# taz.de -- Bulgarien in Dauerkrise: Sofia wieder kopflos
       
       > Seit 2020 haben die Bulgar:innen sieben Mal gewählt. Im Frühjahr
       > dürfen sie erneut an die Wahlurne. Sie sind nicht einmal mehr genervt.
       
 (IMG) Bild: Gibt seinen Rücktritt als Präsident Bulgariens bekannt: Präsident Rumen Radev, am 19.1.2026
       
       Viele Bulgar*innen dürften die Aussicht auf Neuwahlen im Frühjahr
       bislang mit einem Achselzucken quittiert haben. Sieben Mal wurden sie seit
       2020 an die Urnen gerufen, die Wahlbeteiligung von knapp 38 Prozent im
       Oktober 2024 spricht für sich. Doch jetzt könnte [1][Rumen Radew für einen
       gewissen Unterhaltungswert sorgen. Der Präsident hat Anfang dieser Woche
       seinen Rücktritt eingereicht.] Er will eine neue Partei gründen und
       möglichst schon bei den nächsten Parlamentswahlen mitmischen.
       
       Radew hat gute Chancen, ein passables Ergebnis einzufahren. Jüngsten
       Umfragen zufolge sprechen sich 40 Prozent der Wähler*innen für eine neue
       politische Kraft aus, 44 Prozent haben Vertrauen in seine Politik.
       Übrigens: Seit dem Sturz des kommunistischen Regimes 1989 haben die
       Bulgar*innen viele Varianten ausprobiert. 2001 reanimierten sie mit
       Simeon Sakskoburggotski gar einen Nachkommen des letzten Zaren, um die
       Geschicke des Landes zu lenken. Warum es nicht mit einem Ex-Staatschef
       versuchen? Doch da gibt es ein großes Aber. Auch Radew wird auf
       Koalitionspartner angewiesen sein.
       
       Da er sich als [2][Anti-Korruptions-Kämpfer] geriert, käme das
       oppositionelle Bündnis „Wir setzen die Veränderungen fort – Demokratisches
       Bulgarien “ (PP-DB) infrage. PP-DB positioniert sich als proeuropäisch. Das
       kann von Radew niemand behaupten. Er hat bis jetzt seinen Blick nach Moskau
       gerichtet. Nein zu Hilfen für die Ukraine, ja zur Aufhebung der westlichen
       Sanktionen gegen Moskau. Auch gegen [3][Sofias Beitritt zur Eurozone am 1.
       Januar 2026] zog er zu Felde.
       
       Derweil wittern andere Parteien ihre Chance. Die abgehalfterten Sozialisten
       (BSP), die Radew stets unterstützt haben, genauso wie unappetitliche
       rechtsextreme Gruppen. Ex-Ministerpräsident Bojko Borissow, korrupter
       Umtriebe nicht unverdächtig, wäre hingegen kaum eine Option. Den
       zerstrittenen Parteien steht eine wachsame Zivilgesellschaft gegenüber. Das
       wurde bei den Protesten im vergangenen Herbst deutlich, die die Regierung
       zu Fall brachten. Dabei waren die Credos für Europa und gegen Korruption
       nicht zu überhören. Mit dieser Zivilgesellschaft wird zu rechnen sein –
       auch um den Preis einer Fortsetzung des Wahlmarathons. Immerhin: Es bleibt
       spannend in Bulgarien.
       
       21 Jan 2026
       
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