# taz.de -- Deutsche Wirtschaft wächst kaum: Weniger Exporte, wenige Investitionen und weniger Kredite
       
       > Trotz Wirtschaftswachstums steckte die deutsche Industrie 2025 noch in
       > der Krise. Die Flaute schlug sich dabei auch im Kreditgeschäft der Banken
       > nieder.
       
 (IMG) Bild: Nach riesigen Schuldenaufnahmen nur 0,2 Prozent Wirtschaftswachstum? Containerschiffe im Hamburger Hafen, November 2025
       
       Die Talsohle scheint erreicht: Nach zwei Jahren des Schrumpfens ist die
       deutsche Wirtschaft 2025 leicht gewachsen. [1][Das Bruttoinlandsprodukt]
       legte nach Abzug der Inflationsrate um 0,2 Prozent zu, teilte das
       Statistische Bundesamt am Donnerstag auf Grundlage vorläufiger Schätzungen
       mit. Angekurbelt wurde die Konjunktur dabei vor allem vom Staat und den
       Menschen im Land. „Das Wachstum ist vor allem auf die gestiegenen
       Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates zurückzuführen“,
       sagte die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand.
       
       Demgegenüber hätten die Exporte erneut nachgeben, und auch die
       Investitionsschwäche der Unternehmen habe angehalten. Das schlägt sich auch
       im Kreditgeschäft der Banken nieder, wie Statistiken der Bundesbank zeigen,
       die der taz vorliegen.
       
       Insbesondere die Kernbereiche der deutschen Exportindustrie litten unter
       [2][den von den USA angezettelten Zollschlachten] und der verstärkten
       Konkurrenz aus China. Die Ausfuhren in beide Länder gingen um 7,8
       beziehungsweise 11,9 Prozent zurück. Insgesamt schrumpften die deutschen
       Exporte vergangenes Jahr um 0,3 Prozent.
       
       Besonders Fahrzeuge, Maschinen und chemische Erzeugnisse verkaufte die
       deutsche Industrie weniger ins Ausland, wobei diese Waren etwa 40 Prozent
       der gesamten Ausfuhren ausmachen. Folglich herrschte vor allem in der
       Industrie weiterhin Flaute. Die Bruttowertschöpfung im verarbeitenden
       Gewerbe ging auch dieses Jahr noch mal zurück. Das Minus betrug 1,3
       Prozent. Nur im Baugewerbe war es mit minus 3,6 Prozent größer.
       
       Die Schwäche der Industrie schlägt sich mittlerweile auch auf dem
       Arbeitsmarkt nieder. Meldungen von Stellenabbau waren in den vergangenen
       Monaten nicht selten. In der Industrie sank die Zahl der Erwerbstätigen im
       vergangenen Jahr um 2,2 Prozent, während sie insgesamt mit 46 Millionen
       Beschäftigten nahezu unverändert blieb.
       
       ## Unternehmen als Hemmschuh
       
       Während Staat und private Haushalte mehr Geld ausgaben und damit die
       Konjunktur stützen – ihre Ausgaben stiegen um 1,5 beziehungsweise 1,4
       Prozent –, machte sich diese Entwicklung auch in einer Investitionsschwäche
       der Unternehmen bemerkbar. Insbesondere für Ausrüstung (minus 2,3 Prozent)
       sowie Maschinen (minus 3,3 Prozent) gaben sie weniger aus und erwiesen sich
       so im vergangenen Jahr als Hemmschuh für die Konjunktur.
       
       Die Investitionsschwäche schlägt sich auch im Kreditgeschäft der Banken
       nieder: Während die Finanzinstitute der Eurozone den Unternehmen kräftig
       frisches Geld gaben – die Buchkredite legten vergangenen November im
       Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,4 Prozent zu – verlief das Kreditgeschäft
       in Deutschland eher mau, wie Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) und
       Bundesbank zeigen. Hierzulande wuchs der Wert der Kredite an Unternehmen in
       den Bilanzen der Banken um lediglich 0,39 Prozent. Damit ist Deutschland
       nach Luxemburg Schlusslicht in der Währungsunion.
       
       Wie es mit den Krediten läuft, ist ein wichtiger Konjunkturindikator, weil
       frisches Geld sozusagen das Schmierfett der Wirtschaft ist. Unternehmen
       leihen sich Geld von Banken, nicht nur um finanzielle Engpässe zu
       überbrücken. Viel wichtiger sind Darlehen sogar bei der Ausweitung des
       Geschäftes. Viele Investitionen werden nicht nur mit eigenem, sondern auch
       mit dem Kapital von Banken getätigt. Damit kurbeln sie die Konjunktur an
       und schaffen Arbeitsplätze.
       
       So waren in Deutschland eben sowohl das Wirtschaftswachstum als auch die
       Investitionen der Unternehmen in ihre Ausrüstung im Vergleich zum Euroraum
       unterdurchschnittlich. „Dazu passt die verhaltene Kreditvergabe“, schrieb
       die Bundesbank der taz auf Anfrage. Im Gegensatz zum Euroraum, wo die
       Erholung des Buchkreditgeschäfts mit nichtfinanziellen Unternehmen bereits
       2024 einsetzte, sei im Firmenkundengeschäft der Banken in Deutschland
       bisher keine Erholungstendenz erkennbar. „In den vorangegangenen drei
       Quartalen war die Kreditvergabe an inländische nichtfinanzielle Unternehmen
       per Saldo sogar leicht negativ“, so die Bundesbank.
       
       ## In Griechenland wächst die Wirtschaft
       
       Anders verlief es etwa in Griechenland. Dort stieg der Wert der Buchkredite
       im November um 10,2 Prozent, auch die Ausrüstungsinvestitionen legten
       zuletzt im September um 12,8 Prozent zu. „Das ist kein Wunder. In
       Griechenland läuft die Wirtschaft richtig gut“, sagt Silke Tober vom
       Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der taz. Anders
       als in Deutschland würden beim einstiegen Sorgenkind Europas auch neue
       Arbeitsplätze geschaffen. Im Sommer wuchs dort die Wirtschaftsleistung um 2
       Prozent, während es hierzulande 0,3 waren.
       
       Für Finanzexpertin Tober liegen die Gründe für das stockende Kreditgeschäft
       nicht nur in der Investitionszurückhaltung der Unternehmen: „Die Banken
       sind auch strenger bei der Kreditvergabe.“ Nachdem die Wirtschaft bereits
       2023 und 2024 geschrumpft und vergangenes Jahr auch nur moderat gewachsen
       sei, würden die Banken das Ausfallrisiko bei Krediten höher einschätzen als
       zu Zeiten, als die Konjunktur noch rund lief. Das würde neues Kapital für
       die Unternehmen teurer machen, falls sie überhaupt Geld von der Bank
       kriegen, und so Investitionen noch mal erschweren.
       
       Tober spricht sich deswegen für weitere Zinssenkungen durch die Europäische
       Zentralbank aus. Das würde die Finanzierungskosten für die Unternehmen
       senken und so die Konjunktur ankurbeln. Zumal die Inflationsrate im
       Dezember weiter nachgelassen hat und im kommenden Jahr unter dem
       2-Prozent-Ziel der EZB liegen dürfte. Denn die hohen Energiepreise und
       Handelskonflikte würden weiterhin Risiken für die Konjunktur sein.
       
       Doch ein Indikator, dass die Konjunkturflaute auch 2026 weitergeht, ist die
       maue Kreditvergabe nicht. „Die Stagnation wird nicht anhalten. Dafür ist
       der staatliche Impuls mit dem geschaffenen Sondervermögen für öffentliche
       Investitionen und den gestiegenen Verteidigungsausgaben zu stark“, sagt
       Tober. Sie und ihre Kolleg*innen vom IMK gehen von einem
       Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent aus. Deshalb, so Tober, würde in diesem
       Jahr auch das Kreditgeschäft vermutlich wieder wachsen.
       
       ## Optimismus für 2026
       
       Mit diesem Optimismus sind Tober und ihre IMK-Kolleg*innen nicht allein.
       Auch andere Wirtschaftsinstitute gehen davon aus, dass die Konjunktur
       dieses Jahr wieder anzieht. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung
       (DIW) rechnet etwa mit einem Wachstum von 1,3 Prozent, das Münchner
       Ifo-Institut ist mit 0,8 Prozent etwas skeptischer.
       
       Ein Umstand stimmt Expertin Tober indes zusätzlich positiv: Anders als das
       Geschäft mit kurzfristigen Darlehen ist jenes mit langfristigen Krediten
       zuletzt wieder um 2,48 Prozent kräftig gewachsen. Und Unternehmen leihen
       sich vor allem für eine Sache langfristig Geld von den Banken: [3][für
       Investitionen].
       
       15 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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