# taz.de -- Pro Wirtschaftswachstum: Die Wirtschaft braucht mehr Steuern und höhere Löhne
       
       > Das deutsche Geschäftsmodell ist am Ende. Dabei ist Wirtschaftswachstum
       > wichtig. Es rettet nicht nur den Wohlstand, sondern auch die Demokratie.
       
 (IMG) Bild: Die Wirtschaft muss brummen, sonst leidet die Gesellschaft: Frachtgutverladung im Hamburger Hafen
       
       Das [1][Mini-Wachstum von 0,2 Prozent], das das Statistische Bundesamt für
       2025 bekanntgab, kann nicht darüber hinwegtäuschen: Das deutsche, auf die
       Exportindustrie ausgerichtete Geschäftsmodell ist am Ende. US-Präsident
       Donald Trumps Zölle und Chinas Konkurrenz führen dazu, dass der Außenhandel
       Deutschlands Wohlstand nicht mehr förderlich ist, sondern ihn gefährdet.
       Die Medizin, die die Wirtschaftslobby fordert, würde die Konjunktur
       allerdings nur noch mehr schwächen.
       
       Die großen Verbände fordern neben weniger Bürokratie und niedrigeren
       Energiekosten vor allem niedrigere Steuern und Arbeitskosten. Doch
       Deutschland war noch nie Niedriglohn- oder Niedrigsteuerland. Tatsächlich
       würden niedrigere Arbeitskosten und Steuersenkungen das Land keineswegs
       wettbewerbsfähiger machen.
       
       Es sind gerade diese beiden Faktoren, aufgrund derer es im vergangenen Jahr
       überhaupt ein Wachstum gab: der private Konsum und die staatlichen
       Investitionen. Nötig sind dafür gute Löhne und für den Staat
       Steuereinnahmen.
       
       Auch die Freude so mancher Wachstumskritiker*innen, für die das hiesige
       Industrieproletariat offenbar [2][den Hauptfeind im Kampf gegen den
       Klimawandel] darstellt, ist fehl am Platz. Die Menschen, die jetzt die
       Zeche zahlen, weil ihr Job auf der Kippe steht oder schon verloren ist,
       tragen keine Verantwortung dafür, dass die Industrie den Klimaschutz
       schleifen lässt und lieber auf Verbrenner statt Elektroautos setzt.
       
       Solche Entscheidungen werden nicht am Fließband getroffen, sondern in den
       Chefetagen. Insofern profitiert nur einer von der Krise und der
       Verunsicherung der Menschen im Land: [3][die AfD].
       
       Soll also nicht nur der Wohlstand, sondern auch die Demokratie erhalten
       bleiben, muss die Wirtschaft vor sich selbst gerettet werden. Es braucht
       ein Wachstum, das aus dem Land selbst kommt und möglichst grün ist. Dafür
       sind höhere Löhne sowie höhere Steuern für Reiche und Unternehmen
       notwendig. Das zu erkämpfen wird in nächster Zeit die Hauptaufgaben der
       [4][gesellschaftlichen Linken] sein.
       
       15 Jan 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simon Poelchau
       
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