# taz.de -- Erbe der Preußenmonarchie diskutieren: Schwappt eine royale Welle über die Republik?
       
       > Auf dem Potsdamer Symposium „Die Hohenzollernmonarchie als nationales
       > Erbe“ beobachtete man eine schleichende Renaissance „preußischer
       > Tugenden“.
       
 (IMG) Bild: „Das Alte und Morsche, die Monarchie“ sei zusammengebrochen, verkündete 1918 Philipp Scheidemann in Berlin. Stimmt das heute?
       
       „Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das
       Neue, es lebe die deutsche Republik!“ Im Sinne des Jubelrufs, den der
       Sozialdemokrat Philipp Scheidemann am 9. November 1918 vom Balkon des
       Berliner Reichstages ausstieß, war es eher nicht, als Matthias Platzeck,
       ehemaliger SPD-Ministerpräsident Brandenburgs, kürzlich seinen Einzug in
       den Stiftungsrat der [1][Stiftung Hohenzollernscher Kunstbesitz]
       bekanntgab.
       
       Er zieht nämlich nicht als einer von sechs öffentlichen Vertretern in die
       Stiftung. Sie soll nach endlosem Streit mit der öffentlichen Hand die
       Kunstschätze des gestürzten preußischen Kaiserhauses verwalten. Nein, er
       tut dies als Vertreter des Hauses Hohenzollern – auf ausdrücklichen Wunsch
       von Georg Friedrich Prinz von Preußen.
       
       Dass ausgerechnet ein Sozialdemokrat den Stützbalken für das
       Goodwill-Instrument einer dubiosen Monarchie spielen will, irritiert zwar.
       Eine neue, besorgniserregende „Präsenz des Monarchischen“, nach der am
       Wochenende in Potsdam die Tagung „Pro Gloria et Patria“ des dortigen
       Brandenburg Museums fragte, lässt sich daraus aber nicht ableiten.
       
       Trotz des Baus [2][des Berliner „Disney][3][“]-Schlosses, wie der
       Historiker Magnus Brechtken während auf dem Symposium ironisch geißelte,
       trotz des Wiederaufbaus der nazistisch kontaminierten Potsdamer
       Garnisonkirche, die dem [4][Architekturwissenschaftler Philip Oswalt ein
       Dorn im Auge] ist, trotz der im März bevorstehenden Wiedereröffnung der
       restaurierten Hohenzollerngruft im Berliner Dom schwappt derzeit keine
       royale Welle über die Republik. Zumindest keine derartige „Preußen-Welle“,
       wie sie sich im Gefolge der Berliner Ausstellung „Preußen – eine Bilanz“
       1981 auftat.
       
       ## Häh, Preußenkönige als Kulturrevolutionäre?
       
       Auch wenn die Geschichtswissenschaft nach Meinung Brechtkens der
       „Verklärung“ Preußens Vorschub geleistet habe, weil sie dem Historiker
       Christopher Clark nicht energisch genug entgegengetreten sei. Der hatte mit
       seinem Buch „Die Schlafwandler“ 2012 versucht, die Schuld des Deutschen
       Reiches am Ersten Weltkrieg zu relativieren. Ein politisch-kulturelles
       Massenphänomen ist die Monarchie nicht. Da kann die AfD die Preußenkönige
       gerade als „Kulturrevolutionäre“ noch so entdecken und ihr „Preußenfest“
       feiern.
       
       Die Spuren einer gescheiterten Monarchie sind heute womöglich mehr in der
       schleichenden Renaissance „Preußischer Tugenden“ zu finden. Zu denen zählt
       der Historiker Tillmann Bendikowski die „Alles-oder-Nichts“-Haltung, mit
       der Friedrich II. seine ruchlosen Schlesischen Kriege gewann, oder der
       Glaube an den autoritären Staat. Für die Historikerin Barbara
       Stollberg-Rilinger, Rektorin des Berliner Wissenschaftskollegs, sind es der
       „Geist toxischer Männlichkeit, Misogynie und Anticourtoisie“.
       
       Und für die [5][kalifornischen Tech-Milliardäre sollten am besten
       CEO-Monarchen] die Welt regieren. All das sind aber keine preußischen
       Spezialitäten mehr, sondern inzwischen globales Gemeingut. So wie Donald
       Trump in seinem explosiven Narzissmus auf dem Besitz Grönlands beharrt,
       erinnert er fatal an den „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I., den brutalen
       Vater des Schlesien-Räubers Friedrich II. Mit Blick auf sein sandiges
       Königreich befand der royale Wüterich und Promoter des Soldatenzopfes:
       „Alles ist meins.“
       
       18 Jan 2026
       
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