# taz.de -- Wintersport als Spaßbad: Fun, Fun, Fun
> Ist es schon so weit, dass Snowboard altmodisch wirkt? Ja, isso,
> schließlich springt hier niemand Pirouetten. Die Snowboarder selbst aber
> wehren sich.
(IMG) Bild: Traue keinem unter der 30: Snowboarder Niels Conradt
Australische Fans ziehen mit ihren grün-gelben Perücken durch den Ort.
Manchen ist anzusehen, dass in den Bars von Livigno auch schon um 11 Uhr
vormittags etliche Gläser Aperol Spritz über die Theken gehen. Manch einer
trägt ein aufblasbares Känguru mit sich herum. Fans aus England, die
aussehen wie Fans aus England eben oft aussehen, nur wärmer angezogen,
postieren sich sehr früh vor den finalen Läufen im Snowboardcross direkt
hinter dem Zaun zum Zielbereich im Snowpark.
Aus den USA und Kanada sind jede Menge junger Leute da. Und als einmal
Mitglieder des Teams aus Neuseeland vor den Tribünen so finster
dreinblickend, wie es sich eben gehört, einen Hakka aufführen, jubeln ihnen
hinterher jede Menge junger Landsleute zu.
Es sind Bilder, die Eindruck machen – auch beim Internationalen Olympischen
Komitee. Sie stehen dafür, dass Wintersport Zukunft hat. Schon nach den
Sommerspielen von Paris hatte das IOC festgestellt, dass es sich gelohnt
hat, Sportarten wie Skateboard oder 3×3-Basketball ins olympische Programm
zu integrieren.
## Welche Sportart ist noch attraktiv genug?
Endlich konnte man mal wieder junge Leute für die Olympischen Spiele
begeistern. Schnell war der Entschluss gefasst, weiter am olympischen
Programm zu schrauben. Und auch eine Disziplin, die oben in Livigno direkt
neben den Funsportarten ausgetragen worden ist, muss um seine olympische
Zukunft fürchten: der Parallelriesenslalom mit dem Snowboard.
Auf einem abgesteckten Kurs gegeneinander um die Wette zu fahren, ohne
dabei ein paar Salti oder Schrauben in der Luft zu drehen, könnte nicht
mehr attraktiv genug sein für die Macher von Olympia. Als IOC-Präsidentin
Kirsty Coventry drei Tage vor den Spielen ihre erste programmatische Rede
hielt, sagte sie: „Ich weiß, diese Diskussionen können und werden
wahrscheinlich unbequem sein, aber sie sind nötig, wenn die Spiele auch für
die kommenden Generationen stark sein sollen.“ Neben der Nordischen
Kombination ist auch der Parallelriesenslalom schon länger unter
Beobachtung.
Bei dem stehen keine Aussis oder Kiwis im Zielraum. Er zieht eher ein
klassisch, alpines Publikum an. Das alpine Snowboarden lebt auch nicht vom
Nervenkitzel wie die anderen Disziplinen im Snowpark. Die unfassbare Höhe,
in die sich ein Snowboarder in der Halfpipe katapultiert, sorgt für
Aufschreie im Publikum, das sich längst daran gewöhnt hat, dass die sonst
so allgegenwärtige Partymusik verstummt, wenn ein Sportler seinen Sprung
nicht steht. Wenn der Gestürzte wieder steht oder abtransportiert ist, geht
die Party weiter.
## Gaudikultur? Hier nicht so
Beim Snowboardcross gehört das Kreischen ebenfalls zu den Standradlauten
aus dem Publikum, das immer dann besonders aufgeregt ist, wenn sich
Athlet:innen so nahe kommen, dass sie sich gegenseitig zu Sturz bringen
könnten. Das um die Wette-Fahren im Parallelriesenslalom kann da nicht
mithalten.
Auch die Gaudikultur ist den alpinen Snowboardern nicht ganz so eigen wie
den Flug- und Nahkampfkünstlern auf dem Brett. Die wird in der Halfpipe, an
der Big-Air-Schanze und auch der Cross-Strecke regelrecht zelebriert. Da
redet man zwar auch von harter Arbeit, die Grundlage für den Erfolg sei,
aber ohne das Wort „Fun“ kommt fast keine Äußerung aus.
Nach dem Finale des Mixed-Wettbewerbs im Snowboardcross am Sonntag meinte
Charlotte Banks, die zusammen mit Huw Nightingale das erste Gold auf Schnee
für Großbritannien gewonnen hat, dass ihr Trainer vor dem Finale einfach
nur gesagt hat, sie solle Spaß haben. Und ihr Kollege wurde gar nicht mehr
müde zu betonen, wie sehr er sich nun auf die Party freue, bei der er es so
richtig krachen lassen wolle.
Derweil versuchen die alpinen Snowboarder auf Social Media die Kampagne für
den Olympiastatus ihrer Sportart am Leben zu halten, die sie kurz vor
Beginn ihrer Wettbewerbe gestartet hatten. Unter dem Hashtag
[1][#keeppgsolympic] haben alle Spitzenathletinnen und -athleten Videos mit
ihrer Botschaft gepostet. Esther Ledecka, die tschechische
Schneesportlegende, die Olympiasiege mit dem Snowboard und auf Skiern
vorzuweisen hat, führt die Kampagne an. [2][1,5 Millionen Aufrufe hat ihr
Video], in dem sie sagt, sie hätte in diesem Jahr auch auf Skiern antreten
können, habe sich aber für Snowboarden entschieden, weil das ein so
wunderbarer Sport sei.
Gold gewonnen hat diesmal ihre Landsfrau Zusana Maděrová. Die spricht
[3][in ihrer Videobotschaft] von Geschwindigkeit und Freiheit. Vielleicht
ist das der Ton, der beim IOC verfängt. Benjamin Karl, Olympiasieger bei
den Männern, macht den Vergleich mit den alpinen Skifahrern auf. „Wir
machen nichts anderes als die“, sagt er und verweist auf Teilnehmende aus
32 Nationen. Bei der Qualifikation zum Finale auf der Halfpipe waren gerade
einmal Athleten aus elf Ländern am Start.
16 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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