# taz.de -- Geplante Gesundheitsreform: Die Hausärztin als Gatekeeper
       
       > Zuerst zum Hausarzt, dann zum Facharzt: Das plant das
       > Gesundheitsministerium mit dem Primärversorgungssystem. Dafür startet
       > jetzt ein Dialogverfahren.
       
 (IMG) Bild: Wartezimmer einer Arztpraxis in Freiburg: die Hälfte der gesetzlich Versicherten wartet zehn Tage auf einen Termin beim Facharzt
       
       Künftig sollen Patient:innen nicht mehr einfach so zum Facharzt gehen
       können – das plant das Gesundheitsministerium in einem seiner Kernprojekte
       dieser Legislaturperiode. Stattdessen sollen sie sich zuerst an einen
       Hausarzt wenden beziehungsweise eine elektronische oder telefonische
       Ersteinschätzung bekommen. Da das Gesundheitssystem jedoch sehr komplex
       sei, müssten für eine entsprechende Reform alle Beteiligten früh
       mitsprechen – daher brauche es einen Dialog, so Gesundheitsministerin Nina
       Warken (CDU). Dieser startete am Dienstag mit verschiedenen
       Vertreter:innen des Gesundheitswesens.
       
       Warken nannte die Pläne zum sogenannten Primärversorgungssystem „eine der
       wichtigsten Strukturveränderungen in diesen Jahren“. Aktuell sei das
       Problem, dass Patient:innen selbst entscheiden, zu welcher Ärzt:innen
       sie gehen. Das sei „ineffizient“ für beide Seiten.
       
       Das Ziel sei daher, mehr Orientierung und klare Regeln zu schaffen. Für
       Patient:innen bedeutet das auch: Ein direkter Zugang zu
       Fachärzt:innen ist dann nicht mehr möglich. Außerdem können Patienten
       nicht mehr zu so vielen Ärzt:innen gehen, wie sie möchten. Warken sagte
       aber auch, dass es Ausnahmen geben werde: zum Beispiel bei Gynäkolog:innen,
       Augen- oder Zahnärzt:innen, Vorsorgeuntersuchungen oder chronisch Kranken.
       Wie genau diese Ausnahmen aussehen werden, sollen die Beteiligten im Dialog
       noch besprechen. „Es soll keine sinnlose Schleife entstehen“, sagte Warken.
       
       ## Umfrage belegt Wartezeiten
       
       Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorsitzende des GKV-Spitzenverbands,
       ist Teil des Dialogs. Die Primärversorgung sei zentral, um die Situation
       für gesetzlich Versicherte zu verbessern, so Stoff-Ahnis. Derzeit würden
       die Beiträge steigen und trotzdem sei es schwierig, [1][Termine zu
       bekommen]. Eine repräsentative Befragung der GKV zeigt: [2][Die Hälfte der
       gesetzlich Versicherten wartet zehn Tage auf einen Termin beim Facharzt.]
       Jeder Vierte gibt an, einen ganzen Monat auf einen Termin zu warten. Bei
       jedem Zehnten sind es sogar drei Monate. Das sorge für eine „zunehmende
       Ungleichbehandlung zwischen privat und gesetzlich Versicherten“, so
       Stoff-Ahnis.
       
       Um Hausärzte in der Primärversorgung zu entlasten, wolle man zudem eine
       digitale und telefonische Ersteinschätzung für Patient:innen anbieten.
       Daneben brauche es auch die elektronische Überweisung und
       Terminvermittlung, so Stoff-Ahnis. Wichtig sei es, diese drei Elemente zu
       verbinden.
       
       Zusätzlich solle die Rufnummer der Kassenärzt:innen, die 116117, ausgebaut
       werden. Zur Versorgung soll es neue Berufe mit mehr Kompetenzen geben. Zum
       Beispiel die sogenannten Advanced Practice Nurse – Krankenpfleger:innen,
       die beispielsweise Hausbesuche übernehmen können.
       
       ## Kritik von Patientenverbänden
       
       [3][Patientenverbände] kritisieren, dass Patient:innen den direkten
       Zugang zu Fachärzt:innen verlieren sollen. Besonders für chronisch
       kranke Menschen würde das Gesetz die Versorgung erschweren und soziale
       Ungleichheiten verschärfen. Außerdem könnten sich Diagnosewege verlängern
       und die Arzt-Patient-Beziehungen verschlechtern.
       
       „Die freie Arztwahl muss auch in einem reformierten System erhalten
       bleiben, denn ein Primärarzt, der ausschließlich Überweisungen ausstellt,
       ist kein Fortschritt, sondern lediglich eine zusätzliche Hürde beim Zugang
       zur Versorgung“, kritisierte Martin Danner, Bundesgeschäftsführer der
       BAG-Selbsthilfe, einem der Patientenverbände. Auch sie sind Teil des
       Dialogs.
       
       Die Verbände begrüßen hingegen eine digitale Ersteinschätzung. Dafür müsse
       aber auch die elektronische Patientenakte mit zusätzlichen Anwendungen
       ausgestattet werden.
       
       Ein Gesetz zum Primärversorgungssystem soll es noch in diesem Jahr geben,
       so Gesundheitsministerin Warken. Wann dieses dann in Kraft treten kann, sei
       aber noch unklar.
       
       28 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ueberweisung-zum-Facharzt/!6146308
 (DIR) [2] https://www.gkv-spitzenverband.de/gkv_spitzenverband/presse/pressemitteilungen_und_statements/pressemitteilung_2181888.jsp
 (DIR) [3] https://www.vdk.de/presse/pressemitteilung/patientenorganisationen-fordern-mutige-reform-der-ambulanten-versorgung/#c73991
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jana Laborenz
       
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