# taz.de -- Schwieriger Übergang in Syrien: Syrischer Präsident verschiebt Deutschlandbesuch
> An diesem Montag wollte Syriens Übergangspräsident nach Berlin kommen,
> sagte aber aus innenpolitischen Gründen ab. Proteste sind weiter geplant.
(IMG) Bild: Im Konflikt zwischen Kurden und Syriens Übergangsregierung geht es auch um Öl: Regierungssoldat auf dem Ölfeld al-Thaura
dpa | Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa hat seinen für
diesen Montag und Dienstag geplanten Deutschlandbesuch kurzfristig
verschoben. Das bestätigte ein Sprecher der Bundesregierung der Deutschen
Presse-Agentur. Grund sei die innenpolitische Situation in Syrien.
Al-Scharaa sollte eigentlich am Dienstag Bundespräsident Frank-Walter
Steinmeier, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sowie mehrere Bundesminister
und Wirtschaftsvertreter treffen. Zu den Hauptthemen sollten die
Rückführung syrischer Flüchtlinge in ihre Heimat und der Wiederaufbau des
arabischen Landes nach fast 14 Jahren Bürgerkrieg zählen.
In Syrien hatte die Gewalt in den vergangenen Tagen wieder zugenommen, und
es war zu neuen militärischen Konfrontationen gekommen. Am Sonntag einigte
sich dann die Regierung von Übergangspräsident al-Scharaa nach eigener
Darstellung mit den kurdisch angeführten Milizen im Norden auf eine
Waffenruhe. Eine „sofortige und umfassende Waffenruhe“ gelte „an allen
Fronten“ zwischen den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) und den
Regierungstruppen, zitiert die Staatsagentur Sana aus der Einigung. Von den
SDF gab es aber zunächst keine Bestätigung und auch keine Reaktion.
## Kurdische Gemeinde hält an Großdemonstration fest
Trotz der Verschiebung des Besuchs soll am Montag eine Großdemonstration
gegen die Politik al-Scharaas und gegen die Haltung des Westens dazu in
Berlin stattfinden. „Wir werden das auf jeden Fall durchziehen“, sagte der
Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, Ali Ertan Toprak,
Sonntagabend der dpa.
Die Kurdische Gemeinde und die Alevitische Gemeinde haben zusammen mit fast
30 weiteren Organisationen für 16.00 Uhr zu der Demonstration am
Brandenburger Tor aufgerufen. Toprak sagte, man rechne mit mehr als 10.000
Teilnehmern. Er verwies darauf, dass der Besuch nur verschoben sei und die
Einladung weiterhin stehe. Deswegen werde man auch an der Demonstration
festhalten. [1][Kurden und Aleviten werfen der syrischen Regierung
gewaltsame Unterdrückung ethnischer und religiöser Minderheiten in Syrien
vor].
In dem arabischen Land wurde Ende 2024 der langjährige Machthaber Baschar
al-Assad durch die von al-Scharaa angeführte Islamistenmiliz HTS gestürzt.
Al-Scharaa wurde im Januar 2025 zum Übergangspräsidenten ernannt und
steuert das Land seitdem hin zu einer Öffnung und Annäherung an den Westen.
Es ist jedoch bereits mehrfach zu Gewaltwellen gegen Minderheiten in Syrien
gekommen.
Der Konflikt mit den Kurden im Nordosten Syriens dürfte al-Scharaa trotz
der von Damaskus verkündeten Waffenruhe weiter intensiv beschäftigen. Schon
nach der Einigung beider Seiten im März 2025 gab es Probleme bei der
Umsetzung und offene Streitpunkte, die sich schließlich in neuer Gewalt
entluden.
## Wieder Abschiebungen nach Syrien
Merz hatte al-Scharaa bereits im November nach Deutschland eingeladen, um
mit ihm über den Wiederaufbau des Landes, aber vor allem über die
Rückführung syrischer Flüchtlinge zu sprechen. Die Bundesregierung hat
wieder mit der Abschiebung von syrischen Straftätern begonnen, bisher gab
es drei. Vor allem die Union dringt auf eine Rückführung eines großen Teils
der mehr als 900.000 syrischen Flüchtlinge in Deutschland.
19 Jan 2026
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