# taz.de -- Außenminister auf US-Trip: Wadephul beschwört Stärke der transatlantischen Beziehung
       
       > Trotz allem: Außenminister Wadephul ist in Washington bemüht, gut Wetter
       > zu machen. In den USA wird von seinem Besuch kaum Notiz genommen.
       
 (IMG) Bild: Gute Miene zum bösen Spiel: Außenminister Johann Wadephul nach dem Treffen mit seinem US-Amtskollegen Marco Rubio
       
       Bundesaußenminister Johann Wadephul machte gute Miene zum bösen Spiel
       während seines Besuchs in den USA. Der CDU-Politiker versuchte zu
       versichern, dass die USA und Europa noch immer starke Verbündete sind –
       trotz aller Unruhen, die die transatlantischen Beziehungen derzeit
       belasten.
       
       Im Gegensatz dazu stehen die Aussagen und das Handeln der US-Regierung,
       zuletzt der Angriff und die Festnahme des ehemaligen venezolanischen
       Präsidenten Nicolás Maduro. Auch die fast täglichen Bekundungen, dass man
       sich gern Grönland aneignen möchte, tragen nicht zur Beruhigung bei. Beides
       steht im Kontrast zu internationalem Recht. Im Fall von Grönland könnte es
       sogar das Ende der Nato bedeuten.
       
       „Wir Deutschen, wir Europäer brauchen verlässliche Partner in Washington“,
       sagte Wadephul am Montag nach einem Treffen mit US-Außenminister Marco
       Rubio in Washington. Ob er [1][die US-Regierung von Präsident Donald Trump]
       als verlässlich einstuft, beantwortete der Bundesaußenminister mit Verweis
       auf das Bekenntnis der USA zu Artikel 5 des Nato-Vertrags.
       
       Die zunehmende Kritik an Europa aus Washington, die Maßnahmen der
       Trump-Regierung gegenüber Ausländern im eigenen Land oder der [2][Rückzug
       aus vielen internationalen Organisationen] haben die transatlantischen
       Beziehungen im ersten Jahr von Trumps zweiter Amtszeit jedoch stark
       strapaziert.
       
       Darauf angesprochen, verteidigte Wadephul die USA und erklärte, dass die
       demokratischen Werte, freie Medien oder die gegenseitige Äußerung von
       Kritik das Rückgrat dieser Beziehung sei. „Die kategorischen Unterschiede
       zwischen unseren gemeinsamen Systemen, unseren gemeinsamen
       Wertvorstellungen zu denjenigen in Peking oder Moskau, die liegen doch auf
       der Hand“, erklärte der 62-Jährige. Dennoch verdeutlicht Wadephuls Reise,
       dass bei den großen Themen die Meinungen auseinandergehen.
       
       ## Trump will Grönland
       
       Am deutlichsten waren [3][die unterschiedlichen Perspektiven beim Thema
       Grönland] zu sehen. „Wenn es um die Angelegenheiten geht, die Grönland und
       Dänemark betreffen, ist es an Grönland und Dänemark, darüber zu
       entscheiden“, erklärte Wadephul. Er bestätigte zudem, dass es noch in
       dieser Woche Gespräche zwischen der US-Regierung und Vertretern aus
       Grönland und Dänemark geben werde.
       
       In der Zusammenfassung des US-Außenministeriums fehlte das Thema Grönland
       komplett. Ein mögliches militärisches Vorgehen, um Grönland unter
       US-Kontrolle zu bringen, wurde von republikanischen Kongressmitgliedern wie
       auch von Rubio in den vergangenen Tagen und Wochen heruntergespielt. Doch
       Trump hält in öffentlichen Äußerungen daran fest.
       
       Auch im Kongress gibt es in der Grönlandfrage Bewegung. Am Montag brachte
       der republikanische Abgeordnete Randy Fine im Repräsentantenhaus einen
       Gesetzesvorschlag ein, der es Trump explizit erlauben würde, Grönland zu
       annektieren. Im Text ist die Rede davon, dass Trump „alle erforderlichen
       Maßnahmen“ ergreifen dürfe, „einschließlich der Aufnahme von Verhandlungen
       mit dem Königreich Dänemark“, um Grönland als Territorium zu annektieren
       „oder anderweitig zu erwerben“. Anschließend soll Grönland auch als neuer
       Bundesstaat den USA beitreten können.
       
       Derweil will der demokratische Abgeordnete Jimmy Gonzales ein Gesetz
       einbringen, was es Trump verbieten würde, Bundesmittel einzusetzen, um sich
       die Insel im Nordatlantik anzueignen. Ob die Gesetzesvorhaben im
       republikanisch dominierten Haus und Senat Aussicht auf Erfolg haben, ist
       derzeit nicht klar. Auch im Kongress wollen nicht alle Republikaner Trump
       einfach einen Blankoscheck ausstellen. Ebenso zweifelhaft ist aber, ob sich
       rechte Abweichler hinter dem Gegenentwurf der Demokraten versammeln.
       
       In einer Pressekonferenz am Dienstag sprach sich Dänemarks
       Premierministerin Mette Frederiksen erneut gegen die Übernahmegelüste aus.
       Im Anschluss sagte Grönlands Premier Jens-Frederik Nielsen, die Insel wolle
       nicht von den USA regiert oder Teil von ihr werden: „Wir wählen das
       Grönland, das wir heute kennen und das Teil des Königreichs Dänemark ist.“
       
       Wadephul hält ein militärisches Vorgehen der USA in Grönland für
       unwahrscheinlich. Er bestätigte allerdings, dass es ein gemeinsames
       Interesse gebe, die Sicherheitsfragen im arktischen Raum anzugehen.
       
       13 Jan 2026
       
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