem oppositionellen Parteienbümdnis „Wir setzen die
Veränderungen fort – Demokratisches Bulgarien“ (PP-DB) formulierte zwei
Bedingungen für eine mögliche Zusammenarbeit mit Radew: die Abschaffung des
Borisow-Peewski-Modells sowie eine klar formulierte proeuropäische
Ausrichtung. „Wer diese Kriterien erfüllt, kann mit uns sprechen“, sagte
sie.
Radew nachfolgen wird die derzeitige Vizepräsidentin Ilijana Jotowa, die
ebenfalls der BSP nahesteht. Sie muss jetzt eine neue Übergangsregierung
ernennen, die die Parlamentswahl vorbereiten soll. Jotowa wird die erste
Frau in dem höchsten Staatsamt sein.
20 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
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