# taz.de -- Neue Grundsicherung: Millionen Zusatzkosten statt Milliardeneinsparungen
       
       > Die Arbeitsagentur bekommt durch die Bürgergeldreform neue Aufgaben.
       > Statt Geld zu sparen, kostet die Reform zunächst. Und zwar die
       > Beitragszahler.
       
 (IMG) Bild: Die neue Grundsicherung wird die Kassen der Bundesagentur für Arbeit erst mal zusätzlich belasten. Es drohen höhere Beiträge
       
       Milliardeneinsparungen durch die Bürgergeldreform? Diese Ankündigung des
       Bundeskanzlers [1][ist längst vom Tisch.] Der Gesetzesentwurf zur neuen
       Grundsicherung, der ab Mitte Januar im Bundestag beraten wird, sieht für
       Bund und Kommunen gerade mal eine Ersparnis von knapp 400 Millionen Euro
       vor – verteilt auf vier Jahre. An anderer Stelle entstehen sogar neue
       Ausgaben: Für die Bundesagentur für Arbeit (BA) sagt der Entwurf bis 2029
       Zusatzkosten von rund 260 Millionen Euro voraus.
       
       Und auf diesem Betrag wird die BA wohl sitzen bleiben. „Es sind seitens der
       Bundesregierung keine unmittelbaren Entlastungen für die Bundesagentur für
       Arbeit geplant“, antwortete das Sozialministerium jetzt auf eine
       schriftliche Frage des Bundestagsabgeordneten Timon Dzienus (Grüne). Das
       Schreiben liegt der taz vor.
       
       [2][Die Reformpläne sehen unter anderem schärfere Sanktionen] und weniger
       Wohnkostenerstattung vor. Die Mehrkosten für die Bundesagentur entstehen
       laut Regierung aber durch Paragrafen im Gesetzesentwurf, die daneben die
       „Betreuung und Förderung junger Menschen“ ausweiten. Es gehe vor allem um
       „junge Menschen mit komplexen persönlichen Lebenslagen“, denen durch
       Beratung zu einer Berufsausbildung verholfen werden soll.
       
       Aus ihren Rücklagen wird die BA diese Zusatzaufgaben nicht finanzieren
       können: Die eigenen Reserven hat sie unter anderem wegen steigender
       Arbeitslosenzahlen schon im vergangenen Jahr aufgebraucht. Um ihre Ausgaben
       zu decken, benötigte sie 2025 zudem ein Darlehen des Bundes in Höhe von 2,2
       Milliarden Euro. Weitere 4 Milliarden Euro kommen voraussichtlich in diesem
       Jahr hinzu.
       
       ## Es drohen höhere Beiträge
       
       Die jetzt geplanten Zusatzausgaben werden es der BA noch schwerer machen,
       ihre Schulden zurückzuzahlen oder gar neue Rücklagen für künftige Krisen
       aufzubauen. Wird ihr Schuldenberg zu groß, bleiben perspektivisch zwei
       Optionen: Entweder müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer höhere Beiträge
       zahlen. Sie würden dadurch indirekt für die neuen Beratungsleistungen
       aufkommen, die genau genommen gar nicht Aufgabe der
       Arbeitslosenversicherung sind.
       
       Oder aber die Bundesagentur muss an anderer Stelle ihre Ausgaben senken.
       Viel Spielraum hat sie dafür nicht. Möglicherweise müsste bei bestehenden
       Fördermaßnahmen gekürzt werden.
       
       Den Grünen zufolge sollte für die Lücken der BA und für neue Leistungen
       stattdessen der Bund aufkommen. „Schon jetzt hat die Bundesagentur eine so
       schwierige Haushaltslage wie noch nie. Statt eines echten Zuschusses gibt
       es ein Darlehen, das nie zurückgezahlt werden kann. Das ist nicht nur
       finanzpolitisch verantwortungslos, sondern auch sozialpolitisch
       brandgefährlich“, sagt der Abgeordnete Dzienus.
       
       Die neue Grundsicherung werde diese Problematik noch weiter verschärfen, so
       Dzienus weiter. Die Bundesregierung sei „geblendet von ihrem eigenen
       Sanktionswahn“ und lasse „die Beitragszahlerinnen auf Mehrkosten sitzen“.
       
       ## Bundesagentur beschwerte sich
       
       Die Bundesagentur selbst hatte sich bei der Bundesregierung bereits im
       November über die Pläne beschwert. Die „einseitige Belastung durch den
       Gesetzentwurf hält die BA für kritisch“, [3][schrieb sie in einer
       Stellungnahme für den Gesetzgebungsprozess] über die geplanten
       Mehrausgaben.
       
       Christina Ramb, Arbeitgebervertreterin im Verwaltungsrat, forderte bei der
       Vorstellung des BA-Haushalts für 2026: „Versicherungsfremde Leistungen
       sollten nicht mehr in die Arbeitslosenversicherung verlagert werden.“
       Alexander Fischer, für den Deutschen Gewerkschaftsbund in dem Gremium,
       fügte hinzu: „Wenn neue Aufgaben in den Haushalt der Bundesagentur wandern,
       muss der Bundeshaushalt mit Steuermitteln diese Aufgaben auch finanzieren.“
       
       9 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bundeskanzler-Friedrich-Merz-verkuendet-Streichungen-von-Buergergeld-Leistungen/!6118678
 (DIR) [2] /Kabinett-beschliesst-neue-Grundsicherung---Buergergeld-wird-abgeschafft/!6139282
 (DIR) [3] https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Gesetze/Stellungnahmen/13-gesetz-zur-aenderung-zweiten-buch-sozialgesetzbuch-und-anderer-gesetze/13-gesetz-zur-aenderung-SGB-II-stellungnahme-von-BA.pdf?__blob=publicationFile&v=1
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Schulze
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Bürgergeld
 (DIR) Agentur für Arbeit
 (DIR) Bündnis 90/Die Grünen
 (DIR) Bundestag
 (DIR) Grundsicherung
 (DIR) Bürgergeld
 (DIR) Bürgergeld
 (DIR) Social-Auswahl
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Härten der neuen Grundsicherung: „Es müsste verpflichtend sein, einen Hausbesuch zu machen“
       
       Jürgen Leuther ist Sprecher der Depressionsliga. Er hat den psychischen
       Druck der Behörden selbst erlebt. Die Bürgergeld-Reform wird ihn
       verschärfen.
       
 (DIR) Sozialverband begrüßt Bürgergelddebatte: AWO-Chef fordert Diskussion zur Armutsvermeidung
       
       Michael Groß fordert angesichts des SPD-Mitgliederbegehrens eine Diskussion
       über soziale Sicherheit. Es dürfe nicht immer um neue Sanktionen gehen.
       
 (DIR) Bürgergeld: Neue Schikanen für die Ärmsten
       
       Das Kabinett hat eine Bürgergeldreform mit Verschärfungen beschlossen. Von
       den Sanktionen sind vor allem Kinder betroffen.
       
 (DIR) Mehr Härte gegenüber Arbeitslosen: Es wird ungemütlich
       
       Das Gesetz zur neuen Grundsicherung soll nächste Woche ins Bundeskabinett.
       Wer auch nur ein Jobangebot ablehnt, kann schnell ohne Geld dastehen.