# taz.de -- Russlands Rückkehr in den Weltsport: Fechten unter der Kriegsflagge
> Die Jugend aus Russland und Belarus darf wieder international mitmischen.
> Bei den Olympischen Jugendspielen soll alles sein wie vor dem Krieg in
> der Ukraine.
(IMG) Bild: Fechterin für die ukrainische Sache: Olha Charlan bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris
Russland und Belarus kehren auf die olympische Bühne zurück – mit Fahne,
Hymne und allem nationalen Klimbim, der eben dazu gehört zu internationalen
Sportwettkämpfen. Nein, bei den anstehenden Olympischen Winterspielen in
Mailand und Cortina d'Ampezzo ist es noch nicht so weit. Da dürfen nur ein
paar handverlesene Athletinnen und Athleten aus den beiden kriegführenden
Ländern als sogenannte Neutrale an den Start gehen.
Bei den Olympischen Jugendspielen im Sommer im senegalesischen Dakar sollen
die Fahnen der Russischen Föderation und von Belarus indes gehisst werden.
Es wäre das erste Mal seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine im
Februar 2022, dass die beiden Länder ihre Nationalsymbole wieder in der
olympischen Arena zeigen dürfen.
## Neue Regeln bis zum Sommer
Auf Vorgabe der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees wurde
auf dem sogenannten Olympic Summit Anfang Dezember die Empfehlung
beschlossen, künftig Jugendsportlerinnen und -sportler aus Russland und
Belarus wieder zu internationalen Wettbewerben zuzulassen. Den Empfehlungen
dieses Einladungsgremiums, dem neben IOC-Präsidentin Kristy Coventry und
ihren Stellvertretern ausgewählte Chefs nationaler Olympiakomitees und
internationaler Sportverbände wie Oberleichtathlet Sebastian Coe und
Fifa-Boss Gianni Infantino angehören, wird in der Sportwelt für gewöhnlich
Folge geleistet.
Die Erwartung, dass die Sportfachverbände die neuen Regeln bis zu den
Jugendspielen im Sommer umgesetzt haben, [1][geht aus der Mitteilung des
IOC unmissverständlich hervor]. Was den Erwachsenensport betrifft, bleibt
es erst mal bei den Vorgaben des IOC, die dazu raten, nur russische und
belarussische Athletinnen und Athleten, die nach einer Prüfung nicht als
Propagandasprachrohre oder Militärangehörige zu identifizieren sind, unter
neutraler Flagge starten zu lassen.
Und für Belarus gab es noch ein besonderes Schmankerl vom IOC. Während in
Russland weiterhin keine internationalen Sportereignisse ausgetragen werden
sollen, darf Belarus künftig die Sportwelt wieder zu sich einladen. Während
die Zulassung der Nachwuchssportlerinnen und -sportler vom IOC damit
begründet wurde, dass diese „nicht für Handlungen ihrer Regierungen
verantwortlich gemacht werden sollen“, gibt es für den speziellen
Belarus-Bonus keine spezielle Erklärung.
Vielleicht hebt das Land ja seine Hand, wenn es um die Neuvergabe der
Fecht-EM geht, die eigentlich im kommenden Sommer in Estland stattfinden
soll. Dem Land des Olympiasiegerinnenteams von 2021 im Degenfechten könnte
das Gastgeberrecht wieder entzogen werden, weil sich Estlands Regierung
weigert, Fechterinnen und Fechtern aus Belarus Visa auszustellen.
„Die Regierungsposition ist klar: An Athleten aus den Aggressorstaaten
werden keine Visa ausgegeben“, [2][heißt es aus dem Außenministerium].
Allen Qualifizierten die Anreise zu ermöglichen, ist aber eine der
Voraussetzungen bei der Vergabe von Turnieren der European Fencing
Confederation.
Deren internationaler Mutterverband, die FIE, hat derweil die neuen
IOC-Empfehlungen schon umgesetzt und jugendliche Fechterinnen und Fechter
aus Russland und Belarus wieder zu Wettbewerben zugelassen. Alle nationalen
Symbole sollen dabei erlaubt sein. In der Ukraine ist man über diesen
Schritt entsetzt.
[3][Säbelfechterin und zweifache Olympiasiegerin Olha Charlan], die wegen
ihrer zwei Olympiasiege und ihrer kompromisslosen Haltung gegenüber
Russland als nationale Ikone gilt, [4][schrieb Ende Dezember auf
Instagram]: „Als Sportlerin aus der Ukraine kann ich das nicht akzeptieren.
Ich vertrete ein Land, das 1.399 Tage Vollinvasion hinter sich hat und fast
12 Jahre Krieg, Töten, Besatzung, Entführungen und Terror. All das
geschieht unter ebenjener Flagge und Hymne.“
7 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.olympics.com/ioc/news/olympic-summit-reaffirms-athletes-fundamental-rights-to-access-sport-without-political-interference
(DIR) [2] https://news.err.ee/1609898332/estonia-likely-to-forfeit-hosting-top-fencing-event-over-opposition-to-russian-competitors
(DIR) [3] /Ukrainische-Athletinnen-bei-Olympia/!6023792
(DIR) [4] https://www.instagram.com/p/DSz6ZiWjR1c/?img_index=1
## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
## TAGS
(DIR) Kolumne Russisch Brot
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) IOC
(DIR) Fechten
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Kolumne Russisch Brot
(DIR) Fechten
(DIR) Schwerpunkt Olympische Spiele 2024
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Russlands Rückkehr in den Weltsport: Zurück in der Loipe
Langläufer aus Russland starten wieder im Weltcup. Sie qualifizieren sich
prompt für Olympia. Erinnerungen an die Spiele von Peking werden wach.
(DIR) Ukrainische Athlet:innen bei Olympia: Fair Play in Zeiten des Krieges
Muss eine ukrainische Fechterin ihrer russischen Gegnerin die Hand reichen?
In Paris gelten jetzt neue Fair-Play-Regeln, die Ausnahmen ermöglichen.
(DIR) Olympia-Teilnahme russischer Athleten: Bach und der Bann
Das IOC berät über die Zulassung von Russland und Belarus zu den
Olympischen Spielen von Paris. Im ukrainischen Sport ist man entsetzt
darüber.