# taz.de -- US-amerikanischer Angriff auf Venezuela: Was bisher geschah
       
       > Es ist der erste Angriff auf das Land seit 123 Jahren. Eine historische
       > Einordnung der Ereignisse und was die deutsche Marine damit zu tun hat.
       
 (IMG) Bild: Nicolás Maduro hat noch Unterstützer*innen: am Tag der Vereidigung von Delcy Rodríguez als Interimspräsidentin, zeigen Menschen sein Foto
       
       Die Ausrufung der Vereinigten Provinzen von Venezuela am 5. Juli 1811
       beendet die spanische Kolonialherrschaft. Politische Unruhen prägen die
       Folgejahre, ehe die Spanier 1823 endgültig vertrieben werden. Der Mythos um
       den [1][„Libertador“ Simón Bolívar] im südamerikanischen Befreiungskampf
       prägt das Land noch heute.
       
       Am 2. Dezember 1823 hält US-Präsident James Monroe eine Rede vor dem
       US-Kongress. In dieser skizziert er seine außenpolitischen Vorstellungen.
       Unter der griffigen Formulierung „Amerika den Amerikanern“ sollen sich die
       europäischen Mächte vom amerikanischen Kontinent zurückziehen und die neuen
       Staaten anerkennen.
       
       Am 21. Januar 1903 mischt plötzlich auch das deutsche Kaiserreich mit. Die
       „SMS Vineta“, ein Schiff der deutschen Marine, erreicht die Gewässer vor
       Venezuela und beschießt die Küste. Dahinter stehen imperiale und
       wirtschaftliche Interessen. Es sollte für knapp 123 Jahre der letzte
       Angriff auf venezolanisches Staatsgebiet bleiben.
       
       ## Ein Ölstrahl in Höhe von 20 Stockwerken
       
       Bei Bohrversuchen der europäischen Erdölfirma Royal Dutch Shell wird in
       Cabimas die Ölquelle „Barroso II“ entdeckt und ab 14. Dezember 1922
       genutzt. Ihr Ölstrahl hat eine Höhe von ungefähr 20 Stockwerken. In der
       Folge avanciert Venezuela sechs Jahre später zum größten Ölexporteur der
       Welt.
       
       Am 23. März 1947 erweiterte US-Präsident [2][Harry Truman] die
       Monroe-Doktrin um den Grundsatz, dass man allen Ländern, die „von
       militanten Minderheiten oder durch äußeren Druck“ bedroht würden, beistehen
       werde. Damit sollte der Kommunismus bekämpft werden.
       
       Nach einer [3][Phase der Militärdiktatur] wird Venezuela 1958 wieder
       demokratisch. Aus Rücksicht auf die antikommunistischen USA schließt der
       „Punto-Fijo-Pakt“ aus sozialdemokratischen und konservativen Kräften Linke
       aus.
       
       ## Das lateinamerikanische „Wirtschaftswunderland“
       
       Am 14. September 1960 ist Venezuela Gründungsmitglied der Organisation
       erdölexportierender Länder (Opec). Wegen hoher Öleinnahmen und einer
       zufriedenstellenden Verteilung von Macht und Gewinnen sehen viele Venezuela
       als Land eines lateinamerikanischen Wirtschaftswunders.
       
       Unter Präsident Carlos Andrés Pérez wird die venezolanische Erdölindustrie
       am 1. Januar 1976 in den staatlichen Ölkonzern PDVSA überführt. Der
       öffentliche Sektor wächst, die Auslandsverschuldung auch. Sinkende Ölpreise
       stürzen das Land 1989 dann in eine tiefe Rezession.
       
       Auf Druck des Internationalen Währungsfonds verfolgt die damalige Regierung
       ein neoliberales Programm und privatisiert Staatsbetriebe. Die Bevölkerung
       leidet unter steigenden Benzinpreisen. Am 27. Februar 1989 [4][beginnt der
       Caracazo], ein Aufstand, der blutig niedergeschlagen wird.
       
       ## Der Beginn des Chavismus
       
       Nach gescheiterten Anläufen siegt Hugo Chávez am 6. Dezember 1998 in freien
       Wahlen. Der Sozialist erlässt eine neue Verfassung der Bolivarischen
       Republik Venezuela. Er verstaatlicht ganze Industriebereiche und rückt
       Umverteilung in den Mittelpunkt. NGOs bemängeln sein repressives System.
       
       Mit Chávez’ Tod am 5. März 2013 betritt sein erwünschter Nachfolger Nicolás
       Maduro die politische Bühne und siegt bei der Wahl am 14. April 2013 mit
       knapper Mehrheit. Die Grundrechtssituation verschärft sich unter anderem
       durch Einschränkungen in der [5][Pressefreiheit].
       
       Im Jahr 2019, während Donald Trumps erster Präsidentschaft, bietet Russland
       den USA ein [6][kurioses Tauschgeschäft] an. Laut einer ehemaligen
       Trump-Beraterin hätte der Kreml damals auf seine Unterstützung für das
       Maduro-Regime verzichtet, wenn die USA im Gegenzug die Ukraine fallen
       gelassen hätten.
       
       ## Präsident Maduro gerät unter Druck
       
       Schon während Trumps erster Amtszeit 2020 gibt es US-amerikanische
       [7][Bestrebungen einer Anklage] gegen Nicolás Maduro. Ihm werden Korruption
       und Drogenhandel sowie „Narco-Terrorismus“ vorgeworfen. Er ist deswegen vor
       einem New Yorker Gericht angeklagt.
       
       Am 28. Juli 2024 gibt es in Venezuela [8][Wahlen mit mangelhaften
       Standards]. Da setzt sich Amtsinhaber Maduro gegen einen demokratischen
       Zusammenschluss unter fragwürdigen Bedingungen durch. Zahlreiche
       internationale Organisationen und Länder erkennen dies jedoch nicht an.
       
       Am 10. Dezember 2025 geht der Friedensnobelpreis in Oslo an die
       venezolanische Oppositionelle [9][María Corina Machado], die ihn Donald
       Trump widmet. Kritiker*innen bemängeln, dass damit eine Militärintervention
       in Venezuela legitimiert werden könne.
       
       9 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/297009/geschichte-und-geschichtsbilder-venezuelas-eine-skizze/
 (DIR) [2] https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/506079/12-maerz-1947-verkuendung-der-truman-doktrin/
 (DIR) [3] https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/297009/geschichte-und-geschichtsbilder-venezuelas-eine-skizze/
 (DIR) [4] https://monde-diplomatique.de/artikel/!5662610
 (DIR) [5] /Repression-in-Venezuela/!6026650
 (DIR) [6] https://www.focus.de/politik/ausland/putin-bot-trump-venezuela-zum-tausch-gegen-die-ukraine-an_a5c27cc3-627b-4dcf-b887-b7624fe0a0d5.html
 (DIR) [7] /US-Angriff-auf-Venezuela/!6142574
 (DIR) [8] https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/dossier-kriege-konflikte/266687/venezuela/
 (DIR) [9] /Friedensnobelpreis-Verleihung/!6136990
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Elias Batz
       
       ## TAGS
       
 (DIR) wochentaz
 (DIR) US-Angriff auf Venezuela
 (DIR) Venezuela
 (DIR) Nicolás Maduro
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Imperialismus
 (DIR) Lesestück Recherche und Reportage
 (DIR) US-Angriff auf Venezuela
 (DIR) US-Angriff auf Venezuela
 (DIR) Venezuela
 (DIR) wochentaz
 (DIR) Podcast „Bundestalk“
 (DIR) US-Angriff auf Venezuela
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Caracas nach US-Angriff: Neues, altes Venezuela
       
       Seit Diktator Maduro in die USA entführt wurde, denken die Menschen in
       Venezuela wieder an die Zukunft. Doch dafür müssen sie auch in die
       Vergangenheit blicken.
       
 (DIR) Opposition in Venezuela: Machado überreicht Trump ihre Friedensnobelpreis-Medaille
       
       Am Donnerstag empfing der US-Präsident erstmals Venezuelas
       Oppositionsführerin. Sie schmeichelte ihm – und tat, was sie zuvor
       angekündigt hatte.
       
 (DIR) US-Angriff auf Venezuela: Eine Supermacht Europa ist keine Alternative zum US-Bündnis
       
       Europa kann sich von Trumps Drohungen erpressen lassen oder die offene
       Konfrontation riskieren. Militärisches Hochrüsten ist aber auch keine
       Lösung.
       
 (DIR) Außenpolitik von Donald Trump: Durch und durch einseitig
       
       Der US-Angriff auf Venezuela und die Entführung Maduros waren nicht nur
       völkerrechtswidrig, sondern vor allem auch strategisch fragwürdig.
       
 (DIR) US-Angriff auf Venezuela: Ein Land im Wartemodus
       
       Seit dem US-Angriff auf Caracas ist die venezolanische Hauptstadt nicht
       mehr dieselbe. In die Unsicherheit vor Ort mischt sich aber auch
       Zuversicht.
       
 (DIR) US-Militäraktion in Venezuela: Ist das Völkerrecht am Ende?
       
       Die USA bombardieren Venezuela und entführen den Präsidenten. Während
       Europa zögert, droht Trump bereits den Nächsten – diesmal in Richtung
       Grönland.
       
 (DIR) US-Angriff auf Venezuela: Krieg im Hinterhof
       
       Schon immer haben sich die USA gewaltsam in die Angelegenheiten
       lateinamerikanischer Staaten eingemischt. Aus politischen und
       Wirtschaftsinteressen.