# taz.de -- Neue Regierung in Bulgarien: Rumen Radew legt los
> Die neue bulgarische Regierung ist seit Freitag im Amt. Auf ihrem
> Programm steht auch eine Verbesserung der Beziehungen zu Russland.
(IMG) Bild: Der neue bulgarische Premierminister Rumen Radew will „respektvolle und gleichberechtigte Beziehungen“ zu Russland aufbauen
Bulgariens neue Regierung hat am Freitag die Amtsgeschäfte übernommen. Für
das Kabinett von Ministerpräsident Rumen Radew stimmten 124 Abgeordnete, 70
dagegen und 36 enthielten sich. „Bereits am Montag werden wir
Gesetzesänderungen einbringen, die eine stärkere Preiskontrolle ermöglichen
sollen“, sagte Radew.
Der 62-Jährige war seit 2017 Präsident Bulgariens, sein zweites und letztes
Mandat als Staatschef wäre im kommenden November ausgelaufen. Am 23. Januar
2026 hatte Radew diesen Posten geräumt und war mit seinem im März
gegründeten Mitte-links-Bündnis Progressives Bulgarien (PB) bei der
Parlamentswahl am 19. April – der achten seit 2021 – angetreten. [1][PB war
mit 44,5 Prozent der Stimmen stärkste Kraft geworden und stellt 131 von
insgesamt 240 Mitgliedern der Nationalversammlung].
In seinem Wahlkampf hatte Radew vor allem den Kampf gegen Korruption sowie
den Einfluss von Oligarchen zum Thema gemacht. Adressiert hatte er damit
vor allem den langjährigen Regierungschef und Vorsitzenden der Bürger für
eine europäische Entwicklung Bulgariens (GERB, 13,4 Prozent der Stimmen bei
den jüngsten Wahlen) Bojko Borissow sowie den Unternehmer und Chef der
Partei Bewegung für Rechte und Freiheiten (DPS) Deljan Peewski. Letzterer
ist von den USA und Großbritannien mit Sanktionen belegt.
Doch das schienen Vertreter des PB am Donnerstag entweder vergessen oder
bewusst ignoriert zu haben. Bei einer Abstimmung darüber, ob das Parlament
Peewskis Vermögenswerte genauer unter die Lupe nehmen und dessen mögliche
Verstöße gegen die Beschränkungen im Rahmen des „Global Magnitsky Act“
untersuchen solle, enthielten sich alle Abgeordneten des PB der Stimme.
## Unter US-Sanktionen
[2][Der Global Magnitsky Act], den der US-Kongress 2016 verabschiedet
hatte, ermächtigt die US-Regierung weltweit alle Menschenrechtsverletzer zu
bestrafen, deren Vermögen einzufrieren und ihnen die Einreise zu
verweigern. Aufgrund dieser gesetzlichen Grundlage verhängte Washington
2021 Sanktionen gegen Peewski wegen Korruption und Veruntreuung.
Ins Sofioter Parlament eingebracht hatte den Gesetzentwurf die
Oppositionspartei Demokratisches Bulgarien (DB), die die vornehme
Zurückhaltung der Abgeordneten des PB als Anzeichen dafür wertete, dass
Radevs Partei bereits von ihren Versprechen, eine Justizreform einzuleiten,
abgerückt sei. „Peewski dürfte eigentlich nicht einmal die Mittel haben, um
sich Kaugummi zu kaufen. Stattdessen fliegt er ständig mit seinen
Privatjets nach Dubai“, sagte Ivaylo Mirchew von Demokratisches Bulgarien
am Freitag.
Ein weiteres wichtiges Thema in Radews Wahlkampf waren die Beziehungen
Bulgariens zu Russland. Bei einem seiner letzten Auftritte vor dem
Wählervotum tauchte auf einer Leinwand ein großes Bild auf, das Radew
zusammen mit Russlands Präsident Wladimir Putin zeigt.
Nach seinem Wahlsieg kündigte er an, [3][„respektvolle und
gleichberechtigte Beziehungen“ zu Russland aufzubauen]. Diese Äußerungen
waren im EU-Parlament auf Kritik gestoßen und der Politiker als „Russlands
Trojanisches Pferd innerhalb der NATO“ bezeichnet worden. Der Kreml
hingegen begrüßte Radews Bereitschaft zu einem Dialog.
## Pragmatische Haltung
Der Politikwissenschaftler Georgy Tschischow meint, man sollte Radew nicht
als eindeutig prorussischen Politiker betrachten. Der neue bulgarische
Premierminister vertrete eine eher pragmatische Haltung und dürfte – selbst
wenn er dies anstreben würde – kaum in der Lage sein, Bulgarien in ein
„zweites Ungarn“ à la Viktor Orbán zu verwandeln.
Radews Äußerungen zu der Notwendigkeit, die Beziehungen zu Russland
wiederherzustellen, richteten sich nicht nur an Moskau, sondern auch an die
heimische Wählerschaft sowie an Brüssel. Sie seien als Signal zu verstehen,
für Bulgarien zusätzliche europäische Zugeständnisse auszuhandeln.
8 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
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