# taz.de -- Militärpolitische Asienreise: Pistorius sucht die Nähe zum Indopazifik
> Der Bundesverteidigungsminister baut sicherheitspolitische
> Partnerschaften und Rüstungskooperationen aus. Die Region wird immer mehr
> zum Schlüsselraum.
(IMG) Bild: Ein U-Boot von ThyssenKrupp bei der Übergabezeremonie an Singapur 2024
„Unsere Länder mögen geografisch weit voneinander entfernt sein, doch wir
sehen uns mit derselben harten Realität konfrontiert“, sagte
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei seinem Besuch am Dienstag
in Singapur während seiner achttägigen Indopazifikreise. „Wir wollen
unseren Partner in der Region näherkommen.“
Berlin baut deshalb dort seine sicherheitspolitische Präsenz aus, was jetzt
das Ziel des SPD-Politikers bei seinen Besuchen in Japan, Singapur und
Australien ist. Die Bundesregierung sucht zugleich Rohstoffzugänge,
militärische Anschlussfähigkeit und Rüstungsgeschäfte.
In Japan, dem ersten Stopp, ist die Rüstungskooperation weniger erfolgreich
als im Stadtstaat Singapur. Dort ist Pistorius jetzt schon zum zweiten Mal
in seiner Amtszeit. Am Dienstag wohnte er der Unterzeichnung einer
Absichtserklärung von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) mit dem lokalen
Unternehmen ST Engineering für ein Wartungszentrum für U-Boote in Singapur
bei. Das soll auch von TKMS gebaute U-Boote aus Drittstaaten wie Kanada
bedienen.
„Wir zeigen damit, dass Zusammenarbeit konkrete Vorteile bringt“, sagte
Pistorius. Den Staat an der Südspitze der malaysischen Halbinsel, der auch
ein zentraler Luft- und Marinestützpunkt für US-Streitkräfte auf
Leasingbasis ist, nennt Pistorius „den wichtigsten maritimen und
technologischen Knotenpunkt in Südostasien“.
## Deutschland bildet Soldaten aus Singapur aus
Für Singapur wurden bei TKMS in Kiel bereits vier U-Boote gebaut, zwei
weitere sind bestellt. Die Besatzungen werden von der Deutschen Marine in
Kiel ausgebildet. Singapur hat zudem zahlreiche Panzer vom Typ Leopard II,
deren Mannschaften ebenfalls in Deutschland ausgebildet werden.
Die Kooperation im Verteidigungsbereich reicht von Cybersicherheit über
maritime Lagebilder bis zu Rüstungsfragen. Seit 2020 ist ein deutscher
Verbindungsoffizier in Singapur tätig. Anfang Februar wurde in Anwesenheit
von Außenminister Johann Wadephul (CDU) das deutsch-singapurische
[1][Innovationsjahr] mit Fokus auf künstliche Intelligenz,
Quantentechnologie sowie grüne und Verteidungstechnologien ausgerufen.
Der Indopazifik gewinnt für Berlin weiter an Bedeutung. Die Leitlinien der
Bundesregierung betonen die Region als Schlüsselraum globaler
Ordnungspolitik. Zuletzt nahm die Besucherdichte aus Deutschland wieder zu.
Offen bleibt, welchen dauerhaften militärischen Beitrag Berlin leisten
will.
In den letzten Jahren zeigte Deutschland bereits militärisch Präsenz – auch
mit [2][Blick auf China]. Dazu zählen die Pazifikreise der [3][Fregatte]
„Baden-Württemberg“, die bei ihrer Weltumrundung 2024 auch Indien und die
[4][Taiwan-Straße] passierte, [5][Luftwaffen]verlegung und Übungen. Die
Einsätze sollen die Freiheit der maritimen Handelswege betonen.
## Seltene Erden down under im Blick
China-Experten wie Andreas Fulda warnen, dass ein angedrohter Angriff der
chinesischen Volksbefreiungsarmee auf Taiwan für Deutschland [6][größere
wirtschaftliche] Folgen hätte als die jetzige Blockade der Straße von
Hormus.
In Australien, der letzten Station seiner Reise, sind kritische Materialien
wie Lithium von Interesse. Das dortige Unternehmen Lynas gilt als einziger
bedeutender Produzent separierter Seltenerdmetalle außerhalb Chinas.
Seltene Erden sind zentral für die Elektronik und Sensoren moderner
Waffensysteme.
Mit der vereinbarten vertieften Zusammenarbeit mit [7][Japan] will der
Bundesverteidigungsminister die Interoperabilität und technologische
Anschlussfähigkeit stärken, etwa bei Logistik und gemeinsamen Übungen der
Streitkräfte. „Verlässlichkeit in einer weniger verlässlich werdenden Welt
wird immer wichtiger – gerade für diejenigen, die keine Supermächte sind“,
sagte Pistorius.
24 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.channelnewsasia.com/watch/singapore-and-germany-launch-bilateral-year-innovation-5901576#:~:text=Singapore%20and%20Germany%20have%20launched%20a%20bilateral,will%20focus%20on%20areas%20such%20as%20technology
(DIR) [2] /Deutsche-Marine-im-Indo-Pazifik/!6036164
(DIR) [3] /Deutsch-indische-Beziehungen/!6045097
(DIR) [4] /Mit-Fregatte-Baden-Wuerttemberg/!6036675
(DIR) [5] /Bundesluftwaffe-trainiert-in-Indien/!6026680
(DIR) [6] https://www.welt.de/politik/ausland/plus69ba54000713c545a375b8a5/china-und-taiwan-das-szenario-das-viel-schlimmer-waere-als-die-hormus-blockade.html
(DIR) [7] https://www.japantimes.co.jp/news/2026/03/23/japan/politics/defense-chief-meeting-german-japan/
## AUTOREN
(DIR) Natalie Mayroth
## TAGS
(DIR) Boris Pistorius
(DIR) U-Boot
(DIR) ThyssenKrupp
(DIR) Japan
(DIR) Australien
(DIR) Leopard-Panzer
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Friedrich Merz
(DIR) Johann Wadephul
(DIR) Luftwaffe
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Nachrichten im Irankrieg: Diplomatisches Ringen um US-Plan
Teheran lehnt den Trump-Plan ab, doch die internationalen Bemühungen um ein
mögliches Kriegsende nehmen zu. Eine Schlüsselrolle soll dabei Pakistan
spielen.
(DIR) U-Boot-Deal geplant: Merz auf Werbetour in Indien
Vor dem Kanzlerbesuch in Indien zeichnet sich ab, dass der
milliardenschwere Rüstungsdeal von ThyssenKrupp kurz vor dem Abschluss
steht.
(DIR) Asien-Reise von Außenminister Wadephul: Japan als „Premiumpartner“
In Tokio betont Bundesaußenminister Wadephul die Nähe beider Länder. Er
verteidigt zudem das deutsche Marine-Engagement im Indopazifik.
(DIR) Bundesluftwaffe trainiert in Indien: Manöver mit strategischen Absichten
In Indien nimmt die Bundesluftwaffe derzeit erstmals an einer Übung teil.
Es geht um neue strategische Beziehungen und erhoffte Rüstungsexporte.