# taz.de -- Merz auf Antrittsbesuch in Indien: Ziemlich beste Freunde
       
       > Bundeskanzler Merz reist nach Indien zu Premier Narendra Modi. Beide sind
       > angesichts der unberechenbar gewordenen USA auf Partner angewiesen.
       
 (IMG) Bild: Ziehen gemeinsam zumindest an einer Drachenschnur: Kanzler Merz und Indiens Premierminister Modi am Montag
       
       Lachend blicken Bundeskanzler Friedrich Merz und Indiens Premierminister
       Narendra Modi einander in die Augen, während sie in einer Limousine durch
       das westindische Ahmedabad fahren. „Die Freundschaft zwischen Indien und
       Deutschland wächst durch gemeinsame Werte, enge Zusammenarbeit und
       gegenseitiges Verständnis“, verkündete [1][Modi] am Montag auf der
       Plattform X und postete das passende Foto dazu.
       
       Modi, ein Meister der Inszenierung, hat den Kanzler zu einem zweitägigen
       Antrittsbesuch eingeladen. Modi versteht die Macht der Bilder und weiß, wie
       er seine „Freunde“ in Szene setzt. Merz wird in Modis Heimatbundesstaat
       Gujarat empfangen – eine Ehre, die zuvor unter anderem Chinas Staatschef Xi
       Jinping, dem US-Präsidenten Donald Trump und Australiens Premier Anthony
       Albanese zuteilwurde.
       
       Der erfahrene Politiker nutzt solche Gelegenheiten, um Gujarat ins
       Rampenlicht zu rücken. [2][Diesmal] gehören dazu eine Stippvisite im
       Sabarmati-Ashram des Freiheitskämpfers Mohandas Gandhi, wo beide Blumen
       niederlegen, ein Abstecher zum Flugdrachenfestival, indische Tanzeinlagen
       und ein Treffen mit Geschäftsführern aus beiden Ländern.
       
       Nur Wladimir Putin, seinen wohl schwierigsten Freund, hat Modi hier noch
       nicht empfangen. Doch die Bilder von Merz wecken Erinnerungen: Erst im
       Dezember kursierte ein [3][ähnliches Foto] von Modi und Putin, gut gelaunt
       im Auto. Damals schien ihre alte „Bromance“ wieder aufzuleben, doch der
       Funke sprang nicht so recht über. Indien und Russland haben sich
       auseinanderentwickelt. Vor diesem Hintergrund überrascht die Annäherung
       zwischen Modi und Merz kaum.
       
       Schon seit vielen bilateralen Gesprächen wird betont, man wolle enger
       kooperieren, und so wachsen beide Länder langsam zusammen. Es half, dass
       Deutschland das sensible Thema der Rüstungsexporte angegangen ist. Berlin
       ermöglicht Indien nun einen größeren Technologietransfer, etwa beim
       milliardenschweren U-Boot-Geschäft zwischen der ThyssenKrupp-Tochter TKMS
       und der indischen Marine. Militärexperten wie C. Uday Bhaskar sprechen von
       einer „Win-win-Situation“. Zudem planen die Verteidigungsministerien beider
       Länder eine gemeinsame Strategie, wie man „auf Industrieebene“ und mittels
       Technologiepartnerschaften verstärkt zusammenarbeiten kann.
       
       Auch wirtschaftlich soll die Partnerschaft vertieft werden. Geplant ist ein
       Innovationszentrum für künstliche Intelligenz, Quantencomputing, Halbleiter
       und Batterietechnologie. Deutschland erhofft sich zudem besseren Zugang zu
       Indiens kritischen Mineralien. Insgesamt wurden 19 Abkommen unterzeichnet
       und [4][weitere Vorhaben festgehalten]. Die gemeinsame Pressekonferenz
       wirkte wie eine Vorwegnahme der Regierungskonsultationen zwischen Indien
       und Deutschland, die noch in diesem Jahr in Deutschland stattfinden sollen.
       
       ## Bilateraler Handel erreicht Rekordniveau
       
       Unterdessen erreichte der bilaterale Handel beider Staaten mit einem
       Volumen von knapp 50 Milliarden US-Dollar ein Rekordniveau. Merz erklärte,
       er wolle „das volle Potenzial der Beziehungen ausschöpfen“. Ein
       Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU sei dafür „entscheidend“. Er
       ist optimistisch, dass die Verhandlungen bis Monatsende abgeschlossen sein
       werden. Einige größere Streitpunkte bleiben allerdings derzeit noch,
       darunter das Thema Importkontingente für die Automobilindustrie. Indien
       verlangt hohe Einfuhrzölle, sehr zum Leidwesen der ohnehin darbenden
       deutschen Autoindustrie.
       
       „Dieses Land ist für uns außerordentlich interessant, auch im Hinblick auf
       Arbeitskräfte“, betonte Merz. Er kündigte ein erweitertes Angebot für
       Deutschkurse in Indien an und warb um Arbeitskräfte für Handwerk,
       Industrie, IT und Pflege in Deutschland. Die Anwerbung Letzterer soll über
       die „Global Skills“-Partnerschaft intensiviert werden, die sich bereits in
       Vietnam bewährt hat. Die Bundesagentur rekrutiert auch schon Pflegekräfte
       aus den Bundesstaaten Kerala und Telangana. Über die Vermittlungsagentur
       NoRKA Roots kamen bisher 1.000 Fachkräfte aus Südindien nach Deutschland,
       500 weitere befinden sich in Vorbereitung, teilte das Unternehmen der taz
       mit.
       
       ## Merz sammelt Sympathiepunkte
       
       In Indien kann Merz Sympathiepunkte sammeln. Sowohl Indien wie auch
       Deutschland wollen angesichts eines unberechenbaren US-Präsidenten andere
       Partnerschaften ausbauen. Die Einfuhren von russischem Rohöl hat Delhi
       aufgrund von Druck aus Washington bereits reduziert. 
       
       Währenddessen lenken die USA in Neu Delhi, fast 900 Kilometer von Ahmedabad
       entfernt, trotz aller Anstrengungen von Merz, die Aufmerksamkeit dann doch
       mal wieder auf sich. Auf den TV-Sendern läuft die Ankündigung des neuen
       [5][US-Botschafters Sergio Gor] in Indien. [6][Trump] werde vielleicht im
       nächsten Jahr kommen. Und schon wird diskutiert, ob sich die Beziehungen zu
       den USA vielleicht doch wieder verbessern könnten.
       
       12 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/narendramodi/status/2010644249042452749
 (DIR) [2] https://x.com/narendramodi/status/2010690263455617480
 (DIR) [3] https://www.ndtv.com/world-news/pm-modi-putin-car-ride-becomes-warning-shot-over-trumps-handling-of-india-ties-9788993
 (DIR) [4] https://www.mea.gov.in/bilateral-documents.htm?dtl/40581
 (DIR) [5] https://x.com/USAmbIndia/status/2010692272749211955
 (DIR) [6] https://www.ndtv.com/world-news/trump-may-visit-next-year-us-says-no-country-more-essential-than-india-10718747
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Natalie Mayroth
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Indien
 (DIR) Narendra Modi
 (DIR) Kanzler Merz
 (DIR) GNS
 (DIR) Kanzler Merz
 (DIR) Indien
 (DIR) Indien
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) U-Boot-Deal geplant: Merz auf Werbetour in Indien
       
       Vor dem Kanzlerbesuch in Indien zeichnet sich ab, dass der
       milliardenschwere Rüstungsdeal von ThyssenKrupp kurz vor dem Abschluss
       steht.
       
 (DIR) Geopolitik und Waffendeals: Indien und Russland wollen wieder enger zusammenwachsen
       
       Beim zweitägigen Besuch von Putin bei Modi soll eine alte Freundschaft
       wiederbelebt werden. Das ist auch ein trotziges Signal an Washington.
       
 (DIR) Besuchsdiplomatie: Wenn Indiens schwieriger Freund zu Besuch kommt
       
       Russlands Präsident Wladimir Putin wird in Indien trotz westlicher Kritik
       freundlich begrüßt werden. Doch stand es um die Freundschaft schon besser.