# taz.de -- Brandenburg-Tag auf der Grünen Woche: Mut, gegenzuhalten
> Der Brandenburger Landfrauenverband und ihre Vorsitzende präsentieren
> sich auf Grünen Woche mit der Botschaft für Toleranz und Demokratie.
(IMG) Bild: Antje Schulze, Vorsitzende des Brandenburger Landfrauenverbandes
Es ist ein Gewusel in der Brandenburg-Halle. Über 70 Betriebe, Geschäfte
und Vereine aus Berlins Nachbarland sind dieses Jahr auf der [1][Grünen
Woche] vertreten. Es gibt ein Kochstudio, die Gläserne Molkerei und die
Rehkitzrettung sind vertreten. Den Stand am Ende der Halle 21a hätte man
fast übersehen: Neben dem Landesjagdverband und Forum Natur hat sich der
[2][Brandenburger Landfrauenverband] postiert.
Einen konservativen, nach rechts tendierenden Frauenverband hatte man
erwartet. Politisch ähnlich ausgerichtet, wie die Lobbyverbände der Jäger,
Landwirte und Waldbesitzer, die Umwelt- und Naturschutzstandards
zurückschrauben wollen.
Um so größer ist die Überraschung. Auf einem Tischchen am Stand liegen
kleine Zollstöcke mit der Aufschrift: „Keinen Millimeter nach rechts“.
1.200 Mitglieder hat der Brandenburger Landfrauenverband. Dass dazu auch
Frauen gehören, die bei der letzten Landtagswahl ihr Kreuz bei der AfD
gemacht haben, ist zu vermuten. Der Vorstand allerdings hat eine eindeutige
Haltung: „Wir arbeiten mit allen demokratischen Parteien zusammen, außer
mit der AFD“, sagt Antje Schulze, Vorsitzende des Brandenburger
Landfrauenverbandes. „Der gesamte Vorstand steht dahinter.“
Am heutigen Montag ist auf [3][der Grünen Woche] Brandenburg-Tag.
Unabhängig davon präsentiert sich jeden Tag auf der Messe, die noch bis
Sonntag geht, jeden Tag am Stand des Brandenburger Landfrauenverbandes eine
andere Kreis- oder Ortslandfrauengruppe.
## Neue Perspektiven nach der Wende
Landfrauenverbände in den östlichen Bundesländern gibt es, anders als in
der früheren Bundesrepublik, erst seit der Wende. 1992 hätten sie sich
gegründet, erzählt Schulze. Nach dem Ende der DDR seien viele Frauen, die
in den LPGs gearbeitet hatten, durch die Umstrukturierung arbeitslos
geworden. Die Landfrauenverbände hätten diese Frauen unterstützt, neue
berufliche Perspektiven zu entwickeln, nicht nur im landwirtschaftlichen
Bereich.
Schulze, schwarze geblümte Bluse, pinkes Sakko, schulterlange braune Haare,
ist eine Frau, die Tatkraft ausstrahlt. Sie verschanzt sich nicht hinter
Worthülsen, spricht gerade heraus. Seit fünf Jahren ist die 40-jährige
Vorsitzende des Brandenburger Landfrauenverbandes und damit – auch im
Bundesvergleich – sehr jung. Es ist ein Ehrenamt. Hauptberuflich arbeitet
sie in der Stadtverwaltung von Nauen.
## Netzwerkerin und Scharnier
Die im [4][Landkreis Havelland] am Rand des Berliner Speckgürtels gelegene
Stadt hat 20.000 Einwohner. 14 Ortsteile dazu gerechnet, zählt Nauen zu den
flächengrößten Gemeinden Deutschlands. Schulze ist in der Stadtverwaltung
die Ortsteilbeauftragte. Scharnier und Netzwerkerin zwischen Stadt und
Land, wie sie bei dem Gespräch auf der Grünen Woche erzählt.
Netzwerkerin und Scharnier – so verstehen Schulze und ihre Mitstreiterinnen
auch ihre Aufgabe im Landfrauenverband. 14 Frauen des Verbandes hätten sich
zu Botschafterinnen für Demokratie und Toleranz ausbilden lassen. Erfolgt
ist das mit Unterstützung der Koordinierungsstelle Tolerantes Brandenburg,
die in der Staatskanzlei in Potsdam angesiedelt ist und die Schulungen und
Veranstaltungen zu Demokratiestärkung und Extremismusprävention durchführt.
Laut neuster Wahlumfrage von INSA, die am Sonntag veröffentlicht wurde,
liegt die AfD in Brandenburg inzwischen bei 34 Prozent, die SPD käme nur
noch auf 25 Prozent, die CDU auf 13 Prozent. BSW und Linke liegen mit 8
Prozent gleichauf, die Grünen kämen auf 5 Prozent. Nachdem das
Regierungsbündnis mit dem BSW geplatzt ist, strebt die SPD mit der CDU eine
neue Koalition an. Drohend über allem schweben die hohen Umfragewerte für
die AfD in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, wo im Herbst
Landtagswahlen sind.
## Position beziehen
Das ist der Hintergrund, vor dem die Botschafterinnen für Demokratie und
Toleranz des Landfrauenverbandes agieren. Jede und jeder habe in
Brandenburg mit Menschen zu tun, die AfD wählten oder mit ihr
sympathisierten, erzählt Schulze. Wenn man Leute zurückgewinnen wolle,
müsse man Positionen beziehen. „Der Mut, gegenzuhalten, der fehlt uns oft,
man duckt sich doch eher weg“, weiß sie.
Bei den Schulungen hätten die Frauen Material an die Hand bekommen und
gelernt zu argumentieren. Gelegenheiten gebe es viele. Auf den Dorffesten,
beim Aufbaues des Bierzelts, bei der Ernte, bei der Freiwilligen Feuerwehr.
Reingehen in die Konflikte, niemanden ausgrenzen, die Menschen
zurückzuholen, sich für die Demokratie einzusetzen, das sei das Ziel.
Hat sie ein Beispiel? Der Landfrauenverband setze sich für [5][gesunde
Ernährung] ein, betreibe in Schulen und Kitas Aufklärung über Lebensmittel
und Essgewohnheiten. Dabei rede man auch über Rollenbilder, wonach
beispielsweise für die AfD Frauen an den Herd gehörten, kein
Mitspracherecht hätten. „Wir stehen für die Selbständigkeit der Frauen im
ländlichen Raum, für Gleichheit“, sagt Schulze.
## Egoismus nimmt zu
Es sei kein einfaches Unterfangen, gibt die Vorsitzende zu. Das große
Problem sei das fehlende Vertrauen vieler Menschen in die Politik. Und dass
die Politik es nicht schaffe, mit einer besseren Öffentlichkeitsarbeit mit
Errungenschaften durchzudringen, denn die gebe es ja auch.
Das Problem sieht Schulze auch bei Leuten selbst. Dem Egoismus. Seit Corona
beobachte sie das verstärkt. „Jeder sieht nur sich selbst.“ Alles, auch die
Weltlage werde danach bewertet, was man im eigenen Portemonnaie habe. Die
erste Frage sei oftmals: Was habe ich davon?
Das „Wir“ stärken, darum gehe es, sagt Schulze. „Denn im ländlichen Raum
können wir nur in Gemeinschaft etwas bewirken.“
19 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Auftakt-der-Gruenen-Woche-in-Berlin/!6146255
(DIR) [2] https://www.brandenburger-landfrauen.de/
(DIR) [3] /Wir-haben-es-satt-Demo-in-Berlin/!6146242
(DIR) [4] https://www.havelland.de/
(DIR) [5] /Ernaehrung/!6145990
## AUTOREN
(DIR) Plutonia Plarre
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