# taz.de -- Auftakt der Grünen Woche in Berlin: Auf der Jagd nach Häppchen
       
       > Gratis-Kostproben auf der Grünen Woche in Berlin? Die kriegt man nur,
       > wenn man Politiker ist. In der Brandenburg-Halle gibt es aber eine
       > Überraschung.
       
 (IMG) Bild: Die weltgrößte Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau in Berlin feiert ihr 100-jähriges Bestehen
       
       Wer hat schon Zeit, vormittags zur Grünen Woche zu gehen, die an diesem
       Freitag ihre Pforten geöffnet hat? Die typische Klientel: Freundinnen,
       untergehakt, weit jenseits der 50, vermutlich Rentnerinnen. Männer mit
       dicken Bäuchen, die aussehen wie Landwirte, die mal ordentlich einen
       draufmachen wollen. Ehepaare, wo er zu ihr „Mutti“ und sie zu ihm „Vati“
       sagt – mit Beuteln über der Schulter, die noch schlaff sind und bei dem
       Rundgang durch die Hallen mit Schnäppchen gefüllt werden wollen. Was sich
       als Trugschluss erweisen wird. Kostenlose Pröbchen und Häppchen? War
       gestern. Es sei denn, man ist Politiker.
       
       Und doch zieht es jedes Jahr wieder Hunderttausende zur Grünen Woche, die
       [1][dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert.] Das erste Mal fand sie
       im Februar 1926 statt. An die 325.000 Besucherinnen und Besucher erwarten
       die Veranstalter dieses Mal bei der Messe, die bis einschließlich 25.
       Januar geht. Rund 1.600 Aussteller aus 50 Ländern präsentieren sich in den
       Messehallen unter dem Funkturm.
       
       Am Freitagmorgen, als die Türen für die Bevölkerung noch verschlossen
       waren, machte [2][Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU)] den
       traditionellen Auftaktrundgang. Für ihn war es in dieser Eigenschaft das
       erste Mal. Seine Begleiter, Bauernpräsident Joachim Rukwied und der
       Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE)
       Christian von Boetticher, sind, was das angeht, schon Veteranen. Auch mit
       dabei: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU),
       EU-Agrarkommissar Christophe Hansen und Messechef Mario Tobias.
       
       ## Offizielle Rundgang von mehr als drei Stunden
       
       Mehr als drei Stunden waren für den Rundgang, im Schlepptau die Presse,
       eingeplant. Alle paar Meter stehen bleiben, Hände schütteln, Schlückchen
       trinken, Häppchen essen, so geht das ab. Die Ukraine servierte an ihrem
       Stand Sekt, bei den Bulgaren gab es Tanz und Gebäck, bei den Tschechen Bier
       und bei den Polen Wurst, die aus Sicht des gelernten Metzgers Rainer nicht
       ganz heranreichte an die heimische Weißwurst. In der Holland-Halle durfte
       der Landwirtschaftsminister eine neue Tulpensorte taufen, die die
       Niederländer extra für die Grüne Woche gezüchtet haben: Die „Berlin
       Jubilee“. Estland präsentierte Schnittchen mit Elchfleisch und Brot.
       
       Später, als die Bevölkerung Einlass gefunden hat, bricht die Stunde der
       Lokalpolitikerinnen und -politiker an. In der Thüringen-Halle steht
       Thüringens Staatssekretär für Landwirtschaft, Marcus Malsch (CDU), in einer
       Lederschürze auf der Bühne und lässt sich mit einem Glas Köstritzer Bier
       von der Schwarzbier-Brauerei seines Bundeslandes feiern.
       
       In der Brandenburg-Halle sieht man Brandenburgs Landwirtschaftsministerin
       Hanka Mittelstädt (SPD) vor dem Stand des Landesjagdverbandes ins Gespräch
       vertieft. Ob es um die Wölfe ging? Ein Gesetzentwurf von
       Bundeslandwirtschaftsminister Rainer sieht vor, den Schutzstatus des Wolfs
       deutlich zu lockern und die Jagd auf das Tier zu ermöglichen. Die
       Lobbyverbände der Jäger fordern das schon lange. [3][Mittelstädt hatte
       schon 2025 erklärt, dass sie für einen erleichterten Abschuss offen sei].
       
       ## Zollstöcke mit politischer Botschaft
       
       Ein Statement dazu ließ sie sich am Freitag gegenüber der taz vor dem Stand
       des Jagdverbandes nicht abringen. Nur das: Die neue Gesetzeslage müsse
       zunächst in den Landtag eingebracht werden. Dann drängte die Referentin
       weiter.
       
       Gleich neben dem Landesjagdverband am Stand des Brandenburger
       Landfrauenverbandes gibt es eine Überraschung. Auf einem Tischchen liegen
       kleine Zollstöcke mit der Aufschrift: „Keinen Millimeter nach rechts“. Eine
       Botschaft, mit der man auf der Grünen Woche nicht gerechnet hatte. Und dazu
       auch noch kostenlos zum Mitnehmen.
       
       16 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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