# taz.de -- U-Boot-Deal geplant: Merz auf Werbetour in Indien
> Vor dem Kanzlerbesuch in Indien zeichnet sich ab, dass der
> milliardenschwere Rüstungsdeal von ThyssenKrupp kurz vor dem Abschluss
> steht.
(IMG) Bild: Friedrich Merz ist auf dem Weg nach Indien, dort wird er schon erwartet. Plakat in Ahmedabad
Bundeskanzler Friedrich Merz eilt bei seiner ersten bilateralen Reise im
neuen Jahr eine frohe Botschaft voraus: Ein U-Boot-Rüstungsgeschäft im Wert
von über 8 Milliarden US-Dollar (knapp 7 Milliarden Euro) zwischen
ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) und der indischen Marine scheint
besiegelt zu sein.
Was seinen Montag beginnenden Indien-Antrittsbesuch und die erste Reise
seines Vorgängers Olaf Scholz als damaliger Kanzler eint, ist somit nicht
nur ein Tross von Wirtschaftsvertretern, sondern auch jene
Rüstungskooperation, die nun konkret wird. Indien besitzt bereits
[1][deutsche U-Boote], von denen zwei in Mumbai gefertigt wurden – und
weitere sollen dort gebaut werden. Bisher bezog Delhi atomgetriebene Boote
noch aus Russland. Mithilfe der sechs neuen U-Boote der Klasse U214 möchte
das Land seine Position im Indopazifik gegenüber China stärken. Für die
neue Ausschreibung stand schon länger ein westlicher Partner im Fokus. TKMS
setzte sich gegen den spanischen Konkurrenten Navantia durch.
Merz’ Reise vom 11. bis 13. Januar beginnt in Ahmedabad, im
Heimatbundesstaat von Premierminister Narendra Modi. Die Einladung gilt als
diplomatische Aufwertung. Vor ihm wurde diese Ehre nur ausgewählten
Regierungschefs zuteil, darunter Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump,
bevor es zu dessen Zerwürfnis mit Modi kam. In Berlin sieht man das
angespannte Verhältnis zu den USA als Chance, das Freihandelsabkommen
zwischen Indien und der EU bis zum (Indien-EU-Gipfel in Delhi) Ende des
Monats abzuschließen. Doch damit ist die Reise nicht zu Ende: Sie führt
Merz auch in die südindische Techmetropole Bangalore und zu dort ansässigen
deutschen Unternehmen.
Auf dem Programm stehen drei Schwerpunkte: wirtschaftliche Kooperation,
Fachkräfte und Rüstung – wohl auch mit Blick auf die Abhängigkeit von China
–, Fachkräftesicherung, insbesondere im Gesundheitsbereich, sowie
Sicherheits- und Rüstungskooperation. Laut dem Stockholmer
Friedensforschungsinstitut Sipri ist Indien nach der Ukraine der weltweit
zweitgrößte Rüstungsimporteur und damit ein lukrativer Markt. Deutschland
eingeschlossen, will man Indien mit Rüstungskooperationen enger an den
Westen binden. Das gelingt auch. Die Importe aus Russland haben abgenommen,
wie Sipri-Daten zeigen.
## Über 25 Jahre strategische Partnerschaft
Dass Deutschland und Indien kooperieren, ist nicht neu: Bereits seit dem
Jahr 2000 besteht zwischen den beiden Ländern eine strategische
Partnerschaft. Doch etwas hat sich im Laufe der Jahre verändert: Die
Frequenz hochrangiger Besuche aus Deutschland – außerhalb von
Regierungskonsultationen – hat stark zugenommen.
Gleichzeitig vertiefen sich wirtschaftliche und personelle Verflechtungen:
Die Zahl indischer Studierender in Deutschland hat mit 60.000 einen Rekord
erreicht, etwa 170.000 Inder:innen arbeiten in Deutschland
sozialversicherungspflichtig. Und in Indien sind über 2.000 deutsche Firmen
aktiv, während 750 indische Unternehmen in Deutschland tätig sind. In
Fachkreisen gilt eine engere Partnerschaft mit Delhi als Baustein der
deutschen Wachstums- und Fachkräftestrategie.
TKMS-Vorstandschef Oliver Burkhard wird mit dem Kanzler nach Indien reisen.
Er begrüßte in Indien bereits in [2][lokalen Medien] „Technologiepartner“,
mit denen TKMS seine Lieferkette diversifizieren möchte. Laut Burkhard habe
TKMS den Auftrag erhalten, da sie als einziger Anbieter einen
außenluftunabhängigen Antrieb mit Brennstoffzelle liefere, der es
ermögliche, sehr lange zu tauchen, sagte er der FAZ.
Laut Militärexperten gilt Indien als vertrauenswürdiger Partner, wenn es um
Betriebsgeheimnisse im Bereich der Rüstung geht. Und Berlin hat angesichts
des Krieges in der Ukraine sein Asienbild überholt. Die Bundesrepublik hat
erkannt, dass sie angesichts der Sicherheitsrisiken und ihrer eigenen
Verwundbarkeit – sowohl was den Handel als auch den Zugang zu Öl betrifft –
aktiver im Indopazifik werden muss. Eine Linie, die unter Scholz
eingeschlagen wurde und die nun Merz fortführt.
11 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Strategische-Partnerschaft-mit-Indien/!5936363
(DIR) [2] https://economictimes.indiatimes.com/news/defence/german-submarine-co-eyes-india-as-tech-partner/articleshow/123705264.cms
## AUTOREN
(DIR) Natalie Mayroth
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