# taz.de -- Vor Grönland-Gesprächen: Dänemark verstärkt Militärpräsenz, Trump will keinen Kompromiss
> Die dänische Armee soll ab heute verstärkt auf der Insel präsent sein.
> Der US-Präsident hat eine einvernehmliche Lösung als „inakzeptabel“
> bezeichnet.
(IMG) Bild: Keine Kompromisse: US-Präsident Donald Trump spricht am Dienstag auf einem Militärflughafen in Maryland mit Reporter*innen
dpa/afp/rtr/ap | Kurz vor einem Krisentreffen im Weißen Haus zum Thema
Grönland hat Dänemark angekündigt, seine Militärpräsenz auf der
Arktis-Insel ab sofort zu verstärken. Die Armee setze „von heute an“
Einheiten zu Übungen auf der Insel ein, erklärte das dänische
Außenministerium am Mittwoch. Dies werde in nächster Zeit „zu einer
verstärkten Militärpräsenz in und um Grönland führen“.
Ziel sei es, die Fähigkeit zum Einsatz unter den besonderen Bedingungen in
der Arktis zu trainieren und die Präsenz des Verteidigungsbündnisses zu
stärken. Bei den Übungsaktivitäten könne es sich laut der Mitteilung unter
anderem um die Unterstützung grönländischer Behörden wie der Polizei, die
Überwachung systemrelevanter Anlagen, den Einsatz von Kampfflugzeugen in
und um Grönland, die Lösung von Marineaufgaben sowie die Entgegennahme
alliierter Truppen handeln.
## Trump bekräftigt Anspruch auf Grönland
Kurz vor Gesprächen zwischen Dänemark und den USA im Weißen Haus hat
US-Präsident Donald Trump seinen Anspruch auf Grönland bekräftigt. „Alles
andere ist inakzeptabel“, schrieb Trump auf seinem Sprachrohr Truth Social.
Die Nato-Mitgliedschaft des zum Königreich Dänemark gehörenden Territoriums
im Nordatlantik sei kein ausreichender Schutz für Grönland, so der
US-Präsident weiter.
Er wischte damit einen Vorstoß der Europäer*innen zur Verstärkung der
Nato-Präsenz in der Arktis vom Tisch, mit dem unter anderem Bundeskanzler
Friedrich Merz versucht hatte, den Streit zu entschärfen.
„Die Vereinigten Staaten brauchen Grönland zum Zweck der nationalen
Sicherheit“, schrieb Trump. Es sei elementar für den Aufbau des geplanten
Raketenabwehrsystems „Golden Dome“ (Goldene Kuppel). Die Nato solle daher
den Weg für eine US-Übernahme der Insel bereiten, so Trump weiter. In
Versalien schrieb er: „WENN WIR ES NICHT TUN, WERDEN ES RUSSLAND ODER CHINA
MACHEN, UND DAS WIRD NICHT PASSIEREN!“
Die Nato könne nur dank der USA eine wirksame Abschreckung entfalten,
schrieb Trump und fügte hinzu, das sei sein Verdienst durch die Stärkung
der US-Streitkräfte während seiner ersten Amtszeit. „Die Nato wird viel
mächtiger und effektiver, wenn Grönland in den Händen der Vereinigten
Staaten liegt“, schrieb er.
Trump gibt seit mehr als einem Jahr immer wieder zu Protokoll, dass er das
weitgehend autonome Grönland den USA einverleiben will. Es verfügt über
wichtige Bodenschätze, ist sechsmal so groß wie Deutschland, hat aber nur
etwa so viele Einwohner wie die Stadt Greifswald.
## Klare Haltung von Dänemark und Grönland
Die Regierungen von Dänemark und Grönland haben deutlich gemacht, [1][dass
ein Verkauf] oder eine Annexion des Territoriums durch die USA nicht
akzeptabel sind. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnte vor
einem Ende der Nato, sollte die US-Regierung ihre Ankündigungen wahr
machen.
Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen und seine grönländische
Kollegin Vivian Motzfeldt werden noch heute (16.30 Uhr MEZ) im Weißen Haus
zu Gesprächen erwartet.
## Teilnahme von Vance an Gespräch weckt Sorge
Zu dem ursprünglich als Außenminister*innentreffen geplanten
Gespräch mit US-Chefdiplomat Marco Rubio meldete sich kurzfristig auch
US-Vizepräsident J. D. Vance an. Das weckte Sorge vor einer konfrontativen
Begegnung. Vance gilt als Hardliner, der im vergangenen Februar bei einem
Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj maßgeblich zur
Eskalation des Gesprächs beigetragen hatte.
## Kein deutsches Konsulat in Grönland
Deutschland wird anders als Frankreich angesichts der Ansprüche von
US-Präsident Donald Trump auf Grönland derzeit kein Konsulat auf der
autonomen dänischen Insel eröffnen. Für die Vertretung der Deutschen vor
Ort sei nach wie vor die Botschaft in Kopenhagen zuständig, sagte
Regierungssprecher Stefan Kornelius am Mittwoch in Berlin auf Anfrage.
Deutschland werde aktuell auch von einem Honorarkonsul in Grönland
vertreten, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.
Der französische Außenminister Jean-Noel Barrot hatte am Mittwoch dem
französischen Sender RTL gesagt, dass die französische diplomatische
Vertretung auf Grönland am 6. Februar ihre Arbeit aufnehmen solle. Die USA
müssten aufhören, Grönland zu erpressen und die Kontrolle über die größte
Insel der Welt zu fordern. Die Pläne für das Konsulat gibt es demnach seit
dem vergangenen Jahr.
## Ausländische Medien stürzen sich auf Grönländer*innen
Die Annexionsforderungen des US-Präsidenten haben Grönland ein
beispielloses Medieninteresse beschert. Kurz vor dem
Außenminister*innentreffen am Mittwoch fragten internationale
Journalist*innen und Kamerateams in der grönländischen Hauptstadt Nuuk
alle paar Meter Passant*innen [2][nach ihrer Meinung zu der Krise], die
nach Ansicht der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen das Ende
der Nato bedeuten könnte. Befragte Grönländer*innen pochten auf ihr
Selbstbestimmungsrecht.
Die Studentin Tuuta Mikaelsen sagte der Nachrichtenagentur Associated Press
(AP), ihre Landsleute profitierten davon, Teil Dänemarks zu sein. Das biete
ihnen kostenlose Gesundheitsversorgung, Bildung und Zahlungen während des
Studiums. „Ich möchte nicht, dass die USA uns das wegnehmen“, sagte die
22-Jährige. Ein weiterer Passant sagte AP, er habe in Nuuk eine
Polizeibeschwerde gegen Trumps aggressives Verhalten eingereicht.
14 Jan 2026
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